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Bahn statt Auto fahren im Alter: Konzept geht auf

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Das Senioren-Jahresticket entpuppte sich als Erfolgsmodell. 2016 erhielt Sieglinde Meier das 1000. Seniorenticket. Links Martin Schugt von der VVS und Axel Meier vom Landratsamt.  Foto: 

Vor zwei Jahren ist im Landkreis Ludwigsburg das Pilotprojekt „Seniorenjahresticket für Führerscheinrückgabe“ gestartet. Seither haben über 1430 ältere Kreisbürger das Angebot wahrgenommen. Sie haben sich entschlossen, künftig aufs Autofahren zu verzichten. Als Anerkennung erhielten sie eine kostenfreie Jahreskarte für den gesamten Verkehrsverbund Stuttgart (VVS).

Die Mitglieder des Umwelt- und Technikausschusses im Kreistag waren am Montag angesichts der Zahlen gerne bereit, den Förderzeitraum bis Dezember 2020 zu verlängern. Zumal der Landkreis vom kommenden Jahr anstatt bisher die Hälfte der Kosten nur noch ein Viertel zu tragen hat. 75 Prozent übernehmen folglich die Verkehrsunternehmen im VVS.

Neue Dauerkunden gewonnen

Diese hätten erkannt, dass ihnen die Landkreis-Aktion neue Dauerkunden bringt. Das weist auch die Statistik des zuständigen Dezernenten Jürgen Vogt aus. Demnach verlängert etwa die Hälfte der Senioren nach dem ersten kostenlosen Jahr sein Abo und bezahlt es weiterhin regulär. Nach einer Preiserhöhung kostet das Jahresticket für den gesamten Verbund von Januar an 560,40 Euro.

Der Landkreis hat sich seit Oktober 2015 mit rund 380 000 Euro an den Ticketkosten beteiligt; also 190 000 Euro jährlich. Da nun die Verkehrsunternehmen sich stärker finanziell engagieren, rechnet Vogt fürs nächste Jahr noch mit Ausgaben von  84 000 Euro. Andere Landkreise im Verkehrsverbund schauten neidvoll auf das Ludwigsburger Modell, zeigte sich Landrat Rainer Haas überzeugt. Doch Nachahmer seien bislang nicht in Sicht. „Wir haben die anderen Landkreise im Verkehrsverbund über die Bilanz unseres Pilotprojekts informiert“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Das Zwischenergebnis sei grundsätzlich positiv aufgenommen worden, teilweise gebe es zumindest Überlegungen, das Angebot zu übernehmen. Mit entsprechender Vorlaufzeit könnten andere Landkreise oder auch die Landeshauptstadt jederzeit das Ludwigsburger Modell übernehmen. Eventuell liegt die Zurückhaltung darin begründet, dass die Aufbauphase laut Bericht der Verwaltung sehr personal- und damit kostenintensiv sei. Auch bleibe den Antragstellern auf ein Seniorenfreiticket ein obligatorisches Beratungsgespräch im Landratsamt nicht erspart. Das war auch die einzige Kritik aus den Reihen der Kreisräte, die ansonsten über Fraktionsgrenzen hinweg von einem Erfolgsmodell sprachen. Sie baten die Verwaltung zu prüfen, ob die Erstberatung der Senioren nicht auch an anderen Orten im Landkreis möglich sei, um ihnen weite Anfahrtswege nach Ludwigsburg zu ersparen. Dass das Thema Führerscheinrückgabe im Alter von aktueller Bedeutung ist, hatte zuvor in der Ausschusssitzung Polizeivizepräsident Burkhard Metzger in seinem Bericht über die Unfallstatistik im Landkreis gezeigt.

Zu 62 Prozent Unfallverursacher

Bei Unfällen, an denen Senioren beteiligt sind, seien diese zu 62 Prozent die Unfallverursacher, heißt es in der Unfallstatistik. Damit hätten die Führerscheinbesitzer, die älter als 65 Jahre sind, die jungen Autofahrer als größte Gruppe der Unfallverursacher abgelöst – wenn auch nur knapp.

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