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„Frieren Bienen im Winter?“

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  • Florian Schimpf ist auch am Projekt „Hobos“ beteiligt, das vom Verhaltensbiologen und Autor Jürgen Tautz ins Leben gerufen wurde. 1/2
    Florian Schimpf ist auch am Projekt „Hobos“ beteiligt, das vom Verhaltensbiologen und Autor Jürgen Tautz ins Leben gerufen wurde. Foto: 
  • Eine Biene sammelt Pollen von einer Blüte. Ihr Fell ist entgegen der vorherrschenden Meinung eher bräunlich als schwarz-gelb. 2/2
    Eine Biene sammelt Pollen von einer Blüte. Ihr Fell ist entgegen der vorherrschenden Meinung eher bräunlich als schwarz-gelb. Foto: 
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Maja, die quirlige Biene aus der Zeichentricksendung, kennt jeder. Ob die TV-Serie von 1976, die Romane, die Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen sind, oder die dreidimensionale Neufassung des Bienenmädchens und ihres Freundes Willi aus dem Jahre 2013. Doch die schwarz-gelb gestreifte Biene ist dem Diplompädagogen, Imker und Bienen-Experten Florian Schimpf ein Dorn im Auge.

Es fange bereits mit dem Aussehen der TV-Biene an, denn Bienen seien nicht gelb-schwarz gestreift, sondern haben bräunliches, manchmal orangenes Fell, so der Bienen-Experte. „Wespen sind die Schwarz-Gelben“, sagt Schimpf.

Wieso sich der Bienenbeauftragte des Blühenden Barocks und zeitgleich Bienenforscher an der Uni Würzburg sowie Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg mit der Trickfilm-Biene befasst? Er hält im Rahmen der Kinderuni am Mittwoch an der PH einen Vortrag für Acht- bis Zwölfjährige mit dem Titel „Frieren Bienen im Winter?“. „Das wird eine Herausforderung, allein schon sprachlich. Ich muss aufpassen mit den Kindern nicht Latein zu reden“, scherzt der 50-Jährige, der tief in der Bienenforschung drinsteckt und normalerweise mit Fachbegriffen auftrumpfen kann.

Er bringe viel Anschauungsmaterial mit. „Ich habe beispielsweise einen abgesägten Baumstamm dabei, in dem einst Bienen wohnten“, sagt Schimpf. Auch einen Korb und moderne Bienenbehausungen wolle er den Kindern an der PH zeigen.

Der Faktor Temperatur lasse sich gut vermitteln, sowohl angepasst an Kinder, als auch für die Eltern, die ihren Nachwuchs begleiten. „Was denken Sie, wie sich Bienen im Winter warm halten?“, fragt der Bienenforscher im Gespräch mit der BZ. „Bienen drängen sich dicht an dicht aneinander, wie Pinguine“, erklärt Schimpf. Um Wärme zu erzeugen kontraktieren die Honig-Produzenten ihren Brustmuskel. Der Körper des „Insekts“ ist „in Sektionen“ aufgeteilt: Kopf-, Mittel- und Hinterteil. Mit dem muskulären Mittelteil erzeugt das Tier durch Bewegung Wärme. Diese Wärme kann der Diplompädagoge mittels Thermografie erfahrbar machen. Am Tag des Vortrags wird er eine Wärmebildkamera dabei haben. „Die Hälfte der Kinder werde ich durch den Hörsaal rennen lassen. Dann kann auf dem Bildschirm verglichen werden, wer wärmer ist“, sagt Schimpf. „Mit Technik und Bildern kriegt man die Kinder“, scherzt der Pädagoge.

Das Spannendste an der Bienen-Forschung sei allerdings, dass er selbst auch nicht alles wisse. Was er allerdings weiß, ist, dass Bienen entgegen ihrem Ruf gar nicht so fleißig sind. Vor allem die Masse an Einzeltieren lasse den Eindruck aufkommen. „Nicht nur Biene Majas Kumpel Willi ist faul“, sagt Schimpf. „Wir haben mal eine beim Schlafen erwischt“, ergänzt der Imker amüsiert. Das sei nicht einfach gewesen, da es im Bienenstock „stockdunkel“ – vom Bienenstock stamme nämlich der Begriff – sei. „Mit dem Kopf in der einen und dem Hintern in der anderen Wabe, so hat die Biene geschlafen. Das hat sehr entspannt ausgesehen“, sagt Schimpf und lacht.

Der Bienenexperte beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Bienen. Ein alter Bekannter seines Vaters war der Auslöser für seine Bienen-Begeisterung. Der ältere Herr, klassisch in Bermuda-Shorts und einem Feinripp-Unterhemd gekleidet und mit dem Kopf stets im Bienenstock, habe Schimpfs Faszination für die summenden Insekten geweckt. Seitdem ist der 50-Jährige nicht nur Imker im Blüba und Lehrbeauftragter, sondern auch Teil des Projekts „Honeybee online studies“ (Hobos), welches Forschungsergebnisse zu den staatenbildenden Insekten online für jeden zugänglich macht.

Das Bienensterben bleibt Thema

Noch mehr als „Biene Maja“ fürchtet Schimpf jedoch ein anderes Thema, das am Mittwoch angesprochen werden könnte: das Bienensterben. Dazu könne der Bienen-Forscher nur eines sagen: es sei multicausal. Der Grund für die weltweiten massiven Völkerverluste setze sich aus verschiedenen Aspekten, etwa Umwelteinflüssen oder dem heutigen Imkern an sich zusammen. Das daraus resultierende Problem sei entscheidend: weniger Bienen bedeuten weniger Bestäubung und damit weniger Ernteerfolge.

„Die Kinder, denen ich etwas über Bienen erkläre, sind jedes Mal verwirrt, dass sie einen Apfel und kein Honigbrot bekommen“, scherzt Schimpf. „Es geht um Bienchen und Blümchen, denn ohne Bestäubung gibt es keine Frucht.“

Info Kurzentschlossene können ihre Kinder noch zur Kinderuni an der PH Ludwigsburg (Reuteallee 46) anmelden, unter Telefon (07141) 9 10 26 10 oder per E-Mail an kinderuni@ludwigsburg.de.

www.kinderuni.ludwigsburg.de

Der Verhaltensbiologe Jürgen Tautz, der auch Autor von Fachliteratur über Bienen ist, hat das Projekt „Hobos“ ins Leben gerufen. Hobos ist eine Internetplattform, deren Kern ein Bienenvolk ist, das mit verschiedenen technischen Möglichkeiten online überwacht wird. Über Kameras und Sensoren kann das Leben der Bienenkolonie beobachtet werden, sodass neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Kameras mit Infrarotbeleuchtung, Wärmebild- und Endoskopkameras mit Mikrofonen werden zur Beobachtung eingesetzt. Die Live-Videos können von jedem Interessierten kostenfrei online betrachtet oder aus dem Videoarchiv abgerufen werden. hevo
www.hobos.de

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