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Wo der Kreis überall mitmischt

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Mehr als 100 Seiten dick ist der Beteiligungsbericht, der jüngst im Kreis-Verwaltungsausschuss präsentiert wurde. Das Zahlenwerk gibt Auskunft darüber, wie die Gesellschaften und Organisationen, an denen der Landkreis ganz oder teilweise beteiligt ist, aufgestellt sind. Ein Überblick.

Zu den hundertprozentigen Tochtergesellschaften des Kreises gehört die Abfallverwertungsgesellschaft (AVL). Gegenstand dieses Tochterunternehmens ist die Erfüllung der Kreisaufgaben Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfall. Darüber hinaus kann die AVL eigenverantwortlich Entsorgungsaufgaben durchführen und sich wirtschaftlich betätigen. Das Unternehmen mit 143 Beschäftigten (2015) weist ein Umsatzvolumen von 40 Millionen Euro aus. Während sonst alles ganz solide ist, hat die Diskussion um die Einlagerung von Bauschutt aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Neckarwestheim die AVL in schwieriges Fahrwasser gebracht (siehe Infokasten). Geschäftsführer Utz Remlinger nahm seinen Hut, die Geschäftsführung übernahm Ina Jansen.

Weniger bekannt ist, dass der Kreis Ludwigsburg auch Anteile an einem weiteren Entsorgungsbetrieb, der Hamberg Deponie-Gesellschaft im benachbarten Enzkreis, hat. Er hält dort über die AVL eine Beteiligung von 50 Prozent. Die beiden Partner sind im Sommer 2010 die Kooperation mit dem Ziel eingegangen, die Restverfüllung der Deponie Hamberg bei Maulbronn und deren anschließende Stilllegung und Nachsorge zu betreiben.

Kompliziertes Geflecht

Ziemlich kompliziert ist das Beteiligungsgeflecht bei den Kliniken. Dem Landkreis Ludwigsburg gehört zu 50 Prozent die Regionale Kliniken Holding (RKH) mit Krankenhäusern in den Kreisen Ludwigsburg, im Enzkreis und im Kreis Karlsruhe. Weitere Anteile von 15 Prozent hält die Stadt Bietigheim-Bissingen. Es handelt sich um eine strategische Partnerschaft, die in den Jahren 2005 bis 2008 eingegangen wurde. Die Landkreise haben damit frühzeitig auf die Veränderungen in der Klinikenlandschaft reagiert, die durch Fusionen und Privatisierungen geprägt ist. Durch die Zusammenarbeit werden Synergien genutzt. So will beispielsweise auch die neue Zentrale Notaufnahme in Ludwigsburg mit den Häusern in Bietigheim, Marbach und Mühlacker kooperieren. Es gibt ein Verbundlabor, und es werden Managementdienstleistungen durch die RKH erbracht. Die Holding beschäftigte 2015 174 Mitarbeiter.

Die weiteren Klinikenbeteiligungen: Zu 36,75 Prozent gehört dem Kreis die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH, die restlichen Anteile halten die RKH und Bietigheim-Bissingen. In den verschiedenen Häusern in Ludwigsburg, Bietigheim, Marbach und Vaihingen wurden 2015 insgesamt 65 000 Patienten behandelt, es gibt mehr als 4000 Beschäftigte. Das Budget liegt über 370 Millionen Euro. Die Kliniken gGmbH hat wiederum drei hundertprozentige Töchter, nämlich die Orthopädische Klinik Markgröningen (zu der die Ortema GmbH gehört), die MVZ Klinikum Ludwigsburg gGmbH (Medizinisches Versorgungszentrum) und die Klinken Service GmbH, die unter anderem für die Reinigung zuständig ist.

Jüngstes Kind der Kreis-Töchter ist die 2014 gegründete ILS gGmbH (Integrierte Leitstelle Landkreis Ludwigsburg). Sie betreibt die Leitstelle in den Räumlichkeiten der Hauptfeuerwache Ludwigsburg. Der Kreis hält 50 Prozent am Stammkapital, das DRK Kreisverband Ludwigsburg weitere 50 Prozent.

Kleinere Beteiligungen hält der Kreis Ludwigsburg ferner an der Kleeblatt Pflegeheime gGmbH (8,7 Prozent), am Rechenzentrum Region Stuttgart (20 Prozent) und am Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (3,75 Prozent). Hinzu kommt die Mitgliedschaft im Zweckverband Strohgäubahn und im Zweckverband Kommunale Datenverarbeitung Region Stuttgart (KDRS).

Der Markgröninger Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung ebenfalls gegen die Deponierung freigegebener Reststoffe aus dem Rückbau des Atomkraftwerks Neckarwestheim im Kreis ausgesprochen.  Die Stadt grenzt an die Deponie Froschgraben der AVL in Schwieberdingen an. Bereits vor einigen Monaten hatte der Schwieberdinger Rat dagegen votiert, dass das Material aus Neckarwestheim in den Kreis kommt. Die Phalanx der Gegner wird daher größer. Wie berichtet, gibt es Anträge der Freien Wähler, der FDP und der Linken, die einen entsprechenden Beschluss im Kreistag herbeiführen wollen, ebenso ist ein ablehnendes Votum in Vaihingen in Vorbereitung, wo die Deponie Burghof in Horrheim liegt. Mehr als 5000 Unterschriften hat die in Schwieberdingen gegründete Bürgerinitiative nach eigenen Angaben gesammelt, um sie Landrat Dr. Rainer Haas und dem Umweltministerium zu übergeben. Gelegenheit dazu war bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in Schwieberdingen.

Der Aufsichtsrat der AVL wird sich in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 8. Dezember, wieder mit dem Thema befassen. Dann sollen die strahlenschutztechnischen Untersuchungen vorgestellt werden, die auf den beiden Deponien der AVL im Kreis gemacht wurden, um zu sehen, wie sich die Einlagerung von Material aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe ausgewirkt hat.

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