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Sich eine Welt erschreiben

Ihre Vorfahren stammen aus dem südlichen Teil von Bessarabien, aber die Freibergerin Martina von Schaewen kennt die Gegend im heutigen Rumänien nur aus einigen wenigen Erzählungen. Um sich ihren Wurzeln zu nähern, "erschreibt" sie sich die historische Zeit.

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Nein, "Budschakenblut" ist kein historischer Roman in der Tradition, wie es ihn zu Tausenden derzeit auf dem Markt gibt. Der zweite Roman der Freiberger Lehrerin Martina von Schaewen ist ein Roman, der in der Geschichte der Bessarabier, der Budschaken, verankert ist. Er handelt von den Modeideen der jungen Olga, von einer Clique von jungen Leuten und das ganz normale Leben in der Stadt Sarata. Und von der Liebe und einigen Morden, ohne dass aus dem Roman ein Krimi wird. Martina von Schaewen gelingt es nach "Schattenblende", ihrem Erstling, fast noch besser, sich in eine Zeit hineinzuversetzen, die längst vergangen ist und nur eine Randnotiz in der Geschichte ist. Die Autorin knüpft unmittelbar an die Zeit von "Schattenblende", Anfang des 20. Jahrhunderts, an, erzählt aber eine neue Geschichte, eine junge Geschichte mit jungem, unverdorbenem Personal.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1919 und endet 1940, als die Rote Armee in Bessarabien einrückte und Tausende von Menschen deutscher Abstammung ihre Heimat oder ihr Leben verloren. Aber: Darum geht es der 52-jährigen Sonderpädagogin auf der Schule am Gröninger Weg nicht. Es geht ihr nicht um eine weitere Abhandlung über den zweiten Weltkrieg. "Meine Urgroßmutter stammt aus Bessarabien und sie erzählte manchmal von dem ganz normalen Leben, von den Interessen, die eben junge Menschen auch in den 1920er und 1930er Jahren hatten, wie Mode und das Verliebtsein", erklärt die Autorin. Ihr geht es darum, sich eine Welt zu erschreiben, in der ihre Familie verwurzelt ist und die sie nur vom Hörensagen kennt. Dieser Zeit, diesem Leben, will sie auf die Spur kommen und so erfindet sie sich Personen und Geschichten. Und kommt damit wahrscheinlich der Realität und ihrer Wahrheit sehr nahe.

"Budschakenblut" aber ist nicht nur kurzweilig, weil er nicht auf Schuld und Sühne oder der Dramatik der Zeit herumreitet, er überzeugt auch durch den Ton. Martina von Schaewen schlägt diesen mit leichter Hand an, unterhaltsam, feuilletonistisch, aber nie plump. Sie tritt damit hervor aus dem Schatten der immer den selben Ton anschlagenden Historienschinken. Es geht ihr um die Menschen, nicht um die Historie. Es geht ihr um Träume und Wünsche von jungen Leuten, die sich verlieben, die sich für Mode interessieren, um Hochzeiten, die mitten in der Umsiedlung der deutschen Bevölkerung stattfindet und um die Hoffnungen, die mit der Übersiedelung nach Deutschland für die jungen Leute verbunden sind. "Im Morgengrauen stand Olga vom Stuhl auf. Alle Tränen waren geweint. Ein weiter Weg lag vor ihnen", so endet "Budschakenblut" in einer poetischen Erzählweise, die das ganze Buch durchzieht.

Info Martina von Schaewen stellt heute, Mittwoch, 18. September, 19.30 Uhr, in der Stadtbücherei Freiberg ihr Buch der Öffentlichkeit vor. "Budschakenblut", Engelsdorfer-Verlag, 189 Seiten, 12 Euro.

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