Partner der

Bürgertheater Ludwigsburg führt die "Akte Oppenheimer" auf

Am Donnerstag, 17. September, findet die Uraufführung der "Akte Oppenheimer" des Ludwigsburger Bürgertheaters statt. Achtmal wird der Aufstieg und Fall des Joseph Süß Oppenheimer im Hof der Karlskaserne aufgeführt.

|

Mit einem Theaterspaziergang durch den Hof des Kunstzentrums Karlskaserne begibt sich das Bürgertheater Ludwigsburg dieses Mal auf die Spuren des Geheimen Finanzienrates Joseph Süß Oppenheimer - bis heute bekannt als Jud Süß -, der 1738 in Stuttgart hingerichtet wurde. Mit dokumentarischen und literarischen Texten und einer Montage aus Schauspiel, Tanz- und Figurentheater, mit Videoprojektionen, mit Klezmer-, Barock- und Blasmusik wird dieser spektakuläre Fall eines Justizmordes aus dem 18. Jahrhundert neu aufgerollt. Das Bürgertheater bringt die "Akte Oppenheimer" mit mehr als 100 Mitwirkenden, Laien wie professionellen Künstlerinnen, auf und hinter der Bühne.

Seit 1988 inszeniert das Bürgertheater Ludwigsburg alle zwei Jahre spartenübergreifende Theaterproduktionen mit Amateuren und Profis, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, mit Menschen verschiedener Bevölkerungsgruppen und Kulturen der Stadt und Region. So auch in diesem Jahr wieder: Aufgegriffen wird der Fall von Joseph Süß Oppenheimer. Jud Süß, der von 1698 bis 1738 lebte, ist einer der schillerndsten Gestalten in der Geschichte des deutschen Judentums und gleichzeitig der württembergischen Landesgeschichte. Er lebte und wirkte einige Jahre am Ludwigsburger Hof.

Das Bürgertheater greift mit dieser Inszenierung ein Stück Stadtgeschichte auf und beleuchtet nicht nur das persönliche Schicksal Oppenheimers, sondern auch allgemein die Mechanismen von Macht, Geldwirtschaft und Aufstieg und Fall, erklärt Rainer Kittel, Leiter des Projektes, das in Kooperation mit der Tanz- und Theaterwerkstatt produziert wird. Was in der Inszenierung zunächst wie ein barocker Jahrmarkt erscheint, so Kittel, entwickelt sich im Laufe des Abends zu einem grotesken Gerichts- und Hinrichtungsspektakel. Dazwischen wird in mehreren Stationen in einer abwechslungs- und temporeichen Montage der Fall Oppenheimer erzählt. Das Publikum, so Kittel weiter, wird dabei das Geschehen und die wechselnden Spielorte im Innenhof des Kunstzentrums Karlskaserne aktiv mit erwandern und entdecken. Erzählt wird die gesamte Geschichte des Jud Süß: Im protestantischen Württemberg wird der katholische Carl Alexander Herzog und stellt den Juden Joseph Süß Oppenheimer als Finanzrat in seine Dienste, um für Kriege und seine verschwenderische Hofhaltung in Ludwigsburg und Stuttgart mehr Geld aus dem Land zu pressen.

Oppenheimer ist klug und skrupellos und sehr erfolgreich in der Geldbeschaffung, liebt die Macht und die Frauen und wird der erste Jude, der es in eine solch hohe Position am Württemberger Hof schafft. Mit dem plötzlichen Tod seines Herzogs schlägt der Zorn der Württemberger Landstände und des ausgebeuteten Volkes gnadenlos zu. Nach einem skandalösen und eindeutig politisch motivierten Prozess wird er zum Tode verurteilt und im Rahmen eines riesigen "Hinrichtungs-Volksfestes" in Stuttgart, in der Nähe des heutigen Pragfriedhofs, hingerichtet. Davon künden noch heute Gemälde und Lithografien aus damaliger Zeit, die auch dem Team um Rainer Kittel und Dramaturgin Christine Macco zur Vorbereitung dienten.

Oppenheimers Leichnam wird noch sechs Jahre lang am Galgen in einem Käfig zur Schau gestellt. "Dieser Wirtschafts- und Politkrimi aus dem 18. Jahrhundert enthält viele bis heute gültige, zeitlose Merkmale politischer Intrigen, von Antisemitismus und dem Aufstieg und Fall von Menschen, die maßlos nach öffentlicher Anerkennung, Geld und Macht streben", erklärt Kittel.

Die Mitwirkenden am Bürgertheater 2015

Das BürgerTheater-LeitungsTeam Rainer Kittel, Künstlerische Gesamtleitung.

Heike Huber, Bühnenbild und Kostüme.

Christine Macco, Dramaturgie und Programmheft.

Betty Hensel, Schauspiel-Szenenregie und -Dramaturgie.

Ute Kabisch, musikalische Leitung.

Alexandra Mahnke, Choreografie.

Stefanie Oberhoff, Regie Figurentheater.

Anetta Dick, Regie Schülertheatergruppe.

Fabian Piwonka, Mediengestaltung und audio-visuelle Effekte.

Ingo Jooss, Lichtdesign und Technische Leitung.

Tina Gonsiorek, Produktionsleitung

Professionelle Schauspieler Alexej Boris, Uwe-Peter Spinner, Thomas Weber, Petra Weimer, Reinhold Weiser

Mitwirkende Ensembles Tanztheaterensemble der Kunstschule Labyrinth, Schülertheatergruppe des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Kooperation mit der Kunstschule Labyrinth, Musikensembles der Jugendmusikschule, Figurentheater-Projektgruppe der Tanz- und Theaterwerkstatt, Kostümgruppe Bellissima, Orchester des Musikvereins Eglosheim

Aufführungstermine Premiere ist am Donnerstag, 17.

September. Weitere Vorstellungen am 18., 19., 20., 24.,25., 26., 27. September, jeweils 20 Uhr, Open air im Hof des Kunstzentrums Karlskaserne, Hindenburgstraße 29, in Ludwigsburg.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Vorsorge für ein ungetrübtes Vergnügen

Nach den Anschlägen überall in Europa rüsten auch die hiesigen Festeveranstalter ihre Sicherheitsvorkehrungen auf. weiter lesen