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Drei Stücke des Balé da Cidade de Sao Paulo im Forum in Ludwigsburg

Da war wirklich alles drin: Das Balé da Cidade de Sao Paulo zeigte im Forum drei Choreografien, in denen das ganze Spektrum des Tanzes und der Emotionen gezeigt wurde. Ein Erlebnis.

GABRIELE SZCZEGULSKI |

Das sieht man äußerst selten bei Ballettaufführungen: Stehende Ovationen, Applaus, der nicht enden wollte und die Kompagnie Balé da Cidade de Sao Paulo mehrmals dazu brachte, den Vorhand wieder zu öffnen und sich zu zeigen. Drei kleine Stücke - 35, 25 und 20 Minuten lang - brachten das Publikum zu diesen Begeisterungsstürmen.

Und tatsächlich: In dieser Aufführung war alles drin: Dramatik, viele Emotionen, viel Akrobatik und tänzerisches Können in den großen Gruppenszenen als auch in den Soli sowie am Schluss viel Humor, Witz und Komik.

Die Vorstellung im Forum begann mit den "Antiche Danze". Antik war aber fast nur die Musik, die vom italienischen Komponisten Ottorino Respighi stammte, der Anfang des 20. Jahrhundert Musik barocker Meister frei bearbeitete. Diese lag der Choreografie von Mauro Bigonzetti zugrunde.

Zu Anfang: Das komplette Ensemble - neun Paare - auf der Bühne. Die Reifröcke der Damen sind ihnen über die Köpfe gestülpt, wie ein Kokon sind sie eingehüllt. Es folgen Schritte, Abfolgen, Figuren, die denen in barocken Kontratänzen ähneln. Immer wieder schleichen sich schon hier Formen zeitgenössischer Tanzweise ein.

Die Kostüme der Tänzer, wenn auch stark reduziert, ähneln ebenso der barocken Mode, erinnern aber mehr an die Figurinen von Oskar Schlemmer. Reduziert einerseits auf das wichtigste wie den Reifrock oder die Kniebundhose und übertrieben andererseits, weil das übertrieben gestaltete Gestänge der Röcke als Requisite benutzt wird. Immer mehr kommen moderne Ausdrucksweisen hinzu, verschmelzen zu etwas Neuem, das den Blick und das Gehör des Zuschauers in seinen Bann zieht. Alltagsgesten, Stakkato-Bewegungen, große Dynamik und wunderschöne Figuren entfalten einen Kontrast und gleichzeitig die Verschmelzung von Tradition und Moderne. Es entsteht etwas ganz Neues, das so viel Energie hat, dass man weinen möchte. Dann: "Adastra".

Diese Choreografie ist ein Kampf, ein Kampf zwischen Mann und Frau, zwischen Männern und zwischen Frauen, ein Kampf mit sich selbst. "Ohne Fleiß kein Preis" ist die entsprechende Übersetzung des Titels. Arbeit und Disziplin zeichnen auch den Tänzer aus. Das Ergebnis ist auf der Forumsbühne zu erleben und wird zum Erlebnis.

Der Abschluss an diesem Abend ist dann hingegen leicht, voller Komik, Charme und Witz: "O Balcao de Amor". Humorig werden die Extreme der Liebe getanzt, mit viel Ausdruck, viel über sich selbst lachen.

Da tanzen die Tänzer Bewegungen, die so unnatürlich sind, die so überspitzt und überdreht sind, dass es einfach nur Spaß macht, dem Ensemble zuzuschauen. Große, eindrucksvolle Ensemblebilder wechseln sich ab mit kleinen Duetten, die voller Spannung stecken. Der nämlich zwischen Mann und Frau, dem ewigen Romeo-und-Julia-Motiv.

Itzik Galili, dem Choreografen, ist so viel zu diesem Thema eingefallen, Extremes genauso wie ganz einfache Bewegungen. Und dazu noch die einmalige Musik des "König des Mambo", wie Perez Prado in seiner Heimat Kuba genannt wurde.

Eine Mixtur aus Mambo, Swing und ChaChaCha der 1950er lag der Choreografie zugrunde und riss auch das Publikum zum Swingen mit. "La Dolce Vita" kommt auch auf der Bühne durch, im gleichnamigen Fellini-Film wurde Prados "Patricia" für die Stripszene verwendet. So weit kommt es beim brasilianischen Ballettensemble nicht, aber Prados Musik reißt die Tänzer mit. Sein "Mambo Nr. 5" wurde Jahrzehnte später nochmals zum Hit, durch Lou Bega.

Und das Balé da Cidade de Sao Paulo - diese einzigartigen Tänzer - setzen Galilis Choreografie mit so viel Freude und Spaß auf diese mitreißende Musik, dass der Funken nicht lange braucht, um das Publikum zu erreichen. Da war alles drin, was ein gutes Ballett braucht. Besser geht es fast gar nicht.

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