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Vorm Luftreifen aus Tierdarm bis zum Carbon-Boliden

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Zwei Räder, ein Lenker, eine Art Sattel, die grobe Rahmenform – bis auf diese Kernbausteine hat Karl Drais’ erstes Fahrrad vor 200 Jahren mit modernen Boliden nicht mehr viel gemein. Der Fahrradingenieur Dirk Zedler (54) kann davon erzählen – nicht zuletzt, weil er selbst alte Räder sammelt. Das Prüfsystem, das der Ludwigsburger Unternehmer vor 23 Jahren für Neuräder entwickelt hat, wird heute weltweit eingesetzt.

Wer die Ausstellung im Ludwigsburger Staatsarchiv durchschreitet (siehe Artikel oben), bemerkt vor allem den Gewichtsverlust, den die Geräte bis heute hingelegt haben. Das gut 100 Jahre alte Militärfahrrad, das an einer Wand hängt, schätzt Zedler auf 30 Kilogramm Gewicht.

Der Internationale Radsportverband UCI hat mittlerweile 6,8 Kilogramm als Untergrenze festgelegt, auch für Profi-Rennräder. „Dieses Gewicht kann man heute mit einem vertretbaren Aufwand auf die Straße bringen“, sagt Zedler. Dafür sind um die 4000 Euro fällig. Und wenn der Fahrer zu dick ist, ist das ohnehin egal. „Das schwerste ist immer noch der Fahrer.“

Für Durchschnittsradler ist der Luftdruck im Reifen weit wichtiger als das Gewicht des Fahrrads. „Für diese Gruppe ist es effektiver, einmal die Woche den Reifendruck zu kontrollieren, als ein Kilo Gewicht am Fahrrad zu sparen“, sagt Zedler. „Für den, der im unteren Geschwindigkeitsbereich fährt, macht der Luftdruck 80 Prozent der Fortsetzung aus.“

Die Erfindung des ersten luftgefüllten Reifens hat für die radelnde Bevölkerung also einen enormen Geschwindigkeitszuwachs ermöglicht. Der Schotte Robert William Thomson ist Mitte des 18. Jahrhunderts drauf gekommen – zunächst hat er Luft in Tierdärme geblasen.

Durchgesetzt hat sich der Luftreifen (ohne Gedärm) allerdings erst in den 1890er Jahren – als das Fahrrad schon stark verbreitet war. Zuvor waren die Räder in der Regel aus Kautschuk. „Damit war die Geschwindigkeit im Schnitt wohl so um die 15 Stundenkilometer“, vermutet Zedler.

Elektrische Gangschaltung

Wer heute als Durchschnittsfahrer ein Fahrrad für den Alltag kaufen und in allen wichtigen technischen Bereichen auf dem Stand der Technik sein will, muss laut Zedler zwischen 1000 und 1500 Euro auf den Tisch legen.

Moderne Rennboliden, mit denen Profis unterwegs sind, kosten mit allem Schnickschnack zwischen 8000 und 10 000 Euro. Bei diesen Modellen ist laut Dirk Zedler nahezu alles aus dem leichten, harten und belastbaren Kunststoff Carbon, das Gerät ist so aerodynamisch, wie es nur geht, von den Felgen bis zum Sattel. Auch haben diese Rennboliden heutzutage eine elektrische Gangschaltung und einen Leistungsmesser, der die Wattzahl anzeigt, die der Fahrer auf das Rad tritt.

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