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Bluttat: „Es hat sich alles aufgestaut“

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 Ein 56-jähriger lediger Mann hat seine vier Jahre ältere Lebensgefährtin im gemeinsamen Haus in Ludwigsburg-Poppenweiler getötet (die BZ berichtete). Am zweiten Prozesstag berichtete er vor dem Stuttgarter Landgericht über die Tat und über die Beziehung mit der seiner Meinung nach „schwierigen Frau“, die sogar seine Sprach-Therapeutin war. Er legte dabei ein umfassendes Tatgeständnis ab: „Es hat sich alles aufgestaut!“

Es geschah am frühen Morgen des 23. Juni letzten Jahres: Der 56-Jährige ruft bei der Ludwigsburger Polizei an und teilt mit, dass er soeben seine Frau erstochen habe. Es war das Ende einer Beziehung zwischen den beiden, welche nach vorläufiger Einschätzung des Verteidigers von der Aggressivität des Opfers geprägt war. Da der Beschuldigte die Frau zuerst von hinten mit einem Schlag einer Bratpfanne zu Boden warf und ihr dann die 17 tödlichen Messerstiche zufügte, geht die Anklage von einem heimtückischen Mord aus.

Angeklager hat Weinkrämpfe

Am zweiten Tag der Beweisaufnahme berichtete der 56-Jährige über die Beziehung mit der 60-jährigen Frau. Er habe sie vor rund sechs Jahren kennengelernt, als er von ihr behandelt wurde. Aus den Sitzungen entwickelte sich zwischen dem ledigen Mann und der ebenfalls alleinstehenden Frau eine Liebesbeziehung, schilderte der Mann, der bis zur Tat als selbstständiger Verfahrenswissenschaftler- und Versuchsingenieur bei verschiedenen Konzernen der Automobil-Industrie tätig war. Beide waren vermögend.

Der Angeklagte führte aus – unterbrochen durch Weinkrämpfe – wie das Liebesverhältnis mit der vier Jahre älteren Therapeutin verlief: Sie habe ständige Wutausbrüche bekommen, sei eigensinnig gewesen und habe von anderen immer verlangt, so zu sein wie sie. Das führte zu Spannungen, die er, der Angeklagte, ständig aufzufangen versuchte. Zur Tat selbst sagte der 56-Jährige, dass er sich das heute nicht mehr erklären könne. Bei ersten polizeilichen Vernehmungen soll er aber gesagt haben, er habe die Tat geplant gehabt: „Seit einigen Tagen ist mir klar, dass ich sie heute umbringen werde!“ An dieses Zitat will er sich jetzt aber nicht mehr erinnern.

Das Gericht hat einen psychiatrischen Gutachter hinzugezogen, um die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zu prüfen. Immerhin berichtete der 56-Jährige, dass er mit acht bis neun Jahren erste Alkoholexzesse erlebt habe und wegen seines Stotterns zweimal in der Grundschule sitzengeblieben sei. Zeugen sollen am nächsten Prozesstag vernommen werden. Bernd Winckler

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