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Trends unter der Haut

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Mandalas, wie auf diesem Foto, sind gerade ein großer Trend in der Tattoo-Szene. Dieses Motiv lässt sich auch gut mit einem weiteren Trend verbinden: der Dotwork-Stichmethode.  Foto: 

Spätestens seit den 90er-Jahren und dem sogenannten Arschgeweih ist auch für Nicht-Tattoo-Fans klar, auch in der Tattoo-Welt gibt es Trends. Was derzeit angesagt ist und wie Tätowierer damit umgehen, hat die BZ in Erfahrung gebracht.

Ein Trend, der wohl nie zu Ende geht: „Ganz klar, Infinities“, sagt Matthias Schneiderhan, Stammtätowierer bei Walk in Tattoos in Ludwigsburg. Sogenannte Infinities sind Unendlichkeitssymbole. Ob mit einem eingefügten Schriftzug oder für sich alleine stehend, für den Träger oft ein kleines Symbol mit großer Bedeutung. Diese spiele heutzutage eine größere Rolle als früher, sagt Tätowiererin Christy Marquez, die das Privatstudio Issy von Rock Tattoos in Walheim betreibt. „Mein erstes Tattoo habe ich mir stechen lassen, weil es cool war. Heute soll es für die Kunden aber immer eine Bedeutung haben“, sagt sie. Schlecht finde sie das nicht, doch fehle es oft an der Umsetzung. „Wenn dein Tattoo eine Bedeutung haben soll, dann nimm nicht das, was jeder hat“, erklärt sie.

Dabei spricht sie einen der wohl größten Trends der Tattoo-Szene, der vergangenen Jahre an: Pinterest- und Instagramm-Motive. Beides sind Plattformen, auf denen Nutzer Bilder veröffentlichen. Gibt man dort den Suchbegriff Tattoo ein, wird man mit zahlreichen aktuellen Trends überschwemmt. Sowohl Schneiderhan als auch Marquez haben regelmäßig Kunden, die mit solchen Vorlagen ins Studio kommen und genau das gleiche Symbol tätowiert bekommen wollen.

Weniger um das Motiv, als um die Platzierung, geht es beim Arschgeweih der Neuzeit: den Underboob-Tattoos. Unter der Brust lassen sich derzeit Frauen vornehmlich Mandalas – ein weiterer Trend – tätowieren. Die amerikanische Sängerin Rihanna war eine der Vorreiterinnen dieser Tätowierungen. Ihren Brustkorb ziert seit 2012 die ägyptische Göttin Isis.

Individuelle Motive

„Mandalas sind gerade sehr beliebt“, sagt Marquez. Das sei auch ein Trend, den sie ihren Kunden in Ausnahmen stechen würde. Ansonsten habe sich die Künstlerin auf sogenannte Customized Tattoos spezialisiert. Mit den Motiv-Vorstellungen der Kunden erarbeite sie ein Unikat. „Auch wenn Mandalas ein Trend sind, kann ich hier immer noch ein individuelles Motiv gestalten“, begründet sie ihre Entscheidung den Trends auch mal zu folgen. Das sieht auch Schneiderhan so. Bei Underboob-Tattoos könne er die Muster gut variieren, je nachdem was der Kunde möchte.

So geht es beiden Künstlern auch bei Trends, die sich nicht auf ein bestimmtes Motiv beziehen, sondern auf eine Stilrichtung. Dotwork, Blackout, Aquarelle, geometrische Formen oder der neueste Schrei, Kreuzstich-Tattoos, sind solche Stechmethoden, die ganz unabhängig vom Motiv genutzt werden können.

Bei der Dotwork-Methode werden keine durchgehenden Linien gezogen, sondern wie der Name sagt einzelne Punkte gesetzt. Ähnlich ist es bei den Kreuzstich-Tattoos. Wer an den Stickrahmen denkt, ist hier gar nicht so falsch. Denn wie früher bei Oma werden statt mit der Sticknadel mit der Tattoo-Nadel viele kleine Kreuze tätowiert, die dann ein Bild ergeben. Viel Schwarz sieht man hingegen bei den Tattoos im sogenannten Blackout-Stil. Hier werden meist große Flächen komplett schwarz tätowiert. Oft sind es dann die nicht-tätowierten Stellen, die das Bild ergeben oder geografische Muster, die noch durch das Schwarz durchscheinen.

Marquez hat jedoch meist ein Trendverbot in ihrem Studio. Sie merke schnell, wer ein Tattoo nur um der Mode willen möchte und bei wem mehr dahinter stecke. „80 Prozent der Anfragen, die ich bekomme, sind Modetrends“, solche Aufträge lehne die 45-Jährige ab. Ganz so streng, sei es bei Schneiderhan nicht. „Es gibt Sachen, die macht man als Tätowierer nicht gerne“, sagt er im Bezug auf die Modeerscheinungen in der Branche. Seit vier Jahren arbeitet er bereits als Tätowierer. Ein Trend, den er seit Jahren immer wieder sieht, sind Maori- oder polynesische Motive. „Hierbei ist es wichtig, dass ich als Tätowierer weiß, was ich tätowiere und was das bedeutet“, erklärt Schneiderhan. Denn gerade in der neuseeländischen und polynesischen Tattoo-Kultur hat jedes Symbol eine andere Bedeutung und darf beispielsweise nur von bestimmten Personen oder Körperteilen getragen werden. Das bestätigt auch Marquez, wenn es um chinesische Symbole geht. „Das war für mich der schlimmste Trend“, sagt sie. Denn sie versteht die Sprache nicht und weiß nicht, was die Zeichen bedeuten und habe oft gemerkt, dass es den Tattoofreudigen genauso gehe.

Ein Trend, der wohl überlegt sein sollte, sind tätowierte Sommersprossen. Nach tätowierten Augenbrauen und Lidstrichen sind dieses Jahr künstliche Sommersprossen beliebt. Tätowierer raten jedoch davon ab, sich im Gesicht tätowieren zu lassen.

Im nächsten Jahr werden viele Strumpfbänder und Schleifen zu sehen sein, so der Trend-Ausblick Schneiderhans. Vor allem Motive auf dem Oberschenkel nehmen weiter zu, sagt der Tätowierer.

Laut einer repräsentativen Umfrage der Meinungsforscher von YouGov sind 2015 nur 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland tätowiert.

Die am häufigsten tätowierte Altersgruppe ist die der 25- bis 34-Jährigen. Hier ist der Anteil der Tätowierten knapp doppelt so groß (28 Prozent) wie in der Gesamtbevölkerung. Bei den über 55-Jährigen sind hingegen nur 7 Prozent tätowiert. Von den 18- bis 24-Jährigen ist jeder Achte (12 Prozent) tätowiert.

Ob die erste Tätowierung vor oder nach dem 25. Geburtstag passierte, habe laut Umfrage allerdings kaum einen Einfluss darauf, ob es später bereut wird. Von denen, die mit höchstens 24 das erste Mal unter der Nadel lagen, bereuen 17 Prozent mindestens eines ihrer Tattoos. Bei jenen ab 25 liegt dieser Anteil mit 13 Prozent nur knapp darunter. bz

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