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Gedenken an tote Polizisten

Einmal im Jahr gedenkt die Landespolizei ihrer im Dienst getöteten oder verunglückten Kollegen. Am Totensonntag fand der Gottesdienst erstmals in der Pfarrkirche St. Elisabeth in Ludwigsburg-Grünbühl statt.

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Die Landespolizeipfarrerin Eva-Maria Agster und Diakon Georg Hug hielten den Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Elisabeth in Ludwigsburg-Grünbühl für die gestorbenen Polizisten ab.  Foto: 

Am 8. Juli 2013 prüfte Polizeihauptkommissar Mike Scherdi im Rhein bei Plittersdorf, ob die starke Strömung die Suche seines Teams nach einem gefährlichen Hindernis zulässt. Deshalb war der sehr erfahrene und durchtrainierte Polizeitaucher auch als erster ins Wasser gegangen. Nach kurzer Zeit spürten jedoch die Kollegen an der Führungsleine, dass dort unten etwas passiert sein musste. Und in der Tat: Ihr Chef war besinnungslos. Er wurde umgehend geborgen, von Rettungskräften versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Doch alle Bemühungen waren umsonst, Mike Scherdi starb acht Tage später. Er hinterließ Ehefrau und Kinder.

Innenminister Reinhold Gall erinnerte am Sonntag in seiner Gedenkrede in der Pfarrkirche St. Elisabeth in Ludwigsburg-Grünbühl an die im Dienst getöteten oder verunglückten Polizeiangehörigen auch an den tragischen Vorfall im Sommer. Polizeiliche Taucheinsätze seien physische und psychische Höchstbelastungen, sagte Gall, denn Polizeitaucher gingen stets dort hin, wo es oft kalt und schmutzig sei, wo gefährliche Gegenstände lägen und wo nicht vorhersehbare Gefahren lauerten. Scherdi hatte ein gutes Team, dem er vertraute, er war nie ein leichtsinniger Draufgänger, sondern ein umsichtiger Vorgesetzter - und dennoch passierte der tödliche Unfall. Für seine Familie, seine Freunde und Kollegen geriet die Welt aus den Fugen. "Vielleicht mag es für Sie ein Trost sein, liebe Frau Scherdi", wandte Gall sich direkt an die Witwe, "dass Sie nicht allein sind."

Es sind jedoch nicht nur die Polizeibeamten, die im Dienst ihr Leben lassen. Beim alljährlichen ökumenischen Gedenkgottesdienst gedenkt die "Polizeifamilie" im Land auch aller anderen Kolleginnen und Kollegen, die an den Folgen eines Unfalls oder einer unheilbaren Krankheit starben. Wie beispielsweise dem Stuttgarter Polizeipräsidenten Thomas Züfle, der am 16. Juni dieses Jahres in seiner Freizeit mit dem Motorrad tödlich verunglückte. "Ein Mensch, der mit seiner Offenheit, seinem klugen Feinsinn und auch mit seinem Lachen andere Menschen gewinnen konnte", beschrieb ihn der Innenminister. Die außergewöhnlich hohe Anteilnahme der Öffentlichkeit habe das spürbar werden lassen.

In ihrer Predigt wies Landespolizeiseelsorgerin Eva-Maria Agster auf die besonderen Gefahren hin, die tagtäglich auf Polizeibeamte lauern und warb darum, alles nur Mögliche für deren Schutz zu tun. "Das sind Frauen und Männer, die bereit sind, ihr Leben einzusetzen und denen wir als Gesellschaft das auch zumuten", sagte sie. Die Aufforderung "Zieh deine Schutzweste an" sei gelebte Nächstenliebe und verantwortliches Bemühen, die unermessliche Wunde zu verhindern, die der Tod in einer Familie und in der Polizei reiße. Agster: "Wie gut, dass sich in den letzten Jahren im selbstverständlichen Umgang mit der Schutzweste so viel getan hat."

Für alle seit 1945 im Dienst getöteten und im abgelaufenen Jahr gestorbenen Polizeibeamten wurden von Agster und dem katholischen Diakon Georg Hug sowie zwei jungen Polizisten Kerzen entzündet. Ihre Namen sind auf einer gläsernen Stele verewigt, die der Künstler Raphael Seitz geschaffen hat und die am Sonntag vor dem Altar der Pfarrkirche St. Elisabeth aufgestellt war. Unter den sechs Polizeibeamten, die anschließend zusammen mit Diakon Hug die feierliche Fürbitte zelebrierten, war auch Ludwigsburgs Polizeichef Frank Rebholz.

Musikalisch wurde der ökumenische Gottesdienst vom Harmonie-Ensemble des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg unter der Leitung von Toni Scholl gestaltet. Die Solisten waren Susanne Zhang mit der Querflöte sowie Ralf Colin an Orgel.

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