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Wengertschütz ist selten geworden

Alljährlich stehen die Wengerter vor dem Problem, die Früchte ihrer Arbeit vor gefräßigen Vögeln zu schützen. Zumeist setzt man dabei auf Automaten, aber es gibt auch noch den traditionellen Wengertschützen im Landkreis.

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Stare sind schlaue Tiere. Wenn sie es auf einen Weinberg abgesehen haben, in dem es süße Trauben zu holen gibt, schicken sie vorher Kundschafter los, die weit verstreut und niedrig fliegend daherkommen. Erfahrene Wengertschützen wissen, dass in solch einem Fall bald der ganze Schwarm hinterherkommt. "Wehe, es gelingt uns dann nicht, den Fluchtinstinkt der Fraßvögel zu wecken, dann können sie in Nullkommanix, einer Abbeermaschine gleich, den ganzen Wengert bis auf die Kämme kahl picken", sagt der Asperger Karl Rothfuß. Er ist der Senior der Weinberghutmannschaft, die sich um die Weinberge unterhalb der Festung Hohenasperg kümmert.

Die Asperger Weingärtner stemmen die Weinberghut mit Unterstützung der Stadtverwaltung im Ehrenamt. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sind die neun Wengertschützen derzeit im täglichen Wechsel unterwegs. Der "Schütz" kommt so auf gut 20 bis 25 Kilometer pro Tag. Damit die Vögel Reißaus nehmen, kommen die Schreckschusspistole und die traditionelle Rätsche zum Einsatz.

Insgesamt ist der Wengertschütz allerdings selten geworden. "Wir sind Exoten", meint der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Asperger Weingärtner, Peter Pfisterer. Am Hohenasperg, wo auf einer relativ kleinen Fläche momentan eine Rebflurbereinigung läuft, herrsche eine Sondersituation.

Auf den großen Rebflächen im Landkreis setzt man hingegen zumeist auf Automaten, um die gefiederten Besucher davon abzuhalten, es sich in den Weinbergen gütlich zu tun. So sorgt etwa die Stadt Bönnigheim auf diese Weise dafür, dass die dortigen Flächen der Weingärtnergenossenschaft Stromberg-Zabergäu, aber auch der anderen, privaten Wengerter, geschützt werden. In der Hauptsache seien das Schussapparate, aber auch Vogelstimmen würden durch Automaten nachgeahmt, weiß Albrecht Hauber, Vorstand Önologie und Technik der Kellerei. Aber auch das ist mit Arbeit verbunden. Jeden Tag müsse jemand nach den Apparaten in den Weinbergen schauen, berichtet Hauber. Auch müssen bestimmte zeitliche Vorgaben beachtet werden, da die Anlagen für die Anwohner eine mitunter lästige Geräuschkulisse darstellen.

Hier sieht Peter Pfisterer wiederum einen Vorteil beim Wengertschützen. Der werde im Gegensatz zu den rhythmisch lärmenden Schussautomaten erst dann aktiv, wenn es tatsächlich nötig sei. Es soll auch nicht mehr als neun Mal am Tag geschossen werden, so die Vorgabe in Asperg. Am Sonntag ist Pfisterer sogar mit nur sieben Schüssen ausgekommen. Außerdem gebe es in diesem Fall auch keinen Gewöhnungseffekt seitens der Vögel.

Im Übrigen hilft die Präsenz der "Schützen" auch gegen den Traubenklau, der den Wengertern immer wieder Probleme bereitet. Seit das EU-Recht geschlossene Weinberge im Herbst verbietet, ärgern sie sich vermehrt über Zeitgenossen, die teilweise mit Plastiktüten anrücken, um dort zu ernten, wo sie weder gesät noch gepflanzt haben, erzählt Pfisterer.

Für Albrecht Hauber ist das allerdings derzeit noch kein Thema. Seine Sorge ist vielmehr, dass endlich wieder die Sonne scheint, damit die Trauben, die mehr als zwei Wochen zurück sind, die notwendige Reife erhalten, um mit der Lese starten zu können.

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