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Der Name Römerhügel – doch kein Irrtum der Geschichte

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Ein Blick auf den Römherhügel im Süden Ludwigsburgs. Rechts oben ist der alte Wasserturm aus den 1870er-Jahren zu sehen. Als man ihn baute, stellte man fest: Bei dieser Anhöhe handelt es sich ja gar nicht um einen römischen Wachhügel.  Foto: 

Würde die Geschichte ihre Irrtümer konsequent korrigieren, hätte der Römerhügel im alltäglichen Sprachgebrauch vor 140 Jahren in „Keltenhügel“ umbenannt werden müssen. „Der Name Römerhügel geht auf die irrtümliche Annahme zurück, dass dieser Hügel ein römischer Wachhügel gewesen sei“, teilt der Ludwigsburger Stadtarchivar Dr. Simon Karzel mit. Erst mit der Entdeckung eines keltischen Fürstengrabs im Jahr 1877 ist den Leuten aufgefallen, dass da wohl ein Fehler vorliegt.  Die Grabungen waren nötig, weil die Stadtverwaltung einen Hochbehälter auf dem Hügel bauen wollte, um die Wasserversorgung der Stadt zu verbessern.„Seitdem heißt der Hügel Fürstenhügel“, erklärt der Stadtarchivar. Offiziell gibt es den Flurnamen Römerhügel also gar nicht, aber im Alltagsgebrauch ist er mit seinen zahlreichen Schulen nicht nur den Ludwigsburgern ein Begriff. Immerhin: Einen „Römerhügelweg“ gibt es durchaus im Süden der Stadt, wo auch der Römerhügel liegt. Wann genau der Name Römerhügel entstand, ist unklar.

Die Erhebung hätte vielleicht auch „Fasanenhügel“ heißen können: Seit der Zeit Herzog Carl Eugens im 18. Jahrhundert werde dieser Hügel auch als Belle Remise – „schönes Gehege“ – bezeichnet, da sich dort ein eingezäuntes Wäldchen mit Fasanen befand, weiß Stadtarchivar Karzel.

Fest steht: Die Kelten haben den Hügel künstlich aufgeschüttet und als Grabhügel verwendet. Das Grab wurde bei den Bauarbeiten im 19. Jahrhundert zerstört.

Dennoch ist es nicht falsch, die Römer  mit dem Hügel in Verbindung zu bringen: Nachdem man lange gedacht hatte, darin lägen Römer, dann feststellen musste, dass es Kelten waren, stellten Archäologen im vergangenen Jahr fest: Am Römerhügel lebten tatsächlich Römer.

Vor gut eineinhalb Jahren  sind die Ausgräber des Landesamtes für Denkmalpflege dort auf ein „rätselhaftes Grabensystem“ gestoßen, wie die BZ damals berichtete. Es handelte sich um ein Rechteck, fast einen Hektar groß, markiert durch einen 95 mal 95 Meter langen und 1,80 Meter tiefen Graben. Wozu das gut war, ist nicht ganz klar. Was aber auch gefunden wurde: römische Keramik.

Beim Landesamt für Denkmalpflege geht man mittlerweile davon aus, dass diese Gräben aus keltischer Zeit stammen – die Kelten waren ab ungefähr 500 vor Christus in der Region. Der Archäologe Andreas Thiel spricht von einer „Viereckschanze aus der Eisenzeit“, von einem „besseren Gutshof“. Eisenzeit deshalb, weil zu dieser Zeit das Eisen das dominierende Material für Werkzeug und Waffen war. „Das haben auch die Römer anerkannt“, sagt der Archäologe Thiel. Was insofern bemerkenswert ist, als dass sich die Römer traditionell schwer damit taten, anderen Völkern Anerkennung zuteil werden zu lassen. „Es hieß damals: Wer ein gutes Schwert will, macht das aus keltischem Eisen“, sagt Thiel.

Und wer sein Vieh vernünftig weiden lassen will, der nutzt am besten das, was die Kelten übrig gelassen haben. Jedenfalls dachten die Römer wohl so auf dem Römerhügel. Nachdem die sich nämlich gegen 100 vor Christus im Gebiet des heutigen Landkreises Ludwigsburg angesiedelt hatten, stellten sie fest: Die Gräben eignen sich doch wunderbar, um das Vieh einzusperren: Die Gräben dienten als Viehpferch. So ist jedenfalls die derzeitige Lesart.

Die Kelten haben sich vor etwa 2500 Jahren auf den fruchtbaren Böden des heutigen Landkreises Ludwigsburg niedergelassen. Sie waren Meister der Eisenverarbeitung, wie nicht nur ihre Schwerter beweisen, sondern auch ein mit Eisen reichhaltig verzierter Holzwagen im Keltenmuseum in Hochdorf.

Um 50 vor Christus waren die Kelten plötzlich weg. Warum, das weiß man nicht genau. Dr. Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege mit Sitz in Esslingen geht davon aus, dass es an den Germanen lag, die aus dem heutigen Norddeutschland in den Süden eingefallen und „plündernd und mordend“ durch die Gegend gezogen sind. Die Begründung für seine Vermutung: Sogar der berühmte Julius Cäsar berichtet aus seiner Zeit als Statthalter im heutigen Südfrankreich, dass ihn Helvetier aus dem Gebiet der heutigen Schweiz um die Durchreise baten – sie waren auf der Flucht vor ebendiesen Germanen. Thiels These: Wenn in dieser Zeit, in der die Kelten aus dem mittleren Neckarland verschwinden,  sogar die Helvetier aus dem weit südlicheren Gebiet der heutigen Schweiz fliehen mussten, liegt es nahe, dass die Germanen auch der Auslöser für den Weggang gewesen sind.

Der Archäologe Thiel geht davon aus, dass sich trotz der enorm fruchtbaren Böden um das heutige Ludwigbsurger Landkreisgebiet wegen der Germanengefahr erst wieder um das Jahr 100 nach Christus, also 150 Jahre später, Menschen angesiedelt haben – Römer, ebenso Kelten unter römischem Schutz. „In diesen 150 Jahren hat hier niemand Spuren hinterlassen“, sagt Thiel. Doch um das Jahr 100 nach Christus hatten die Römer das heutige Baden-Württemberg erobert, um sichere Verbindungen zwischen den wichtigen Flüssen Donau und Rhein und den Provinzhauptstädten Mainz und Augsburg zu erlangen.

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