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Doppelte Distanz, halbierte Wirkung

Eine schrille Figur spricht zu uns. Über den verbindlichen Vertrag, den wir mit ihr eingingen. Mitten im Foyer der Akademie der Darstellenden Künste beginnt die Premiere von Fritz Katers "Abalon. One Nite in Bankok".

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Der von den Studenten addierte Prolog stimmt uns schon mal ein auf die bizarre Geschichte zweier Westbrüder, deren Schicksal sich in Bankok mit dem zweier thailändischer Schwestern verbindet, für eine Nacht. Innen dann im "Turm" der ADK ein Baugerüst, Symbol für das Unfertige, Symbol auch für die Figuren, für ihre unvollständige Annäherung, für die lückenhafte Handlung und gestörte Kommunikation, derer wir gleich Zeuge werden. Sie, die Prologdame möchte uns zuzwinkern während der Aufführung. So nähern sich die Studierenden der Theaterakademie ihrem Stoff dramaturgisch durchdacht.

Erzählen statt handeln, Ironie statt Gefühl, das zeichnet Fritz Katers - richtig: Armin Petras Stücke oft aus. Der Theaterregisseur und -autor übernimmt ab Sommer diesen Jahres die Schauspielintendanz am Stuttgarter Staatstheater.

Mit Fritz Katers "Abalon" hat sich Regisseurin Catja Baumann keine einfache Aufgabe gestellt. Das Baugerüst erschwert sie noch. Denn das tiefe wie hohe Gestell raubt viel an Aufmerksamkeit. Hinten oben, wo lange gespielt wird - wie will man da Mimik aus dem Zuschauerraum erkennen. Zu beleuchten ist das Konstrukt auch nicht leicht. Wo für viele einzelne Momente die Figuren tief in ihr zerrissenes Inneres hätten blicken lassen können, um später wieder aus ihrer Figureneinheit herauszubrechen, da herrscht hier fast durchweg Distanz, Distanz zum Publikum, bei allem Rennen, Turnen und Treiben, welches die vier Protagonisten auf drei Etagen veranstalten. Ein Mal wenigstens gelingt es Judith Schlinks Lia, uns anzurühren, mit ihrem verzweifelten Wunsch zu tanzen, mit ihrer Liebe zu den Brüdern. Zusätzlicher Prolog, Distanz, schwierige Bühne: Fritz Katers/Armin Petras Stücke changieren seit jeher zwischen "nicht aufführungswürdig" und preisbeladen. Die ADK-Inszenierung schiebt "Abalon. One Nite in bankok" in die erste Schublade.

Was bleibt, ist der Plot: Der lebensmüde Comiczeichner Abalon will sich von einer Brücke stürzen, die beiden Prostituierten in ihren Schulinformen geraten dazwischen und Mia in einen Unfall: Ihr werden beide Beine abgefahren, was sie nicht hindern soll, Morphium in die Extremitäten gespritzt, später mit Abalons Bruder zu tanzen. Dieser statt Abalon findet den Tod. Der UNO-Soldat konnte nicht schnell genug die eigene Waffe zücken. Aber wer weiß: Vielleicht entspringt die Story auch nur dem Künstlerkopf und Comiczeichner. Unwirklich gerät sie in dieser Inszenierung allemal.

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