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Elektro-Autos: Dienstwagen unter Strom

Stolz präsentieren die Ludwigsburger Stadtoberhäupter ihre neuen Dienstfahrzeuge mit Elektroantrieb. Oberbürgermeister Werner Spec betont die Vorreiterrolle von Kommunen bei Erfindungen.

MARTIN TRÖSTER | 4 Meinungen

Mit seinem neuen Dienstwagen hat Oberbürgermeister Werner Spec ein Versprechen eingelöst. Noch vor Baubeginn des neuen Audi-Verkaufshauses, Hahn Automobile, hatte das Ludwigsburger Stadtoberhaupt den Betreibern versprochen, einen Audi-Dienstwagen zu fahren, sobald eine Plug-In-Variante zur Verfügung stehe. Damit ist eine Antriebsart gemeint, bei der in diesem Fall das Auto mit Strom und, wenn der Akku alle ist, mit fossilem Brennstoff, also Benzin oder Diesel fährt.

In sechs Wochen, sagt Erster Bürgermeister Konrad Seigfried bei der Präsentation der Autos auf dem Rathausplatz, habe er nur zwei Mal Benzin verbraucht, den Rest habe sein Audi A3 e-tron (204 PS) elektrisch geschafft. Der neue Audi, den auch OB Werner Spec fährt, ist wie der vollelektrische BMW i3 (bis zu 170 PS), den Baubürgermeister Michael Ilk fährt, geleast. Die beiden Hybrid-Audis kommen geleast etwa 15 Prozent teurer als mit klassischem Benzin- oder Dieselantrieb, sagt Markus Schwarz von Hahn Automobile.

Ilk nennt einen der Gründe, warum die Stadt zunehmend auf Elektroantrieb setzt: Das Fahrzeug sei ein "ganz wichtiger Baustein" beim Reduzieren von Lärm - und nicht allein der richtige Fahrbahnbelag. Ilk betonte das "lärmarme Dahingleiten" des neuen Dienstfahrzeuges. Für seine täglichen Arbeitsstrecken, auch nach Stuttgart ins Regierungspräsidium, genüge die Reichweite von derzeit etwa 150 Kilometern bis zum nächsten Aufladen völlig.

In nunmehr 13 Dienstfahrzeugen verwenden Stadtmitarbeiter mittlerweile Hybridantriebe, vom Roller bis zum Oberbürgermeister-Dienstwagen. Insgesamt hat die Kommune derzeit allein 50 Pkw und etwa 50 Transporter geleast, sagt Dieter Michel, ein Verantwortlicher für den städtischen Fuhrpark.

Der OB betont die Rolle der Elektroantriebe dieser Autos für den Umweltschutz und verweist auf die Vorreiterfunktion der Stadt: "Bei vielen wichtigen Veränderungen wird die Rolle der Kommunen entscheidender." Das gelte auch für den Bereich der nachhaltigen Mobilität.

Ob die Bürger auf den E-Auto-Zug aufspringen, nur weil die Bürgermeister in leisen Autos durch die Gegend gleiten? "Jede Innovation hat dieses Trägheitsmoment", sagt Spec. Dennoch bemerke er bereits einen "Aha -Effekt" in der Bevölkerung, wenn bemerkt würde, dass die Wagen elektrisch angetrieben werden. Jedenfalls: "Es ist wichtig, auch mit gutem Beispiel voranzugehen", so Spec. Trotz der Vorreiterrolle der Kommunen, die näher am Bürger seien als Bund und Land, nahm Spec auch, wie das ein Bürgermeister immer macht, Bund und Land in die Pflicht.

Einen Teil der Leasing-Raten von Baubürgermeister Ilks neuem Dienst-BMW übernimmt der Bund bereits: Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bezahlt in seinem Förderprojekt "Initiative E-BW - Elektrische Flottenfahrzeuge für Baden-Württemberg" bis zu 45 Prozent der Investitionsmehrkosten für ein Elektrofahrzeug im Leasing. 100 dieser Autos sind bereits auf den Straßen. Der Grund, warum sich das Ministerium aufs Leasing konzentriert, ist laut einem Projektmitarbeiter die Erfahrung, dass Neuwagen, und damit auch neue Techniken, zuerst als geleaste Fahrzeuge auf den Straßen kreuzen. Man verbinde damit die "Hoffnung auf einen Multiplikatoreneffekt". Dieses Förderangebot steht auch Privatnutzern offen.

Aufladen können die Bürgermeister ihre Autos in der Tiefgarage unterm Rathausplatz. Im Stadtzentrum betreiben die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim derzeit an fünf Orten "Stromtankstellen", davon eine mit drei Ladestationen auf dem eigenen Kundenparkplatz. Im nächsten Jahr sind 20 neue Ladestationen geplant, heißt es von Seiten der Stadtwerke.

Bürgermeister-Dienstwagen - was fahren die anderen?

Ludwigsburg will vorpreschen und präsentiert neue Dienstwagen mit Elektroantrieb. Doch was fahren ihre Amtskollegen? Ein Umfrage bei vier ausgewählten Städten des Landkreises. Eines vorneweg: Kein Bürgermeister der befragten Kommunen fährt einen Wagen mit Elektroantrieb, außerdem sind alle genannten Autos ebenfalls geleast.

Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing fährt einen Mercedes E 350 aus dem Jahr 2015, geleast. Das Auto verbraucht zwischen 5,2 und 6,4 Liter Sprit auf 100 Kilometer und hat 258 PS.

Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler fährt einen Mercedes E 220 CDI von 2009 mit 170 PS und einem Verbrauch von etwa sechs Litern auf 100 Kilometern.

Bönnigheims Bürgermeister Kornelius Bamberger fährt mit anderen Stadtmitarbeitern einen Mercedes C180 aus dem Jahr 2014 mit einem kombinierten Treibstoffverbrauch von 5,6 Litern und 156 PS.

Sachsenheims Bürgermeister Horst Fiedler fährt einen Audi A4 mit 150 PS aus dem Jahr 2013. Der Spritverbrauch beträgt kombiniert etwa 5,8 Liter.

4 Kommentare

05.05.2015 10:14 Uhr

Wie schön für unsere fürsorglichen Vorreiter

Ach hätten wir Normalos doch auch solche Sponsoren, die uns einen Teil der Leasing-Raten übernehmen würden. Ja dann könnten wir uns alle auch einen E-BMW mit 170 PS leisten. Der frühere Staatschef von Uruguay Jose Mujica, hatte während seiner Amtszeit einen VW-Käfer gefahren. Man betitelte ihn deshalb als den "ärmsten Staatschef der Welt." Ob das so stimmt, kann sich angesichts dieser Elektrofahrzeug-Propaganda jetzt jeder selber mal überlegen.

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05.05.2015 11:53 Uhr

Antwort auf „Wie schön für unsere fürsorglichen Vorreiter”

Ja, und auch ein sehr schöner Werbeartikel für die genannten Autohersteller.
Und diese Werbung kostet auch nichts, macht die Südwestpresse ganz umsonst. So lauft's Business.
Solange PKWs 1,5 bis 2 Tonnen wiegen und um die 200 PS haben müssen, ist das ganze Plug-in-Gedöns lediglich (teuere) Volksverdummung.
Und der Strom kommt ja bekanntlich aus der Steckdose.
Wurde er aus Kohle, Öl oder Gas erzeugt (und das sind mehr als. 50 Prozent im deutschen Strommix), dann sieht die Umweltbilanz aber wirklich total SUPI aus, gell, liebe Bürgermeister!
Aber für stolzes (!) ins-Kamera-Grinsen reicht es noch immer, schön....

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06.05.2015 09:51 Uhr

Antwort auf „Wie schön für unsere fürsorglichen Vorreiter”

Es gibt genügend "Normalos", die sich eine Elektro- oder Hybrid-Technologie leisten könnten.

Denen ist aber ein hohes Ausstattungsniveau wie Doppelrohrabgasanlage, Zierleisten, elektronischer Schnickschnack, etc. wichtiger. Da ist es dann schon verständlich, dass man dann die Mehrkosten eines zusätzlichen E-Antriebs mit einer zu geringen Wirtschaftlichkeit des Hybridantriebs scheut.

Wer sich für ein Hybridantrieb entscheidet, der sollte auch bereit sein, sein Fahrverhalten von "Aggressiv" auf "Defensiv" zu ändern. Es macht nämlich keinen Sinn, wenn man von einem Hybrid-Antrieb eine Ersparnis erwartet, wenn man weiterhin mit Bleifuss auf der Straße unterwegs ist.

Man darf aber nicht nur die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund stellen, sondern man kann durchaus lautlos und abgasfrei durch Wohngebiete mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h durchrollen, mit Plug-in Hybriden geht das auch schneller, zudem können noch längere Wege elektrisch zurück gelegt werden. Hängt natürlich vom Ladezustand und von der Größe der Batterie ab.

Man kann sich auch einen Hybriden ohne Förderung anschaffen. Man muss halt bereit sein, auf etwas anderes zu verzichten.

Bemerkenswert war mein Besuch unlängst in Sarajewo. Dort fahren sogar die Müllautos elektrisch durch die Altstadt. Merkwürdig, dass bei uns so etwas nicht geht.

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05.05.2015 15:26 Uhr

"Dieses Förderangebot steht auch Privatnutzern offen."

der SWP scheint es etwas zu anstrengend zu sein, den Lesern den Link einzustellen,
wo nicht nur Privatnutzer die Förderung beantragen können:

http://www.initiative-bw.de/
...

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