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„Ich wurde damals massiv angefeindet“

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    Der erste Mc Drive Europas auf dem Parkplatz des Ludwigsburger Breuningerlands um 1985, nach dem Brand. Foto: 
  • Eduard Fehr baute in Ludwigsburg den ersten McDrive Europas. 2/2
    Eduard Fehr baute in Ludwigsburg den ersten McDrive Europas. Foto: 
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„Als ich meinen ersten Big Mac gegessen habe, war ich begeistert. Das war 1971“, erinnert sich Eduard Fehr, heute Geschäftsführer von neun McDonald‘s-Filialen im Landkreis Ludwigsburg. Seine Ludwigsburger Filiale war etwas ganz Besonderes, denn es war die erste Drive-in-Filiale der Restaurantkette in ganz Europa. Eduard „Eddy“ Fehr wurde gestern vom Ludwigsburger Stadtmuseum MIK eingeladen, seine Geschichte zu erzählen. Der Vortrag ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Little America“.

35 000 Schnellrestaurants

1971 besuchte Fehr seinen Onkel in Amerika. Kaum vorstellbar, damals gab es erst 500 McDonald‘s-Lokale – und zwar im gesamten Land. Im Vergleich: heute sind es weltweit 35 000 Schnellrestaurants mit den „goldenen Bögen“, wie Fehr sie nennt.

Der junge Mann, der in der Immobilienbranche tätig war, hatte einen Entschluss gefasst: Er wollte selbstständig werden, indem er die Restaurantkette McDonald‘s nach Deutschland und in seine Stadt holt. Dass die erste Filiale der amerikanischen Fast-Food-Kette nach Ludwigsburg musste, lag für Fehr auf der Hand: „Hier wohnten viele Amerikaner und die kannten das Schnellrestaurant bereits – im Gegensatz zu den Deutschen“.

„Im Sommer 1973 rief ich meine Frau von einer Telefonzelle aus an und sagte ihr, dass ‚sie’ mich suchen“, erzählt Fehr belustigt. „Sie“ war nicht etwa die Polizei, wie seine Frau zuerst erschrocken vermutete, „sie“ waren die Verantwortlichen von McDonald‘s Deutschland, die via Anzeige einen jungen deutschen Unternehmer suchten. „Ich war weder Unternehmer noch deutsch“, scherzt der gebürtige Schweizer. Die erste deutsche Filiale wurde im Dezember 1971 im Zuge der Olympischen Spiele in München eröffnet. Fehr kam über Umwege dann tatsächlich zu seiner Ludwigsburger Filiale, die am 29. Juli 1979 am Arsenalplatz 1 eröffnet wurde, und noch immer dort steht.

„Ich wurde damals massiv persönlich angefeindet“, erinnert sich der Franchisenehmer. Er sorge dafür, dass die Regenwälder abgeholzt werden, ebenso nehme er den Menschen Messer und Gabel weg. „Ich wurde bei der Eröffnung auch gleich polizeibekannt“, scherzt Fehr. Der Andrang vor seinem Restaurant war so groß, dass der Verkehr neu geregelt werden musste.

Bei einer Versammlung in Toronto erfuhr er von einer neuen Erfindung: dem Drive-thru-Fenster. Fehr war erneut begeistert, er wollte dieses Prinzip auch nach Ludwigsburg holen, denn die Erfindung konnte sein größtes Problem lösen: In Einsatzzeiten durften die ansässigen amerikanischen Soldaten laut Vorschrift nicht in sein Restaurant kommen, da sie ihre Militärkleidung trugen. Das Fenster, durch welchen das Essen hinaus gereicht werden könne, könne ihn, so sein Gedanke, von den Verkaufsausfällen befreien. „Alle waren skeptisch. Selbst McDonald‘s Deutschland“, sagt Fehr. Erst am 5. August 1983 wurde aus der Idee Wirklichkeit und er baute auf dem Parkplatz des Breuningerlands eine kleine, frei stehende Filiale mit 54 Sitzplätzen und „freier Fahrt für Big Mac und Co“, wie Fehr sagt. Diese Filiale war die erste europäische Drive-thru-Filiale.

Weltweite Umbenennung

Und weil sich das so schlecht aussprechen ließ, benannte Fehr das Konzept kurzerhand in „Mc Drive“ um. Inzwischen heißt es weltweit so.

Zwei Jahre später „war die Filiale total zerstört, genauso wie ich“, sagt Fehr. Das Gebäude war abgebrannt. Die Brandursache war eine Fritteuse. Bereits ein halbes Jahr später stand ein zweistöckiger Neubau am selben Ort. „Ich war der erste, der durch den Mc Drive fuhr. Das ließ ich mir nicht nehmen“, sagt Fehr. Seit Herbst 2014 ist das damalige Gebäude, das Vorbild für Hunderte europäische Filialen wurde, durch einen dritten Neubau, der die heutigen Ansprüche erfüllt, ersetzt.

Fehr habe eine halbe Million Gäste im Monat, trotzdem höre er immer wieder: „Ich geh ja nicht zu McDonald‘s.“ Darüber könne er nur schmunzeln.

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