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Wohnen im Speckgürtel

In Zentren wie Stuttgart sind Baugrund und Wohnungen knapp. Eine Folge: Die Kommunen rundherum erhalten immer mehr Zulauf. Das gilt für Städte wie Ludwigsburg, aber auch für kleinere Gemeinden.

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Das Bönnigheimer Neubaugebiet "Schlossfeld II", aufgenommen im Sommer: Das Areal ist ein Grund dafür, dass die Kommune immer noch Zulauf erhält - wie viele Gemeinden im Kreis.  Foto: 

Die Stadt Oberriexingen hat derzeit 3200 Einwohner - bis zum Jahr 2020 sollen nochmals 150 Bürger hinzukommen. Kein Wunder, erreichen den Rathauschef Werner Somlai doch immer Anfragen von jungen Familien, die gern in der Enzstadt ein neues Zuhause finden möchten. Der Bürgermeister weiß: "Viele Oberriexinger kehren für das Studium oder die Berufsausbildung unserer Stadt den Rücken, kommen aber anschließend wieder zurück und lassen sich hier nieder."

Viele davon arbeiten nicht vor Ort, sondern im Raum Stuttgart. Das Pendeln nehmen sie jedoch auf sich. Ihnen komme es hauptsächlich auf die guten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in der Stadt an, damit könne Oberriexingen punkten, so Somlai. Auch wenn er den Wunsch einer Mutter nicht habe erfüllen wollen, die mit dem Kaufvertrag für das Grundstück ihrer Wahl auch die schriftliche Garantie für einen Krippenplatz haben wollte.

In Oberriexingen wollen viele bauen, doch im Augenblick gibt es keine städtischen Grundstücke mehr, wie Somlai mitteilt. "Die Bauplätze, welche noch frei sind, befinden sich allesamt in privater Hand und werden meist für die Kinder, Enkel und Urenkel aufgehoben." Er hofft darauf, dass die Fortschreibung des Flächennutzungsplans der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen/Enz, Oberriexingen, Eberdingen und Sersheim bald genehmigt wird und der Stadt dann nochmals zwei Hektar Wohnbauflächen zur Verfügung stehen.

Oberriexingen ist nur ein Beispiel dafür, dass viele, die sich ein Leben in Stuttgart nicht leisten können oder wollen, auf die Kommunen im Speckgürtel drum herum ausweichen. So spürt man auch in Bönnigheim eine hohe Nachfrage, wie der Bürgermeister Kornelius Bamberger berichtet - trotz eher ungünstiger Anbindung an die Autobahn beziehungsweise ohne Anschluss an die Schiene. Bamberger kennt die Gründe dafür, dass auch Bönnigheim bei Neubürgern beliebt ist: vor allem die attraktiven Flächen im Schlossfeld und im Amann-Quartier. Grundstücks- wie auch Wohnungskäufer (auf dem Amann-Areal) wollen überwiegend die Immobilie selbst. Bamberger: "Bönnigheim ist unverändert beliebt, trotz der Tendenz, in die Städte zu ziehen." Ablesbar sei dies an der leicht steigenden Einwohnerzahl nach den neuesten Angaben des Statistischen Landesamts.

Im nahegelegenen Freudental siehts ähnlich aus. Die kleinste Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg gerät immer wieder ins Visier von Wohnraumsuchenden. Der Bürgermeister Alexander Fleig erklärt: "Wir haben relativ viele Anfragen in Sachen Bauplätze." 170 Areale gab es in den vergangenen zehn Jahren in den Baugebieten "Wolfsberg I und II", davon waren rund 50 im Besitz der Kommune. "Zurzeit haben wir noch einen Bauplatz, der im Gemeindebesitz ist", so Fleig. Auf die Tatsache, dass es in Freudental kaum eine Nachfrage nach Reihenhäusern gibt, hat man im vergangenen Jahr reagiert und Reihenhausbauplätze für Einzelhäuser umgewidmet. Im Flächennutzungsplan bis 2020 ist für Freudental kein weiteres Baugebiet ausgewiesen. "Wir versuchen in der innerörtlichen Entwicklung im Rahmen des Sanierungsgebiets etwas zu machen", erklärt der Rathauschef. Darüber hinaus gibt es in "Wolfsberg I und II" noch Baulücken auf Grundstücken, die in privatem Besitz sind. Fleig will jetzt Überzeugungsarbeit leisten, damit sich die Grundstückbesitzer bereit erklären, durch einen Verkauf diese Flächen einer Bebauung zuzuführen.

In Bietigheim-Bissingen verzeichnet die Stadtverwaltung ebenfalls seit Jahren einen konstant starken Zuzugsdruck. Hierauf weist deren Sprecherin, Anette Hochmuth, hin. Sie spricht von einem jährlichen Plus von mehreren Hundert Einwohnern. 2012 wurden 2900 Zuzügler gezählt, während im Gegenzug 2500 Personen aus Bietigheim-Bissingen weggezogen sind. Mit Blick auf eine steigende Nachfrage nach Wohnraum arbeite die Stadt daran, das Angebot vor Ort stetig weiterzuentwickeln. Das Ellental sei ein wichtiger Wohnungsschwerpunkt für die kommenden Jahre. Die Bietigheimer Wohnbau führe bereits eine lange Warteliste von Kauf- sowie von Mietinteressenten. Ein "ausbalanciertes Wachstum" der Bevölkerung sei wichtig für die Stadt, schließlich habe man auch mit Schulen oder Kindergärten eine Infrastruktur für viele Bürger geschaffen, die bei schrumpfenden Einwohnerzahlen nicht ausreichend genutzt werden würde, so Hochmuth.

Die Kreisstadt Ludwigsburg hat in den vergangenen Jahren sogar eine regelrechte Baulandoffensive - mit den Neubaugebieten Hartenecker Höhe, Jahnstraße, Neckarterrasse und Sonnenberg - gestartet. Das Ziel: frühzeitig die demografischen Entwicklungen positiv beeinflussen. Sprecherin Meike Wätjen: "Das heißt, sich für Familien mit Kindern zu öffnen, aber auch, Antworten auf neue Wohnbedürfnisse zu finden: Baugruppen mit individuellen Vorstellungen, Mehrgenerationenwohnen oder barrierefreies Wohnen." Die Nachfrage sei überwältigend gewesen: Von Ende 2011 (86 712 Einwohner) bis Juni 2013 (88 648) sind knapp 2000 neue Ludwigsburger hinzugekommen. Die Stadt will ihre Baulandoffensive fortsetzen - wenn auch nicht ganz in derselben Größenordnung -, "weil wir der hohen Nachfrage in Ludwigsburg Rechnung tragen wollen und auch zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum schaffen möchten", sagt Wätjen.

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