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"Sissi" seelenlos inszeniert

Das Tournee-Musical "Sissi" in der Produktion der Bietigheimer Asa-Event GmbH gastierte am Dienstag im Ludwigsburger Forum vor nicht ganz ausverkauftem Haus und enttäuschte dabei auf ganzer Linie.

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Man hört nur das Wort "Sissi" und schon sind sie da, die Bilder: Romy Schneider als Sissi, Karl-Heinz Böhm als Kaiser Franz Joseph, alte österreichische Monarchie-Seeligkeit, edelster 50er-Jahre-Kitsch, jedes Jahr spätestens zur Weihnachtszeit nostalgisches Pflichtprogramm im Fernsehen. Seelenvoller Kitsch, fern jeder Realität, aber immer noch zu Tränen rührend für alle hoffnungslosen Romantiker. Das Tournee-Musical "Sissi" setzte genau darauf: Kitsch bis zum Abwinken, allerdings ohne den naiv-anrührenden Charme seiner großen Filmvorgänger. "Liebe, Macht und Leidenschaft" versprach der vollmundige Untertitel. Genau das wäre es gewesen, was man von einem Musical erwartet: Große Gefühle, große Stimmen, großes Erlebnis.

Wer sich mit seichter Unterhaltung als oberflächlichen Schnelldurchlauf, orientiert an den Filminhalten, zufrieden geben konnte, dem mag diese seelenlose "Sissi"-Inszenierung gefallen haben. Die Geschichte beschränkte sich auf eine profane Aneinanderreihung der Ereignisse und das Abhaken aller denkbaren Klischees: Die Begegnung von Sissi und Kaiser Franz Josef, ihre Liebe, Verlobung und Verheiratung thematisierten den ersten Teil der Vorstellung. Einzig positiv auffallend waren die über 140 glanzvollen Kostüme, die nach originalen Schnittmustern angefertigt wurden. Die Bühnenausstattung dagegen eher fantasielos: Wechselnde Stellwände, landschaftliche Projektionen, die die Originalschauplätze wie Possenhofen oder Wien visualisierten.

Die Musik des Komponisten George Amade war ein Sammelsurium gängiger und bekannter Melodien aus Klassik, Musical und Pop. Folkloristische Tanzdarbietungen wechselten mit den Gesangseinlagen der singenden Darsteller. Die mögen - jeder für sich - durchaus über hervorragende Stimmen verfügen. Leider kamen diese nie zur Geltung. Der zweite Teil des Abends brachte trotz der höheren Dramatik an Konflikten keine Steigerung. Im Gegenteil: Die Dialoge hölzern, die Liedertexte hart an der Schmerzgrenze des Erträglichen. Wenn Sissi in einer Szene ausruft: "Was ist denn das für ein Kitsch?" möchte man aus vollem Herzen einstimmen und nach Antwort verlangen, die kommt natürlich nicht, Sissis Frage ist aber Programm der Aufführung.

Eine Besucherin im Forum in Ludwigsburg brachte es in der Pause auf den Punkt: "Der Funke springt einfach nicht über." So war der Applaus am Schluss auch eher verhaltend-höflich als begeisternd zu nennen. Es hätte ein grandioser Abend voller Liebe, Macht und Leidenschaft sein können. Stattdessen war es lapidar, ermüdend und leidenschaftslos.

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