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Wertvolle Essensreste

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Die Trennung von Biomüll hilft, die Müllgebühren niedrig zu halten.  Foto: 

Immer wieder erreichen die Redaktion Anfragen, ob es Sinn macht, den Müll zu trennen: Wird das nicht alles auf einen Haufen geworfen und dann von Entsorgungsunternehmen sowieso noch einmal sortiert?

„Das stimmt einfach nicht“, sagt Jochen Mäule, stellvertretender Leiter der Abteilung und Logistik, der dort für die Organisation der Müllabfuhr zuständig ist. Das sei nicht nur eine Frage der Ökologie. „Alles noch einmal zusammenwerfen und dann neu zu sortieren, würde die Müllabfuhr enorm verteuern.“ Denn zum Beispiel mit den Erlösen aus der Entsorgung von Biomüll und Papier kompensiert die AVL einen Teil ihrer Kosten. Seit den vergangenen fünf Jahren kam immer mehr Altmetall in den Wertstoffkreislauf zurück. Fast 2400 Tonnen waren es im vergangenen Jahr. Mehr als vier Millionen Euro hat der Landkreis im vergangenen Jahr mit Müll einlöst, der sich als Wertstoff verwerten lässt.

Mäule vermutet, dass sich die „falsche Annahme“ der unnötigen Mülltrennung deshalb hält, weil lange Zeit eine große Gleichgültigkeit hinsichtlich der Müllentsorgung geherrscht habe. Mittlerweile habe man die ökologischen und finanziellen Nutzen der Mülltrennung aber erkannt.

Im Landkreis Ludwigsburg sind im vergangenen Jahr mehr als ein Zentner Biomüll pro Einwohner abgeholt worden (siehe Infobox) – das war etwa ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Wie bereits berichtet, führt die AVL die gesammelten Mehrmengen auf eine Informationsaktion zurück, die dazu führte, dass mehr als 14 000 Biotonnen neu bestellt wurden. Die Gesamtbiomüllmenge hat sich um 4500 Tonnen im Jahr erhöht. Jochen Mäule geht davon aus, dass der Wert sich in diesem Jahr noch einmal erhöht hat. Er führt das wieder auf diese Marketing­aktion zurück.

„Flach“ und „Rund“ bald weg?

Es gilt dabei das Prinzip: Je schlechter Biomüll oder Papier von anderem Müll getrennt ist, desto höher der Aufwand für die AVL, desto geringer die Erlöse, umso teurer werden irgendwann die Gebühren. Denn mit dem getrennten Müll lässt sich die Bilanz etwas verbessern. Für die Müll­entsorgung zahlt der Kreis, der die Müllgebühren einsammelt, im Jahr fast 20 Millionen Euro an die AVL.

Derzeit macht den Entsorgern im Landkreis der recht hohe Papierpreis Freude: Für eine Tonne an Papier gibt es derzeit 100 Euro.

Übrigens: Die deutschlandweite Einzigartigkeit des Einsammelns von Papier und Plastikmüll könnte bald ein Ende haben: Nur im Landkreis Ludwigsburg und im Enzkreis wird nach dem Prinzip „Flach“, also Papier, und „Rund“ unterschieden, worin Glas und Plastikmüll zusammengefasst ist. Nach BZ-Informationen wird derzeit geprüft, ob sich  diese Eigenheit – dass Glas und Plastik zusammengeworfen werden dürfen – mit einem neuen, im Mai vom Bundesrat abgesegneten Verpackungsgesetz vereinbaren lässt. „Dass ist noch völlig offen“,sagt einer aus der AVL. Jochen Mäule hält sich mit Prognosen bedeckt.

Vergärung in Rheinland-Pfalz

Der Biomüll wird im Landkreis  von der Asperger Niederlassung des Entsorgungsunternehmens Suez Süd eingesammelt – und die Fahrt dieser Fahrzeuge wird unter anderem mit Satellitenerkennung kontrolliert. Der Biomüll endet in Kompostieranlagen im Neckar-Odenwald-Kreis und in der Nähe von Schwäbisch Hall. Bereits im Herbst 2019 könnte Biomüll aus Ludwigsburg in den Kreis Germersheim in Rheinland-Pfalz zur Vergärung gefahren werden. Eine entsprechende Anlage im Steinbruch Fink bei Bissingen wurde in Bietigheim-Bissingen in einem Bürgerentscheid abgelehnt. In die nun geplante Anlage muss der Müll nun 100 Kilometer transportiert werden. Der Antrag für die Anlage hat das Betreiberkonsortium Biogutvergärung Bietigheim eingereicht. Der Biomüll aus den Landkreisen Ludwigsburg und Germersheim sowie aus Karlsruhe soll in breiigen Dünger und in Gas verwandelt werden.

Als ideal zum Sammeln von Küchenabfällen eignen sich laut der AVL, der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg, Papiertüten. Auch Einkaufstüten vom Bäcker oder Metzger können demnach problemlos wiederverwertet werden; ebenso die eigens dafür hergestellten Papiertüten. Am besten solle der Boden der Biotonne dick mit zerknülltem Zeitungspapier ausgekleidet werden, um die Feuchtigkeit zu binden.

„Wer konsequent Biogut trennt und dadurch Restmüll vermeidet, spart Geld“, heißt es von Seiten der AVL. Eine Leerung der Restmülltonne (120 Liter) kostet fast sieben Mal so viel (4,78 Euro) wie eine Leerung der Biotonne (70 Cent).

Im Jahr 2016 hat der Landkreis Ludwigsburg fast 24 000 Tonnen Biomüll eingesammelt. Das entspricht fast einem Zentner pro Einwohner – die aufgeführten 45 Kilogramm entsprechen exakt dem Landesschnitt.  Zum Vergleich: Im Rems-Murr-Kreis sind es 79 Kilogramm pro Einwohner, in der Stadt Stuttgart sind es 24 Kilo pro Einwohner gewesen. bz

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