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Waffenarsenal in der Waschküche

Wegen vorschriftswidrigen Aufbewahrens von Schusswaffen hat das Ludwigsburger Strafgericht einen 74-Jährigen aus Gerlingen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 25 Euro verurteilt.

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Mitarbeiter des Ludwigsburger Landratsamtes hatten ihre Kontrolle angekündigt, die sie am 17. August letzten Jahres gegen 16.13 Uhr bei einem Gerlinger Jäger durchführten. Dabei stießen sie auf ein Waffenarsenal auf der Gefriertruhe in der Waschküche seines Hauses. Die Türe zur Waschküche stand offen, und zwei Langwaffen sowie eine Kurzwaffe waren der Anklageschrift zufolge schussbereit.

Der Besitzer musste sich deshalb jetzt vor Gericht verantworten. Er habe die Waffen mit vier oder fünf Waffenbesitzkarten auf der Gefriertruhe bereitgelegt, damit die Kontrolle schneller gehe und es ihm noch ins Fußballtraining reiche, erklärte er den Richtern.

Anlass für die Kontrolle, so der Beschuldigte, sei ein Rundschreiben des Landratsamtes gewesen, es werde nach der Gesetzesänderung aufgrund des Amoklaufs in Winnenden geprüft, wie Waffen aufbewahrt werden. "Die Unterbringung der Waffen wird kontrolliert und sie legen alle raus?" Nicht nur Richterin Andrea Henrich, sondern auch der Staatsanwalt wunderten sich, warum die Waffen nicht im dafür vorgesehenen Schrank waren. Dann wollten sie wissen, wie das mit dem sechsjährigen Nachbarsjungen war, der an die offen herumliegenden Waffen hätte gelangen können.

"Das Kind ist mit unseren Wohnverhältnissen sehr vertraut", erklärte der Angeklagte, der heute siebenjährige Junge sage zu seiner Frau Tante und mache seine Hausaufgaben bei ihr, weil die Mutter arbeite. Der Junge würde aber freiwillig nie in den Keller gehen, weil es dort relativ dunkel sei. Sein erwachsener Sohn, führte der 74-Jährige weiter aus, habe die Jägerprüfung absolviert, und nicht einmal diesen habe er in den Raum gelassen.

Auch die Ehefrau des Angeklagten musste sich zu dem Kind erklären, das zum Zeitpunkt der Kontrolle im Haus war. Das Kind sei unter ihrer Aufsicht gewesen, sagte sie. Aus der Gefriertruhe, auf der die Waffen lagen, hole sie fast jeden Tag etwas heraus, fuhr die Ehefrau fort. Es könne schon sein, dass sie einmal die Türe offen lasse. Ihr Mann hätte sie auch darüber informiert, dass er die Waffen auf die Gefriertruhe gelegt habe.

Nach der Zeugenaussage eines Mitarbeiters vom Landratsamt hat an der Türe zu dem Waffenraum der Schlüssel gesteckt. 16 Waffen von insgesamt 25 aus dem Besitz des Angeklagten seien im Raum gewesen. Der Staatsanwalt wies den Angeklagten darauf hin, dass dieser Munition und Waffen getrennt voneinander hätte aufbewahren müssen. Sauer stieß dem Ankläger auf, dass der Gerlinger den Leuten vom Landratsamt zunächst gar nicht alle Waffen habe herausgeben wollen. Erst habe er behauptet, noch fehlende Waffen befänden sich in seiner Jagdhütte in Frankreich, doch dann habe er "kalte Füße bekommen" und zugegeben, dass doch noch mehr Waffen im Haus waren.

Der Staatsanwalt glaubte dem Angeklagten auch nicht, dass dieser von 350 Euro Rente im Monat lebe und trotzdem Urlaub in Kanada machen könne. Er stellte dem 74-Jährigen keinen Erfolg mit dessen Einspruch gegen einen Strafbefehl über 100 Tagessätze zu je 25 Euro Geldstrafe in Aussicht. Doch das Gericht ging im Urteil auf 90 Tagessätze herunter. Der Gerlinger hatte auf die Rückgabe der Waffen durch das Landratsamt verzichtet. Sein Sohn hat sie abgeholt und vorschriftsmäßig verwahrt. Bis zur Gerichtsverhandlung wurde in der Waschküche auch eine neue Türe eingebaut.

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