Partner der

Verwirrung im Messerstecher-Prozess - Angeklagter erscheint mit Verspätung

Erst hieß es, der Angeklagte sei auf der Flucht, dann war er doch da. Die Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht befasste sich am Montag mit einem Kornwestheimer Messerstecher.

|

Die Verhandlung gegen einen 37-Jährigen aus Kornwestheim, der sich auf freiem Fuß befindet, begann mit reichlich Verwirrung. Die Richter der Stuttgarter Schwurgerichtskammer, welche das Urteil verkünden wollten, erreichten mehrere ärztliche Atteste und Krankheitsbestätigungen, wonach der Angeklagte sich in einem Ludwigsburger Krankenhaus befände und dort sogar operiert werden sollte. Es sei eine Messerattacke auf ihn verübt worden. Genau denselben Vorwurf macht ihm der Staatsanwalt: Der 37-Jährige soll am 20. Oktober vor fast zwei Jahren einen Bekannten durch Kopfstiche verletzt haben.

Die Verwirrung wurde noch größer, als die Verteidigerin des nicht erschienenen Mannes ihre Entbindung aus dem Verfahren beantragte, weil ihr Mandant sie angeblich massiv bedroht hätte. Gleichzeitig erschien ein Ersatzverteidiger, der den Fall weiter betreuen sollte. Da jedoch machten die Richter nicht mit. Sie verfügten kurzerhand, dass nun beide anwesenden Verteidiger da bleiben mussten.

Schließlich verordnete der Schwurgerichtsvorsitzende einen sogenannten "Vorführungsbefehl" gegen den abwesenden Angeklagten und beauftragte die Kornwestheimer Polizei, ihn in den Stuttgarter Gerichtssaal zu bringen. Doch die Polizei konnte den Mann nicht ausfindig machen. Danach verfügte die Schwurgerichtskammer, ohne den Angeklagten weiter zu verhandeln, die Schlussplädoyers halten zu lassen und dann ein Urteil zu verkünden. Doch Beweisanträge der Verteidiger blockierten diese Absicht.

Das Rätsel löste sich schließlich um 15.55 Uhr, als sich die Türe öffnete und der Angeklagte erschien. Nachdem sich Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger von ihrer Überraschung erholt hatten, kam die Frage des Vorsitzenden an den 37-Jährigen, der offensichtlich ohne Verletzungen hereinspaziert war, warum er nicht erschienen sei? Seine Antwort verursachte eine neue Überraschung: Er sei bei einem Zahnarzt gewesen. Die Richter beschlossen schließlich, weitere Verhandlungstage anzusetzen, um sich Klarheit über die Vorgänge zu verschaffen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Nach Bamberger kandidiert auch Chef nicht mehr

Die Gemmrigheimer Bürgermeisterin tritt nach 24 Jahren nicht mehr an. Am 4. März wird in Gemmrigheim und am 15. April in Bönnigheim gewählt. weiter lesen