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Fingierte Unfälle: Anklage schwächer

Im Prozess um fingierte Unfälle scheint nach zehnwöchiger Marathonverhandlung vor dem Stuttgarter Landgericht die Betrugsanklage zu wanken.

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Mit zahlreichen fingierten Unfällen sollen ein Kfz-Sachverständiger, ein Rechtsanwalt und ein Fahrzeug-Besitzer-Ehepaar aus Ludwigsburg, Steinheim und Stuttgart von 2011 bis 2014 Versicherungen um hohe Summen geschädigt haben (die BZ berichtete). Nun wird die Anklage schwächer. Der Grund: Der einst mitbeschuldigte 32-jährige Kraftfahrzeuggutachter mit eigenem Büro in Steinheim ist bereits aus dem Verfahren ausgeschieden. Die 18. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat die gegen ihn gerichteten Anklagevorwürfe gegen Bezahlung einer 2000-Euro-Geldbuße an eine Behinderteneinrichtung eingestellt.

Noch auf der Anklagebank sitzen zwei 35- und 36-jährige Ludwigsburger Eheleute und ein Anwalt. Der Ehemann soll sein Auto älteren Baujahres mehrfach dafür eingesetzt haben, um Unfälle zu fingieren und dadurch Versicherungsgelder zu kassieren, so geschehen zweimal in Ludwigsburg und mehrfach auch in Stuttgart. Meist soll er dabei Altschäden überdeckt haben und sich mit Hilfe der Ehefrau die Summen auszahlen gelassen haben, was das Ehepaar allerdings vehement bestreitet. Inzwischen hat auch die Strafkammer in der Beweisaufnahme und durch Zeugenvernehmungen erfahren müssen, dass einige der Unfälle nicht fingiert gewesen sein könnten. In Zuffenhausen zum Beispiel hatte ein Unfallgegner das Fahrzeug des Angeklagten gerammt, weil er verkehrswidrig kurz vor ihm eingeschert war.

Ein anderer Unfallgegner hatte es schlicht vorgezogen, nach einer Kollision das Weite zu suchen. Im Zeugenstand bekundete er, er habe den Unfall auf der Friedrichstraße in Ludwigsburg gar nicht bemerkt. Ob er damals unter Alkohol gestanden hatte, wollte er nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sie gegen ihn ein Verfahren wegen Unfallflucht einleitet. Eine Rüge der Verteidiger hat die Kammer abgewiesen, dass nämlich durch die Verlesung von Prozessunterlagen die Zuhörer keinen Zusammenhang verstehen würden. Gegen das Ehepaar und den mitbeschuldigten Rechtsanwalt wird mit weiteren Beweiserhebungen und Zeugenvernehmungen weiter verhandelt. Am 30. Juni will das Gericht den Prozess beenden. Freisprüche seien wahrscheinlich, sagt eine Zuhörerin, die die Angeklagten kennt.

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