Partner der

"Alles muss auf den Prüfstand"

Vor Jahresfrist entging der DRK-Kreisverband Ludwigsburg nur knapp der Insolvenz. Der damals neu gebildete (ehrenamtliche) Kreisvorstand wehrte sie erfolgreich ab, zwei hauptamtliche Manager sollen die bereits eingeleitete Sanierung umsetzen.

|
Ernst Baldauf ist der neue Leiter der DRK-Rettungsleitstelle in der Reuteallee in Ludwigsburg. Foto: Martin Kalb

14 Tage nach seinem Amtsantritt hat sich der neue Rettungsdienstleiter Ernst Baldauf (52) in seinem karg möblierten Büro in der Reuteallee schon ein wenig etabliert. Viel Zeit hat er dafür auch nicht, denn es wartet eine Menge Arbeit auf ihn. Zusammen mit dem auch erst seit vier Monaten amtierenden Geschäftsführer Karl-Heinz Spitznagel (56) soll er den leckgeschlagenen DRK-Tanker wieder flott bekommen. Was vor allem heißt: die Finanzen wieder in Ordnung bringen, die durch Missmanagement der Vorgänger in den vergangenen Jahren arg gebeutelt wurden.

6,1 Millionen Euro Eigenkapital seien in den vergangenen Jahren leichtfertig "in den Sand gesetzt" worden, hat der neue Schatzmeister des Kreisverbands, Martin Gerlitzky, anlässlich der Jahreshauptversammlung 2012 in Sersheim vorgerechnet. Der defizitäre Rettungsdienst hatte daran den Hauptanteil, weiß auch sein neuer Leiter. Wofür die Rettungssanitäter aber am allerwenigsten konnten, beeilt sich Sanierer Baldauf umgehend klarzumachen. Ganz im Gegenteil: Die hätten auch in der schwierigen Zeit ihren Tag- und Nachtdienst mehr als pflichtgetreu erfüllt, unter der jahrelangen Führungsschwäche gelitten und müssen jetzt die Beinahe-Pleite zum Teil auch noch ausbaden.

Baldauf weiß, wovon er spricht, und er kann gut nachvollziehen, wie den Mitarbeitern zumute ist. Schließlich hat sich der gelernte Kfz-Mechaniker von der Pike auf beim DRK hochgedient: vom Beitritt zum Jugendrotkreuz (1976) über die jahrelange Tätigkeit als hauptamtlicher Rettungsassistent im Rettungswagen, -hubschrauber und auf der Leitstelle bis hin zum Rettungsdienstleiter in Calw (sieben Jahre) und Böblingen (zehn Jahre). Dass er ihnen jetzt aufgrund der Notsituation auch noch längere Arbeitszeiten zumuten muss, ist schmerzlich, aber unumgänglich.

Denn das ist neben den sechsstelligen Darlehen des DRK-Landesverbands wie der 41 Ortsvereine um Kreis Ludwigsburg die dritte Säule eines Sanierungskonzepts, das der DRK-Kreisvorstand unter dem neuen Vorsitzenden Dr. Utz Remlinger erarbeitet hat. Auf ihr Weihnachtsgeld und die Leistungspauschale 2012 hatte die Mitarbeiter ohnehin schon verzichten müssen.

Doch nicht nur sie sollen das Sanierungskonzept mittragen, auch Typ und Ausstattung der Rettungs- und Notarztwagen müssen überarbeitet und Neuverhandlungen mit den Kostenträgern (Krankenkassen) aufgenommen werden, wenn der Rettungsdienst wieder in die Nähe von Kostendeckung geführt werden soll. In Böblingen hat der "Neue" damit einigen Erfolg gehabt. Besonders lebhaft in Erinnerung ist ihm sein Coup von 2009, als er nach "knallharten Verhandlungen" den Kostenträgern nach einer "Durststrecke" eine 23 Prozent höhere Vergütung für die Rettungsfahrten abjagte; das waren immerhin rund eine Million Euro.

Grundlage für den Erfolg war damals ein Wirtschaftsgutachten, das die andere Seite nicht ignorieren konnten. Ähnliches Vorgehen schwebt Baldauf auch in Ludwigsburg vor. Als Beispiel nennt er die Diskrepanz bei der Neuwagenbeschaffung für den Rettungsdienst. Die Kostenträger beziffern den maximalen Preis für so einen "Retter" generell nur mit rund 72 000 Euro, tatsächlich koste so ein Wagen 95 000 Euro. "Notfalls muss auch da ein Gutachten her", sagt Baldauf, "denn es ist schon ein Unterschied, ob so ein Wagen im bevölkerungsarmen Kreis Biberach im Einsatz ist oder übervölkerten Kreis Ludwigsburg."

Warum hat er sich unter diesen Umständen nach Ludwigsburg beworben, wo er doch in Böblingen einen intakten Rettungsdienst aufgebaut hat? Baldauf lächelt freundlich: "Ich wollte halt noch mal eine neue Herausforderung." Doch hinter der Freundlichkeit verbergen sich konkrete Vorstellungen. "Alles muss auf den Prüfstand", sagt er nur und spricht vage von Umstrukturierung. Nicht umsonst hat er einst die betriebswirtschaftliche Führung klein- und mittelständischer Unternehmen studiert, bevor er Rettungsdienstleister wurde. In einem Zeitraum von "drei bis fünf Jahren" sollen seine Pläne vollständig umgesetzt sein.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Ludwigsburg

Einwohner: 92973 (31. Dez. 2015)
PLZ: 71638
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 295 m ü. NHN
Oberbürgermeister Werner Spec (parteilos)

www.ludwigsburg.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Drehleiter-Einsatz nach Sturm-Schäden

Mehr als 30 Einsätze wegen eines Sturmtiefs verzeichnete das Polizeipräsidium Ludwigsburg am Donnerstagmorgen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen zwischen 5.20 und 8 Uhr weiter lesen