Partner der

Expertenforum in Ludwigsburg über den Umgang der Vereine mit Flüchtlingen

Beim Forum "Flüchtlingsarbeit im Sport" diskutierten am Samstag Sportvereins-Mitglieder aus der Region mit Fachleuten darüber, wie die Integration von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gelingen kann.

MICHAELA GLEMSER |

Als Steffen Erb im Foyer der Kreissparkasse Ludwigsburg von seinem Verein, dem Turnerbund Neckarhausen, und dessen Umgang mit Flüchtlingen erzählte, hörten viele der rund 80 Besucher sehr interessiert zu. Während der Sportverein aus dem Nürtinger Stadtteil als Paradebeispiel dafür gilt, wie Integration fremder Menschen durch den Sport gelingen kann, stecken viele Vereine in Sportkreis Ludwigsburg bei diesen Bemühungen noch in den Anfängen. In den Fußballmannschaften des mehrfach ausgezeichneten Vereins kicken inzwischen Männer aus Syrien, dem Irak oder Somalia.

"Viele Flüchtlinge kennen aus ihren Heimatländern eine Vereinsstruktur, wie sie in Deutschland und Baden-Württemberg vorherrscht, gar nicht", machte Michael Bofinger, der Geschäftsführer der Sportregion Stuttgart deutlich. Zudem haben sie eine ganz andere Mentalität und eventuell auch andere Auffassungen von Pünktlichkeit sowie Zuverlässigkeit. "Dies sind einige Schwierigkeiten, welche die Sportvereine überwinden müssen, um die Flüchtlinge für ihre Angebote zu begeistern", sagte Bofinger.

Die Sportregion Stuttgart zählte mit dem Sportkreis Ludwigsburg und dem Stadtverband für Sport in der Barockstadt zu den Veranstaltern des Forums "Flüchtlingsarbeit im Sport". Auch Atilla Böhm vom Schwimmverein Ludwigsburg setzt auf Integration. Er hat gemeinsam mit seinen Vereinsmitgliedern ein spezielles Kursprogramm entwickelt, das auf die Belange und Bedürfnisse der unterschiedlichen Kulturen Rücksicht nimmt und beispielsweise eigene Veranstaltungen für Frauen mit islamischem Hintergrund bereithält.

Raphael Dahler, Leiter des Fachbereichs für Gesundheit und Sport bei der Stadt Ludwigsburg, konnte am Samstag von einer großen Bereitschaft der Vereine berichten, sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren zu wollen. "Natürlich gibt es Sprachschwierigkeiten. Es hat sich bewährt, wenn die Flüchtlinge in ihrer Muttersprache mit den sportlichen Offerten bekannt gemacht werden. Beim Schwimmverein Ludwigsburg übernimmt die Übersetzertätigkeit zum Beispiel ein libanesischer Mitarbeiter der Stadiongaststätte. Weiterhin ist es von Vorteil, wenn die Flüchtlinge zum Training jeweils abgeholt und anschließend wieder zurückgebracht werden. Am einfachsten gelingt die Integration natürlich bei den Sportangeboten für Kinder", sagt Michael Bofinger.

Unterschiedliche Auffassungen gab es bei der Forumsveranstaltung darüber, ob die Flüchtlinge in den normalen Vereinsalltag eingebunden werden oder lediglich zu speziellen Ereignissen eingeladen werden sollten. "Die besonderen Ereignisse kommen zwar bei Flüchtlingen gut an, oftmals sind sie aber nicht nachhaltig genug und wirken nicht darüber hinaus. Da die Fluktuation bei den Geflüchteten oftmals sehr groß ist, können sie natürlich nicht als Mitgliedern den Vereinen beitreten. Der Württembergische Landessportbund (WLSB) hat für seine Vereine eine Zusatzversicherung abgeschlossen, die Unfall- und Haftpflichtschutz für Flüchtlinge bei den Sportkursen gewährt", betonte Bofinger. Er gesteht aber auch ein, dass es dadurch zu Konflikten kommen kann, denn Hartz IV-Empfänger müssen einen ermäßigten Vereinsbeitrag zahlen, während für die Flüchtlinge Fußball, Schwimmen und Co. umsonst sind.

"Es hat sich zudem als wichtig herausgestellt, dass die Sportvereine in Netzwerken zusammenarbeiten und dabei eng mit den Arbeitskreisen Asyl kooperieren. Nur gemeinsam können sie sich um die Integration der Flüchtlinge bemühen. Oftmals sind diese Anstrengungen von ehrenamtlichen Kräften alleine gar nicht zu schultern, und es ist die Unterstützung von Hauptamtlichen notwendig", unterstrich Bofinger.

Info Fachliche Hilfe für ihre Arbeit mit Flüchtlingen finden die Vertreter von Sportvereinen bei Julia Sandmann vom Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) unter j.sandmann@lsvbw.de und bei David Scholz vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) unter David.Scholz@wlsb.de.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr