Partner der

Stolpersteine für Pflegekräfte aus Spanien

Zum zweiten Mal hat die Regionale Kliniken-Holding in diesen Tagen Pflegekräfte aus Spanien empfangen. Auch in Pflegeheimen setzt man auf Leute aus dem Süden. Doch bei deren Integration gibts Stolpersteine.

|

Der Personalchef der Regionalen Kliniken-Holding, Wolfgang Stahl, ist dieser Tage ein viel beschäftigter Mann. Anfang der Woche haben 14 Frauen und Männer aus Spanien den Kreis erreicht. Sie sollen in zwei Häusern der Holding - ein Großteil in Ludwigsburg, der Rest im Krankenhaus Neuenbürg im Enzkreis - anpacken. Das bedeutet erst mal Stress: Die Neuankömmlinge müssen untergebracht, bei Krankenkassen angemeldet werden, brauchen Lohnsteuerkarten und Bankkonten.

Aus der Fassung bringt das Stahl und seine Mitarbeiter nicht, sie haben Routine, schließlich ist es bereits der zweite Schwung an Pflegekräften aus Südeuropa, die die Holding angeheuert hat. Mitte Oktober 2012 waren knapp 30 Spanier nach Baden-Württemberg gekommen, um in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen oder dem Enzkreis zu arbeiten. Alle hatten bereits ein Fachstudium in der Tasche, Deutsch sollten sie hier lernen. Um als Pflegefachkraft anerkannt zu werden, brauchen sie die Sprachniveau-Stufe B2. Nur der Hälfte der Spanier ist das auf Anhieb gelungen (wir berichteten). Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten dennoch bei der Stange geblieben, wie Stahl berichtet. Diejenigen, denen das Sprachzertifikat noch fehlt, haben derzeit Pflegehelfer-Verträge, üben also einfachere Arbeiten aus.

Die 14 neuen Zugereisten will der Personalchef auf Grundlage der Erfahrungen aus der ersten Runde diesmal früher in die Praxis einführen. Die reine Sprachkursphase soll kürzer dauern. Schon Mitte, Ende November sollen die Spanier neben den Kursen zweimal die Woche arbeiten gehen. Der Abteilungsleiter erhofft sich davon eine schnellere Integration. Und die ist bitter nötig. Schließlich ist der Personalnotstand in der Pflege groß. Stahl: "Wir brauchen immer Leute."

Eine Aussage, die man freilich auch in Pflegeheimen unterschreiben kann. Yvonne Baumgarten, die Leiterin des Personalmanagements der Kleeblatt gGmbH, stellt fest: "Wir sind vergleichsweise gut aufgestellt, brauchen aber stets neue Kräfte - allein schon wegen der Fluktuation bei 1000 Mitarbeitern." Das Ziel hieß deshalb auch für das Ludwigsburger Unternehmen im vergangenen Jahr: Spanien. Im Süden des Landes warb man sechs Männer und Frauen an, die später auf Häuser im Landkreis verteilt wurden. Die Sprache habe anfangs eine Riesenhürde bedeutet, erinnert sie sich. Nun aber laufe es besser. Zum Jahresende legen Baumgartens Schützlinge den B2-Sprachtest ab. Die Prüfung will sie abwarten und dann über weitere Rekrutierungsrunden nachdenken - dafür kämen neben Spanien auch Portugal und Italien infrage, sagt sie. Die Mitarbeitersuche im Ausland sei dabei jedoch nur eine Seite der Medaille. Baumgarten: "Wir müssen ausbilden und tun das auch."

Bernhard Schneider, der Geschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung, die im Kreis zehn Häuser unterhält, siehts ähnlich. Man setze auf die Jugend hierzulande. "Doch das wird nicht reichen." Die Rekrutierung im Ausland werde deshalb ein fester Bestandteil der Personalentwicklung werden. Um dieses Unterfangen so erfolgreich wie möglich voranzutreiben, gehören für Schneider jedoch Steine aus dem Weg geräumt. Das verlangte Sprachlevel findet er zu hoch angesetzt. "B2 berechtigt zu einem Germanistikstudium - das finde ich viel verlangt." Sein Gegenvorschlag: Das Level B1 und ein Extrakurs in Fachvokabular wie in Hessen. Ein wichtiger Punkt, auch mit Blick aufs Gehalt. Denn das bekommt man nur in voller Höhe mit der Anerkennung (sprich B2) in der Tasche. Zwischen 2500 und 2800 Euro brutto sind möglich. Als Praktikant verdient man indes nur etwa 1000 Euro, so Schneider.

Doch nicht nur die sprachlichen Anforderungen seien problematisch, sondern das ganze Verfahren, sagt er. Etliche Dokumente müssten bei den zuständigen Regierungspräsidien vorgelegt und übersetzt werden. Das sei arbeitsintensiv und treibe deren Mitarbeiter an die Kapazitätsgrenzen. Für den Freudentaler ist das kein Zustand. Er fordert weniger Aufwand und eine Willkommenskultur in Baden-Württemberg, andernfalls müsse man sich nicht wundern, "wenn die guten Fachkräfte einen Bogen ums Ländle machen".

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Jamaika-Kater der Kandidaten

Die Bundestagskandidaten im Wahlkreis Neckar-Zaber kommentieren gescheiterte Regierungsbildung aus Union, Grünen und FDP. Nur einer freut sich. weiter lesen