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Utz ist enttäuscht, Jongen verteidigt Gauland

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  • Betroffenheit wegen des Bundesergebnisses von etwa 20 Prozent: SPD-Kandidat Thomas Utz (rechts) und seine Genossen verfolgten in Murr in der Vinothek Mille Meglia die Prognosen. 1/5
    Betroffenheit wegen des Bundesergebnisses von etwa 20 Prozent: SPD-Kandidat Thomas Utz (rechts) und seine Genossen verfolgten in Murr in der Vinothek Mille Meglia die Prognosen. Foto: 
  • Liberaler Jubelsturm: FDP-Kandidat Marcel Distl (rechts) bejubelt mit dem Kreisvorsitzenden Kai Buschmann das Ergebnis seiner Partei um 18 Uhr im Ludwigsburger Scala.  2/5
    Liberaler Jubelsturm: FDP-Kandidat Marcel Distl (rechts) bejubelt mit dem Kreisvorsitzenden Kai Buschmann das Ergebnis seiner Partei um 18 Uhr im Ludwigsburger Scala.
  • Marc Jongen, AfD.  3/5
    Marc Jongen, AfD. Foto: 
  • Catherine Kern.  
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    Catherine Kern. Foto: 
  • Walter Kubach. 5/5
    Walter Kubach. Foto: 
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Am Wahlabend war die Gefühlslage bei den Kandidaten für den Wahlkreis Neckar-Zaber, die im Gegensatz zu Eberhard Gienger (siehe Seiten 9 und 10)  nicht das Direktmandat holten, fast eins zu eins auf ihre Zufriedenheit mit dem Bundesergebnis ihrer Parteien übertragbar. So zeigte sich SPD-Kandidat Thomas Utz in Murr „enttäuscht“ vom Bundesergebnis, das während des Wahlabends meistens zwischen 20 und 21 Prozent rangierte. „Ich bin sehr froh, dass der Parteivorstand sofort erklärt hat, dass dei SPD für die eine weitere Auflage der Großen Koalition nicht zur Verfügung steht“, sagte Utz gegen 20.30 Uhr nach dem zweiten Bierchen. „Der Gang in die Opposition ist die logische Konsequenz.“ Er selbst habe immer wieder betont, dass er kein Freund der Großen Koalition sei, weil die großen Volksparteien sich deutlich unterscheiden müssten.

Mit seinem Erststimmenergebnis von 19,7 Prozent zeigte sich Utz zufrieden. „Das Erststimmenergebnis liegt über dem Zweitstimmenergebnis von 16,5 Prozent“, sagte er. „Ich sehe das als Zeichen, dass auch meine Person gewirkt hat.“ Dass die AfD ein derart starkes Ergebnis erreicht hat, mache ihn „erschrocken“.

Marc Jongen ist da erwartungsgemäß anderer Ansicht. Der Kandidat der AfD, der über Platz drei der Landesliste nur dann nicht in den Bundestag eingezogen wäre, wenn seine Partei an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert wäre, sagt, er sei nicht überrascht: „Ich habe mit einem sehr guten Ergebnis gerechnet. Ich hätte mir sogar noch ein besseres vorstellen können.“ Nach den letzten Prognosen, die die AfD auf 12 Prozent sahen, hatte er darauf spekuliert, dass es mehr werden, weil sich „viele nicht zur AfD bekennen“, wenn sie danach gefragt werden.

In den Wahlkreis, den er nun vertritt, wird er nicht ziehen. „Das hätte ich nur gemacht, wenn ich das Direktmandat gewonnen hätte.“ Das aber ging erwartbar zum fünften Mal an Eberhard Gienger. „Ich werde natürlich den Wahlkreis Neckar-Zaber in besonderer Weise betreuen“, sagt der Mann aus Karlsruhe. Ein Mitarbeiter werde sich um Regionalkontakte und die Organisation  von Bürgersprechstunden kümmern.

Sein Erststimmenergebnis von 12,6 Prozent kommentierte Jongen: „Ich bin zufrieden. Ich liege bei den Erststimmen nur knapp unter dem Zweitstimmenergebnis.“ Dieses lag im Wahlkreis bei 13,1 Prozent. „Ich bin knapp dran und das heißt, ich bin von den Wählern akzeptiert. Immerhin bin ich in dem Wahlkreis nicht bekannt gewesen.“ Den Ausspruch des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland, man müsse Merkel nun „jagen“, findet Jongen angemessen: „Er meint ,vor sich her treiben’. Das finde ich genau richtig. Wir sind als Opposition angetreten. Wir müssen mit scharfen Worten, aber zivilisert, die Rechtsbrüche Merkels anprangern.“

Linken-Kandidat Walter Kubach konnte sich nur zum Teil freuen: „Ich freue mich über unser Ergebnis, dass wir offensichtlich leicht verbessern konnten.“ 2013 holten die Linken 8,6 Prozent, um 23 Uhr standen die Linke bei 9 Prozent. Mit seinem Erststimmenergebnis von 4,6 Prozent zeigt sich Kubach zufrieden. „Ich habe mich gesteigert“, 2013 holte er 4,4 Prozent der Erststimmen, „und die Partei hat sich gesteigert“. Ich mache auf jeden Fall weiter. Jetzt konzentriere er sich auf die Kommunalwahlen.

„Was aber ganz schlimm ist“, fuhr Kubach fort, „ist, dass wir jetzt eine Mitte-Rechts-Regierung bekommen. „Viele Angestellte im öffentlichen Dienst werden nun mit Privatisierungen konfrontiert. Der Zug wird weiter in Richtung Neoliberalismus fahren.“ Er fürchte, dass eine „Jamaika-Koalition“ nun auch den Mindestlohn abschaffen werde.

FDP-Kandidat Marcel Distl bezweifelt das. „Es wäre unklug, jetzt den Mindestlohn zurückzunehmen. Aber es muss Ausnahmen geben“, etwa für Studenten, damit sie leichter Praktika erhielten. Mit dem Ergebnis seiner Partei zeigte sich Distl hochzufrieden. „Auf den Wiedereinzug in den Bundestag mit einem zweistelligen Ergebnis können wir stolz sein.“ Um 23 Uhr lag die FDP bei etwa 10 Prozent.

Das Erststimmenergebnis von Distl beträgt 8,8 Prozent. Nahezu die Hälfte des Zweitstimmenergebnisses der Liberalen im Wahlkreis von 14,7 Prozent. „Es gibt viele Wähler, die haben vielleicht mit der Erststimme eine andere Partei unterstützt, und mit der Zweitstimme die FDP.“ An sich selbst wollte er diesen Unterschied von sechs Prozent „überhaupt nicht“ festmachen.

Grünen-Kandidatin Catherine Kern findet eine CDU-FDP-Grünen-Koalition „schwierig“, wie sie sagte: „Wir wollen zum Beispiel ein solidarisches Europa. Das ist mit der FDP schwierig.“ Nun müsse man eben nach den Schnittstellen suchen. „Vielleicht gibt es die beim Datenschutz, bei Frauen- und Einwanderungspolitk“, sagte Kern. Für den Wahlkreis Neckar-Zaber hätte sie sich ein Zweitstimmenergebnis von 15 Prozent erhofft. Es wurden 13,2 Prozent. Ihr Erststimmenergebnis von 12,5 Prozent sei „im Großen und Ganzen“ in Ordnung“. Immerhin sei sie im Wahlkreis vor dem Wahlkampf nicht bekannt gewesen.

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