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Wunsch: Tunnellösung statt Autobahn gegen Lärm

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Otto Sudrow ist vor 25 Jahren aus Stuttgart nach Remseck auf den Schlossberg gezogen. Das klingt nach purer Idylle. Doch seit geraumer Zeit ist davon besonders morgens und abends wenig zu spüren. Vor allem der Lkw-Lärm nimmt seit Jahren zu. Vor dem Schlossberg stauen sich die Fahrzeuge in einer Endlosschlange an der Neckarbrücke aus Richtung Fellbach. Hinter dem Schlossberg aus Richtung Waiblingen. Als es das Auto noch nicht als Massenverkehrsmittel gab, war hier zwischen Rems und Neckar gut leben. Nun ist die Neckarbrücke der sprichwörtliche Flaschenhals, durch den sich täglich 35 000 Fahrzeuge zwängen. Den Bürgern stinkt’s schon lange. Doch erst 2016 haben sie die Bürgerinitiative „Pro Nord-Ost-Ring“ gegründet. Unter der Bezeichnung „Wir für morgen“ ist der dazugehörige Verein inzwischen als gemeinnützig anerkannt. Etwa 150 Bürger gehören dazu. „Wir haben vielleicht etwas geschlafen“, erläutert Vorstandsmitglied Sudrow, warum sich der Protest der Bürger erst nach Jahrzehnten formiert hat. Schließlich werde an den Plänen für eine Umfahrung seit den 1970er-Jahren herumgedoktert. „Wir haben die politischen Diskussionen immer verfolgt, haben uns aber nicht organisiert zu Wort gemeldet, weil wir dachten, das hat sowieso keinen Wert“, sagt er. Nun sucht die Initiative das Gespräch mit Politikern in der eigenen Stadt, aber auch in der Umgebung – nicht ohne Grund.

Denn die längst im Archiv geglaubten Planungen für eine Nordumfahrung der Landeshauptstadt wurden insbesondere von CDU- und FDP-Politikern wieder hervorgeholt. Die von Planern ins Auge gefasste Trasse würde von Fellbach über das Schmidener Feld, vorbei an Stuttgart-Mühlhausen nach Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) führen und B 14 sowie B 27 verbinden. Aus Ludwigsburg macht sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger für die Wiederbelebung der politischen Diskussion stark. Die Grünen hingegen seien strikt dagegen, die SPD zurückhaltend. Die Finanzierung über den Bundeshaushalt dürfte trotz des politischen Auftriebs und gelingender Jamaika-Koalition weiterhin in großer Ferne bleiben, aber bei den lärm- und von schlechter Luft geplagten Anwohnern gilt das Prinzip „die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Sollte der NOR tatsächlich in zehn oder 20 Jahren kommen, einige Mitglieder der Initiative dürften die Eröffnung nicht mehr erleben. „Ich habe auch nicht das Gefühl, dass wir dies für uns selbst machen“, sagt Sudrow dazu. Es sei ein Einsatz für die kommenden Generationen.

Region attraktiver gestalten

Das Für und Wieder ist auf eine ideologische und Partei orientierte Bewertung zugespitzt: Die Befürworter wollen den Straßenbau, um die Region für die Industrie attraktiv zu erhalten. Die Gegner sehen darin keine nachhaltige Lösung und setzen darauf, dass das weitgehende Ende des Individualverkehrs tatsächlich kommt. Otto Sudrow und seinen Mitstreitern wäre eine Lösung zwischen den Extremen am liebsten. „Wir wollen ja auch keine weitere Autobahn“, stellt er fest. Der Initiative schwebt eine Tunnellösung vor, wie sie jetzt in München für die Unterfahrung des Englischen Gartens beschlossen wurde. Mit den dortigen Planern haben sie Kontakt aufgenommen.

Nun sammelt die Bürgerinitiative Geld für die Ausarbeitung eines ersten Konzepts. „Das könnte einen sechsstelligen Betrag kosten“, schätzt Sudrow. Vielleicht, so hofft er, steht das eine oder andere größere Unternehmen in der Region für die Finanzierung ein. „Daimler, Bosch und die anderen Großen sollten sich auch mal mit eigenem Geld für den Erhalt ihres Standorts engagieren. Und nicht immer abwarten, bis Steuergelder fließen.“

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