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Auch Steinmeiers Arbeit im Visier

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Plagiatsjägerin Prof. Dr. Debora Weber-Wulff beim Forschungstag an der PH Ludwigsburg. Sie hat sich auch mit der Doktorarbeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, „Bürger ohne Obdach – Zwischen Pflicht zur Unterkunft und Recht auf Wohnraum“ (im Bild), beschäftigt.  Foto: 

Aus meiner Wut auf die Studenten hat sich eine Forschungsrichtung entwickelt“, erzählte Debora Weber-Wulff mit einem Lächeln. In einer einzigen Lehrveranstaltung habe die Professorin einmal zwölf Plagiatsfehler gehabt: „Ich war stinksauer.“

Seither widmet sie sich im Dienst einer unverfälschten Wissenschaft und Forschung der systematischen Untersuchung von Plagiatsfällen – mit großem Erfolg: Zu ihren prominentesten Fällen gehören Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und Georgios Chatzimarkakis.

Die Mitbegründerin des „VroniPlag Wiki“, das Dissertationen untersucht, die unter Plagiatsverdacht geraten sind, war am Dienstag in der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zu Gast, wo sie im Rahmen des dortigen jährlichen Forschungstages einen Vortrag über ihre Arbeit hielt.

Am Vormittag hatten schon zahlreiche Workshops stattgefunden, unter anderem zu Karriereplanung, EU-Antragstellung und Zweitveröffentlichung von Publikationen. Insgesamt erschienen circa 350 Besucher, Mitarbeiter, Promovierende und Studenten, so Alexandra Findeis von der Forschungsförderungsstelle, die den Tag alljährlich organisiert.

An haarsträubenden Beispielen zeigte Weber-Wulff zuerst auf, was eigentlich ein Plagiat ist und welche Arten von Plagiat es gibt. Beim Komplettplagiat wird zum Beispiel nur kopiert – mit Vorliebe aus Wikipedia. Doktorarbeiten wurden gezeigt, bei denen noch die weiterführenden Links in der Arbeit vorhanden waren: blau hervorgehobene und unterstrichene Wörter.

Schwieriger nachzuweisen ist da schon die „Shake and Paste“-Methode, bei der verschiedene Teile fremder Arbeiten durcheinandergemischt werden.

Zu Guttenberg bediente sich bei seiner Arbeit auch der „Bauernopfer“-Methode: Eine Fußnote, die den Verweis auf den wahren Verfasser gibt, ist zwar am Ende des Textabschnitts eingefügt, der darauffolgende Abschnitt ist aber immer noch aus dieser Quelle und wird nicht mehr als fremd ausgewiesen und somit als eigenes Gedankengut ausgegeben. „Auch bei dem, der vor wenigen Tagen zum Bundespräsident gewählt wurde“, sagte die Professorin. Es fänden sich ganzseitige Zitate bei sehr spärlich kenntlich gemachter Zitation in der Arbeit von Frank-Walter Steinmeier.

Die Universität Gießen hatte allerdings im Jahr 2013 bekannt gegeben, dass Steinmeier seinen Doktortitel behalten dürfe. Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, so hatten die zuständigen Prüfer damals entschieden, lediglich Zitierfehler und handwerkliche Schwächen.

Gegen Ghostwriter helfen
mündliche Abfragen

„Sie sind desillusioniert“, stellte Weber-Wulff mit Blick in die Gesichter der gut 40 Zuhörer fest. Und ging zu den Möglichkeiten der Plagiatsbekämpfung über: Spezielle Programme eignen sich kaum, sie erkennen Plagiate großteils nicht, zeigen dafür aber richtige Texte als Plagiat an. „Kein blindes Interesse“, warnt die Professorin.

Drei bis fünf Wörter aus einer Hausarbeit reichen dagegen schon häufig, um, wenn man sie bei Google eingibt, den Originaltext zu finden. Gegen Ghostwriter, ein weitverbreitetes Phänomen, helfen mündliche Abfragen.

Die Dunkelziffer liegt trotz all ihrer Bemühungen wohl sehr hoch: „Ich trau mich schon gar nicht mehr zum Arzt zu gehen“, scherzte die „Plagiatsjägerin“.

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