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Steine, Bilder, QR-Codes: Neue Benutzerordnung für Vaihinger Friedhof

Wer einen Angehörigen auf einem Vaihinger Friedhof beerdigen möchte, muss künftig wohl allerhand neue Regelungen beachten. Der Stadtteilausschuss hat am Montagabend eine veränderte Friedhofsordnung abgesegnet.

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14 Seiten ist sie stark. Die neue Friedhofsordnung für Vaihingen. Der Stadtteilausschuss hat sie am Montag einstimmig abgesegnet, am 26. Juni entscheidet der Gemeinderat. Einige Passagen des überarbeiteten Dokuments lassen aufhorchen. So werden explizit QR-Codes auf Grabsteinen ausgeschlossen, die per Smartphone zu einer Trauerhomepage führen können. Das sei, heißt es in der Vorlage an den Ausschuss, der "neueste Schrei". "Wir wollen nicht, dass die Leute mit Smartphones oder Tablets über den Friedhof gehen und dann vielleicht Musik losgeht", erklärt Martina Fischer, Sprecherin der Stadtverwaltung. Dadurch werde die Würde des Friedhofs verletzt. Aus denselben Bedenken heraus werden auch spiegelnde Oberflächen oder Schriften abgelehnt.

Festgelegt wird in der neuen Satzung auch, wie groß ein Foto des Verstorbenen sein darf. So dürfen Bilder eine Kantenlänge von 13 Zentimetern nicht überschreiten. Zuvor waren es sechs Zentimeter gewesen. Immer wieder gebe es aber Diskussionen mit Familien, die sich üppigere Andenken wünschten.

Der zentrale Punkt in der neuen Vaihinger Satzung: Weil die Stadt seit einiger Zeit das Fair-Trade-Siegel trägt, sollen Materialien auf dem Friedhof ausgeschlossen werden, die aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen. Das muss der Steinmetz der Stadtverwaltung dann per Zertifikat beweisen. Jörg Failmezger aus Pleidelsheim findet gut, dass das Thema Kinderarbeit und Billigsteine auf den Tisch kommt. Er ist der Obermeister der Innung der Steinmetze und Steinbildhauer Ludwigsburg-Böblingen-Rems-Murr und kennt diese Regelung bereits aus Freiberg oder Murr. Viele Steinmetze könnten in Deutschland nicht mehr produzieren, weil zu viele Billigprodukte zum Beispiel containerweise aus Indien kämen. Denn die seien etwa ein Drittel günstiger.

Das Attribut "fair" ist nicht die einzige Vorgabe, die Vaihingen an seine Grabsteine hat. Nach der neuen Satzung dürfen die maximal zwei Drittel der Grabbreite messen. Bisher war lediglich die Höhe - ein Meter bei Urnen- und 1,40 Meter bei Erdgräbern - vorgeschrieben worden. Ebenfalls per Satzung ausgeschlossen werden Gold-, Silber-, Glas-, Emaille- oder Kunststoffelemente, Farbanstriche oder Zementfiguren. Bei Verstößen, auch das ist neu fixiert, muss der Steinmetz das Grabmal verändern, beseitigen - oder die Kosten des Abtransports durch die Stadtverwaltung zahlen.

Jede Kommune macht eigene Bestattungsregeln (siehe Infokasten). Für Steinmetze ist das nicht immer einfach. Bettina Goerigk aus Bietigheim-Bissingen hat die meisten Friedhofsordnungen der umliegenden Gemeinden daheim, studiert sie erst, bevor sie ans Planen eines Grabmals geht. Die Skizze muss sie dann jedes mal an die entsprechende Stadtverwaltung schicken. "Manchmal kommt der Plan ungenehmigt zurück", erklärt Goerigk. Die Kundschaft habe da immer wieder auch das Nachsehen. Ein Beispiel nennt die Expertin: "Erdgräber, die mit einer Steinplatte abgedeckt werden, werden in Bietigheim-Bissingen immer öfter nachgefragt. Hier ist das nicht erlaubt - in Sachsenheim schon."

Innungschef Failmezger ärgert sich allzu oft über zu viel Bürokratie. Er habe schon einige Gerichtsprozesse führen müssen, weil er sich über Regelungen von Kommunen hinweggesetzt habe, um den Wünschen der Angehörigen zu genügen, wie er sagt. Manchmal gebe es Probleme wegen fünf Zentimetern, nennt er als Beispiel. "Unikate schätzt bei den Stadtverwaltungen niemand. Ob das ein Beitrag zur Friedhofskultur ist, ist denen egal", wettert Failmezger. Sein Wunsch: mehr Toleranz.

Ruhe in Frieden - und geregelt: Welche Vorgaben gibts in anderen Kommunen?

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