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Comicvielfalt wie nie zuvor: Verlag Cross Cult aus Ludwigsburg

Der Ludwigsburger Verlag Cross Cult veröffentlicht für den deutschen Markt internationale Comics. Das Geheimnis: Nach jeder Seite ein neuer "Wow-Effekt", sagt Geschäftsführer Andreas Mergenthaler.

JÖRG PALITZSCH |

Bekannt geworden ist Cross Cult in erster Linie durch US-amerikanische Comics abseits der Superhelden, wie etwa Superman oder Spiderman. Das Unternehmen ist auf dem internationalen Markt unterwegs und bietet Romane als E-Books. Ein guter Comic, so Geschäftsführer Andreas Mergenthaler im Interview, muss eines bieten - gute Unterhaltung.

Früher waren Comics Schundhefte. Was sind Comics heute?

ANDREAS MERGENTHALER: Diese Zeit ist schon sehr lange vorbei. In den 1980er und 1990er Jahren kamen viele qualitativ sehr anspruchsvolle Comics aus Frankreich und Belgien nach Deutschland. Anfangs vor allem Kindertitel wie "Asterix" und "Tim und Struppi", später auch Albencomics für erwachsene Leser wie "Blueberry" oder "John Difool". Parallel gab es auch immer Superheldencomics aus den USA, die im Lauf der Jahre auch immer erwachsener und düsterer wurden. Vor 20 Jahren wurden dann auch die Manga-Comics aus Japan populär, und für literarische, ernste Comics wurde der Begriff "Graphic Novel" geschaffen. Es existieren heute also viele Formen des Medium Comics - eine so große Vielfalt wie noch niemals zuvor. Für jedes Alter, für jeden Geschmack, für jeden Anspruch ist etwas dabei. Wenn man einen Comicshop besucht, kann man sich davon überzeugen und überraschen lassen.

Das Programm von Cross Cult ist geprägt von amerikanischen Serien wie "Hellboy" und "Sin City". Warum?

MERGENTHALER: Wir füllen da eine Lücke im Angebot. Unser Spezialgebiet sind US-amerikanische Comics abseits der Superhelden und Comics, die entweder später verfilmt wurden, wie "Hellboy", "300" und "Sin City" oder Titel, die auf TV-Serien oder Filmen basieren, wie "Aliens" oder "Star Trek". Derzeit sehr populär ist die Zombie-Comicsaga "The Walking Dead" - die wir schon im Programm hatten, bevor die sehr erfolgreiche TV-Adaption gestartet wurde. Ein Glücksfall für einen mittelgroßen Verlag wie uns.

Und warum findet man bei Cross Cult keine Mangas?

MERGENTHALER: Mangas sind natürlich auch sehr populär, aber erstens sind uns die Themen und Stoffe nicht so nahe, wir sind keine Manga-Fans oder -Spezialisten, und zweitens gibt es in Deutschland sehr gut arbeitende, etablierte Verlage, die Mangas veröffentlichen. Es wäre also schwierig, an gute Lizenzen zu kommen, weil die besten schon vergeben sind.

Mit der neuen Comic-Serie über Perry Rhodan knüpft Cross Cult das Medium Comic mit einer eigenen Story an die deutschen Serien an, die immerhin mehr als 50 Jahre alt ist. Kann das klappen?

MERGENTHALER: Es gab in den 1960er- und 1970er-Jahren schon erfolgreich laufende Perry-Rhodan-Comics. Und später mehrere Versuche, daran wieder anzuknüpfen. Das Genre Science Fiction bietet sich für Comics an, weil man optisch fantastische Welten und imposante Action zeigen kann, was ja auch bei den Superheldencomics prima funktioniert. Wir haben für die neue Comicserie Zeichner engagiert, die auch für den US-Markt an Superhelden-Serien und Star-WarsComics arbeiten, die auch hierzulande viele Fans haben. Wir verbinden also eine sehr populäre deutsche Weltraumsaga mit einem modernen Look. Damit haben wir Chancen, die Serie auch ins Ausland lizensieren zu können und so dort Perry Rhodan auch wieder bekannter zu machen. Ob das alles klappt, wird sich zeigen. Wir wollen es aber unbedingt probieren, denn wir finden es schade, dass in Deutschland fast nur Cartoons oder sehr ernste Graphic Novels entstehen - fast wie bei Kinofilmen, bei denen entweder Komödien oder Dramen "Made in Germany" gedreht werden. Comics mit deutschen Themen, die Action und Unterhaltung bieten, sind Mangelware. Das wollen wir ändern.

Welche Rolle spielt der Verkauf ihrer Romane als E-Books - etwa von "Doctor Who" oder "Star Trek"?

MERGENTHALER: Der E-Book-Markt ist für uns sehr wichtig. Bei den Comics nicht, da man die meist farbigen Comics nur auf Pads oder PCs lesen kann, nicht auf günstigen und praktischen E-Book-Readern, aber bei den Romantiteln sind rund ein Drittel unserer Verkäufe E-Books. Das ist mehr als bei anderen Verlagen, weil Science-Fiction-Fans wohl gegenüber den neuen digitalen Lesemöglichkeiten offener eingestellt sind als Leser traditioneller Belletristik.

Wo liegen die Vorteile?

MERGENTHALER: E-Books verursachen keine Lagerkosten, keine kostenintensiven Neuauflagen, unsere Titel werden in allen digitalen Shops angeboten - im Gegensatz zum normalen Buchhandel, wo jeder freie Regalplatz von allen Verlagen hart umkämpft ist. Allerdings wächst die E-Book-Leserschaft in Deutschland nicht so stark wie etwa in den USA. Hierzulande ist der Markt seit Jahren unverändert.

Was muss ein guter Comic haben, um bei Ihnen im Programm aufgenommen zu werden?

MERGENTHALER: Er muss gute Unterhaltung bieten, gut gezeichnet sein, originell sein, neue Ideen bieten. Und im Idealfall auch irgendwann erfolgreich als Kinofilm oder TV-Serie umgesetzt werden. Erst dann werden viele neue Fans darauf aufmerksam, und erst so werden die meisten Comicserien auch finanziell lukrativ.

Nach dem Kauf einer Lizenz muss der Comic produziert und dann auf den Markt gebracht werden. In welchen Zeiträumen spielt sich das ab?

MERGENTHALER: Rund ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung müssen wir uns um die Lizenzen und die Verträge kümmern. Der Titel muss gelistet werden, so dass der Handel ihn auch vorbestellen kann, rund drei Monate brauchen wir dann für Übersetzung, das Lettering, also den Satz der deutschen Texte, Umschlaggestaltung und Freigaben. Einen Monat braucht der Druck.

Verkaufen Sie auch Lizenzen?

MERGENTHALER: Wir haben seit einigen Jahren auch deutsche Titel und Eigenproduktionen im Programm, wie die erfolgreiche Comicreihe "Steam Noir", die nun auch auf Französisch veröffentlicht wird. Andere Titel, die wir derzeit ausländischen Verlagen anbieten und die auf großes Interesse stoßen, sind die Reihe "Das UPgrade" über den "letzten Superhelden der DDR", die Perry Rhodan Comics und im Frühjahr startet eine Albenserie basierend auf den "Ork"-Romanen von Michael Peinkofer. Für diese Serie haben wir einen bekannten dänischen Zeichner engagiert, der für viele Verlage im Ausland schon Grund genug ist, die Serie dann auch dort zu veröffentlichen.

Welche Comics lesen Sie persönlich? MERGENTHALER: Ich lese eigentlich alle Comics, die wir im Programm haben, auch selbst. Etwa die Comics zur Serie "Avatar - der Herr der Elemente", weil ich Fan der TV-Serie war und die Comics die Geschichte nun weitererzählen. Ich mag die Comics des Israelis Asaf Hanuka, dessen teils autobiografische, teils fantastische Comics wir gerade unter dem Titel "Der Realist" veröffentlicht haben. Und ich freue mich auf die Reihe "Manifest Destiny", die zur Zeit der Entdeckung des Westens der USA spielt, die das Thema aber als originelle und spannende Mystery-Horror-Serie präsentiert. Mit dem Umdrehen jeder Seite ein neuer "Wow-Effekt", das gefällt mir.

Comics internationaler Künstler als sorgfältig editierte Hardcover-Ausgaben

Mitarbeiter Bei Cross Cult gibt es zwölf feste Mitarbeiter, von denen aber die Hälfte als Grafiker für Titel anderer Verlage arbeitet. Sechs Mitarbeiter sind für den eigenen Verlag tätig. Dazu kommen 20 bis 30 freie Mitarbeiter, die Übersetzungen und das Lektorat machen.

Angebot Unter dem Labelnamen Cross Cult veröffentlicht das in Ludwigsburg ansässige Grafikstudio Amigo Grafik seit 2001 Comics als sorgfältig editierte Hardcover-Ausgaben.

Umsatz Der Jahresumsatz des Verlages Cross Cult liegt nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Mergenthaler bei 1,5 Millionen Euro.

Romane Seit Anfang 2008 haben auch Romane Einzug in das Verlagsprogramm gehalten. Am bekanntesten ist die Kultsaga Star Trek.

Künstler Neben Frank Miller und Mike Mignola sind weitere international bekannte Comic-Künstler wie etwa Moebius, Alan Moore, Robert Kirkman oder Tim Seeley mit ihren Werken beim Ludwigsburger Verlag Cross Cult vertreten.

ITZ

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