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Unterbringung bleibt Herausforderung

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Neu ankommende Asylbewerber in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Im Landkreis kommen derzeit rund 150 Menschen pro Monat neu an.  Foto: 

Auch wenn sich die Situation bei der Asylbewerberunterbringung im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016 entspannt hat, stehen die Kommunen im Landkreis weiter unter Druck. Zunehmend kommen anerkannte und geduldete Flüchtlinge, sowie Asylbewerber, die schon länger als zwei Jahre in Deutschland sind, von der vorläufigen Unterbringung in kreiseigenen Unterkünften in die Anschlussunterbringung der Städte und Gemeinden. Die Quote wird nach der Bevölkerungszahl berechnet. Nicht jede Kommune ist gut vorbereitet, wie das Beispiel Sachsenheim zeigt, wo Schulcontainer umgewidmet werden müssen. Ein Überblick.

Bietigheim-Bissingen ist bei der Anschlussunterbringung fein raus. Die Stadt hat viele Unterkünfte zur Unterbringung durch den Kreis auf ihrer Gemarkung, in denen derzeit 550 Menschen wohnen. Diese werden angerechnet. „Wir haben unser Soll übererfüllt“, sagt Sprecherin Anette Hochmuth. Das heißt, derzeit sind knapp 100 Asylbewerber in Unterkünften der Stadt untergebracht, und dabei soll es auch bleiben. „Wir erwarten im Moment keine neuen Zuweisungen.“

Auch der Pleidelsheimer Bürgermeister Ralf Trettner sieht die Sache entspannt. Zwar ist erst vor wenigen Tagen bekannt geworden, dass das Hotel Ochsen in der Ortsmitte nun doch keine Asylbewerberunterkunft werden, sonder wiederbelebt werden soll, doch dabei hätte es sich ohnehin um Plätze des Kreises (120) gehandelt. Die Gemeinde selbst hat nach Auskunft Trettners „kein Problem, unsere Quote zu erfüllen“. So baue man ein Haus in der Hafengasse für rund 20 Personen und übernehme den Pleidelsheimer Hof vom Kreis mit weiteren 36 Plätzen.

Jenseits des Neckars in Ingersheim sieht das bei seinem Bürgermeisterkollegen Volker Godel anders aus. Dieser sucht seit geraumer Zeit händeringend nach Objekten im Ort, die die Gemeinde für Asylbewerber anmieten könnte, doch die Rückmeldungen auf die immer gleiche Bitte im Amtsblatt blieben bislang verhalten. „Wir müssen knapp 50 Asylbewerber bis Ende des Jahres aufnehmen“, beschreibt Godel die Lage. Nächstes Jahr würden weitere 50 kommen.

Die Gemeinde hatte auf dem Wanner-Gelände an der Ludwigsburger Straße mit dem Kreis eine Unterkunft geplant, doch die Pläne waren im Frühjahr 2016 nicht weiterverfolgt worden, weil sich die Flüchtlingskrise entspannt hatte. „Dort hätte man auch Plätze für die Anschlussunterbringung gehabt“, so Godel. Nun müsse man die Pläne reaktivieren, um die Quote zu erfüllen. Das soll 2018 passieren. Von den Asylbewerbern, die dieses Jahr noch kommen, gebe es für 17 Personen in den kommenden Wochen Räume, für 30 noch nicht. Godel will deshalb an der Ludwigsburger Straße entweder einen Abschnitt vorziehen oder ein Provisorium errichten. Im September wird der Gemeinderat darüber beraten.

Andreas Fritz, der Pressesprecher des Kreises, bestätigt, dass etliche Kommunen bei der Anschlussunterbringung in Verzug sind, ohne deren Namen zu nennen. Die Welle aus den Jahren 2015/16 kommt jetzt zeitversetzt in den Kommunen an. Gleichzeitig muss der Landkreis monatlich rund 150 Personen neu aufnehmen. Diese kommen derzeit vor allem aus Afghanistan, Gambia, Irak, Syrien und Pakistan.

Bönnigheim: Alle Plätze belegt

Auch in Bönnigheim spürt man den Druck. „Im Prinzip sind alle Plätze belegt“, sagt Timo Steinhilper, der Leiter des Bönnigheimer Ordnungsamtes zur Anschlussunterbringung in der Stadt. Für diese Woche waren Asylbewerber aus Vaihingen und Gerlingen erwartet, allerdings hätten sich einige geweigert, nach Bönnigheim umzuziehen. In den nächsten Wochen dürfte der Umzug zwangsweise vonstatten gehen. Insgesamt verfügt Bönnigheim über 40 Plätze in der Anschlussunterbringung  – was laut Steinhilper nicht mehr lange reichen wird. „Wir werden wohl jeden Monat zehn weitere Flüchtlinge für die Anschlussunterbring erhalten.“ Derzeit seien noch drei Zimmer frei, was etwa zehn bis zwölf Plätzen entspräche. „Den September und Oktober können wir damit noch stemmen, danach müssen wir wohl wieder neue Wohnungen anmieten.“

Wolfgang Müller, der interimsweise den Fachbereich für Sicherheit und Ordnung in Ludwigsburg leitet, steht ebenfalls vor dem Problem, neue Immobilien zur Flüchtlingsunterbringung zu finden. Im Jahr 2017, in dem die Kreisstadt 235 Asylbewerber unterbringen muss, werde man das mit einiger Anstrengung schaffen, so Müller. Dabei komme der Stadt zugute, dass man immer wieder Wohnungen aus dem Pool der stadteigenen Wohnungsbau bekomme. 2018, ist Müller sicher, werde es aber noch anstrengender werden.

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