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Festnahmen nach Klinik-Attacke

Nach der lebensgefährlichen Attacke vor drei Wochen vor dem Ludwigsburger Klinikum sind landesweit drei Männer festgenommen worden.

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Drei Wochen nach der lebensgefährlichen Attacke vor dem Ludwigsburger Klinikum hat die Polizei Festnahmen und Hausdurchsuchungen vermeldet. Wer die Männer in Handschellen sind, ist nicht genannt - mit "Rücksicht auf laufende Ermittlungen". Nur soviel: Die Beamten haben mehrere Wohnungen im Landkreis Böblingen und im Main-Tauber-Kreis durchsucht und haben "mögliche Beweismittel" beschlagnahmt.

Es spricht viel dafür, dass die Festgenommenen, die in verschiedenen Gefängnissen sitzen, Mitglieder der "Reg Legion" oder der "Osmanen Germania" sind, zumindest zu deren Dunstkreis gehören. Die "Red Legion" besteht größtenteils aus Muskelmännern mit kurdischen Wurzeln und Rockerkutten. Bei dem Streit in Ludwigburg vor drei Wochen sind mitten in der Nacht zwei Männer der türkisch geprägten "Osmanen" mit Baseballschlägern und Messer attackiert worden - wohl von Anhängern der "Red Legion". Wie die BZ recherchierte, war der Ort des Geschehens direkt vor dem Ludwigsburger Klinikum. Dort war eben erst ein 25-jähriges Mitglied der "Red Legion" eingeliefert worden, das in Stuttgart-Stammheim gejagt und mit Schlag- und Stichwerkzeugen schwer verletzt wurde - vermutlich von Anhängern der "Osmanen". Offenbar war der Angriff in Ludwigsburg also das blutige Nachgeplänkel. Der 41-jährige Mann, der in Ludwigsburg lebensgefährlich verletzt wurde, ist mittlerweile über dem Berg. Dass der Streit vor der Klinik stattgefunden hat, räumen Polizei und Staatsanwaltschaft auch in ihrer Meldung zu den nun erfolgten Festnahmen nicht ein - dort heißt es zum Ort des Geschehens noch immer "im Bereich der Harteneckstraße und der Erlachhofstraße".

Die Polizei spricht weder bei den "Osmanen" noch bei der "Red Legion" von "Rockern", sondern von "rockerähnlichen Gruppierungen" - und das hat nicht nur damit zu tun, dass das gemeinsame Motorradfahren bei beiden nicht zur Tradition gehört. Zwar kleiden sie sich gern in Kutten, allerdings haben die "Osmanen", die "Red Legion", aber auch die balkan-stämmigen "United Tribuns", nicht vergleichbar strenge Regeln wie die etablierten Rocker, etwa die "Hells Angels": langwierige Aufnahme-Rituale sind ihnen fremd - und deshalb wachsen sie auch so schnell.

Die "Osmanen" haben sich vor etwa einem Jahr in Hessen gegründet und gelten als die rockerähnliche Gruppe mit dem stärksten Mitgliederwachstum in Deutschland. Hessische Sicherheitskreise, von denen die "Osmanen" folglich am längsten beobachtet werden, schätzen, dass diese bundesweit mehr als 1000 Mitglieder haben. Für Baden-Württemberg geht man beim Stuttgarter Landeskriminalamt (LKA) in vorsichtigen Schätzungen von einer Mitgliederzahl im "noch nicht dreistelligen Bereich" aus.

Dass es sich bei den Osmanen um eine Bande handelt, die strukturiert von kriminellen Machenschaften leben will, möchte LKA-Sprecher Ulrich Heffner nicht bestätigen. Man dürfe nicht pauschalisieren, sagt er. Letztendlich wisse man noch nicht viel über die "Osmanen". Allerdings gibt es laut Heffner "Belege, dass das ein oder andere Mitglied durchaus an strafrechtlich relevanten Konflikten beteiligt war". So wie jetzt wahrscheinlich in Ludwigsburg und Stuttgart. "Mit Sorge", räumt Heffner ein, sehe man daher beim LKA in Stuttgart das Erstarken der Osmanen.

Auf die Osmanen haben Polizisten schon deshalb ein aufmerksames Auge, weil es zwangsläufig zu Problemen mit anderen Gruppen kommt, heißt es in hessischen Sicherheitskreisen, allzumal die dortigen Ermittler Hinweise darauf haben, dass sich Mitglieder der "Osmanen" in der Rotlicht- und der Türsteherszene etablieren wollen. Diese gelten als Kerngeschäftszweige auch von anderen Gruppierungen - zum Beispiel der 2013 in Baden-Württemberg verbotenen "Red Legion". Ethnische Konflikte wie jener zwischen Türken und Kurden verschärfen das Problem. Dass der Stuttgarter Raum oder Baden-Württemberg dabei sind, ein zentraler Konfliktherd dieser und anderer rockerähnlichen Gruppierungen zu werden, wollte ein Sprecher des LKA "nicht unbedingt" bestätigen.

Dass es sich beim "Osmanen Germania Boxclub", so der vollständige Name, um einen normalen Sportclub handelt, will folglich der Stuttgarter LKA-Sprecher Heffner nicht so stehen lassen: "Das wäre verharmlosend." Als harmlos wollen die "Osmanen gewiss nicht gelten: Auf der Facebook-Seite der Gruppe findet sich ein Rap-Video, in dem Mitglieder auch mit Schusswaffen vor der Kamera posieren.

Anlass für blutige Streitereien zwischen "Osmanen" und anderen Gruppen können allerdings auch spontane, persönliche Streitereien sein, wie ein hessischer Polizist sagt: "Das sind alles Kameraden, die haben eine recht kurze Zündschnur."

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