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Schwäbisch im Ohr

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Das Duo „Aurezwicker“ zeigte sich im Bricklebrit zynisch, sarkastisch und ungefiltert als wahre Kenner der schwäbischen Sprache und Seele.    Foto: 

Jetzt im Oktober ist die Gelegenheit, ins Farbenspiel in der Natur die Klangfarbe des eigenen Dialekts zu mischen. Heimelig wird es dann auch „Uff dr Bühne onderm Balga“ im schwäbischen Lieder- und Geschichtenhaus Café Bricklebrit in Walheim am Samstagabend. Dicht hocken neugierige Schwaben oder Freunde des Dialektsprechens davor und lassen sich vom Kabarett- und Mundartenduo Aurezwicker Reinhold Hittinger und Helmut Pfitzer ins Fahrwasser des Schwaben mitnehmen, zynisch, sarkastisch und vor allem ungefiltert aus des Schwabens reiner Seele.

Singende Schwabenseelen

Früher, da war das ganz normal: Samstagabends saß man zusammen unter den Balken, um den runden Tisch auf Stühlen, wo keiner dem anderen gleicht, und einer packte die Gitarre aus, Geschichten liefen reihum und die Mühen des täglichen Lebens lösten sich in Wohlgefallen auf.

Heute gibt es dafür das schwäbische Lieder- und Geschichtenhaus in Walheim, wo singende und „verzählende“ Schwabenseelen wie das Duo Aurenzwicker aus Stuttgart und Balingen zum Ohrenschmaus werden. Unbequem sein und immer sagen, was man wirklich denkt – diese Urtugenden des Schwaben sind den beiden längst in Fleisch und Blut übergegangen. Zwei Gitarren, zwei Stimmen, zweimol „a Gosch am rechte Fleck“ – der Abend ist ganz in der Hand des Duo Aurezwicker und das ist auch gut so, denn beide schauen dem Schwaben so gern ironisch in die Seele, spielen mit den eigenen Wurzeln und sind dabei alles andere als verstockt und stur. An Abenden wie diesen wird vielmehr der Dialekt wieder in all seinen Facetten lebendig, der den Schwaben ausmacht und ihn unterscheidet von anderen Regionen.

Bei den Aurezwickern kommt der eine aus Stuttgart-Bad Cannstadt und der andere aus Horb am Neckar ­– Stadtschwabe trifft auf Landschwabe und das reizt zum Frozzeln: „Wenn man dem Balinger ä Zwiebel in Mund steckt, isch dr Ochsemaulsalat fascht schon perfekt“, nimmt Helmut Pfister seinen Kollegen hoch. Gemeinsam durchleuchten sie den Landschwaben auf all seinen Wegen. Als erstes im Gesangverein, wo er als Bierbrauer-Bass den Dirigenten zur Verzweifulung treibt. Dann: In der Widersprüchlichkeit seines Dialektes. „Wo sonst als in Schwaben gibt es so viele Widersprüche allein schon in der Sprache mit Aussagen wie „Komm geh mr fort“ oder“ des isch unheimlich heimelig“ oder „elendig gut“. Wo sonst als hier können Kinder „Oständig sauigla“ oder, oder, oder. „Unsere Neubürger müssen noch ganz schön was lernen“, kündigte Reinhold Hittinger auch den Badenern an, die vereinzelt im Publikum saßen und den Abend mit besonderem Amüsement verfolgten.

Dass die Schwabenseele gemütlich und bescheiden ist, beweist für beide schon allein das Viertelesglas. „Der Pfälzer, der trinkt seinen Wein gleich mal im Schoppen zu einem halben Liter“, feiert Helmut Pflitzer die maßvolle Haltung der Viertelesschlotzer.

Und: Der Schwabe, der singt auch mal eine Hymne auf seinen Nachwuchs, der den Griesbrei in die Bodenritze schmiert und den trotzdem kein Schwabenopa auf der Welt mehr hergeben will. Der Azubi wird unter den heilenden Händen des Duo Aurezwicker wieder zum „Stift“, der überall herumgeschickt wird. Als der Meister Vater wird, fragt der Stift ob das was mit Arbeit zu tun hat. „Wenn es so wäre, dann hätte ja ich es machen müssen“, erklärt er sich selbst.

Und auch der liebe Gott hält seine gnädige Hand über die schwäbischen Bedüfnisse. Wenn der Bub sich, obwohl er noch ganz jung ist, schon ein Mädle wünscht und jeder entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, der Pfarrer, der Vater, der Lehrer dann rennt er halt gleich zum lieben Gott und lässt sich vom dem bestätigen, dass die Mädels geschaffen wurden, damit Mann sie lieb hat.

Liebe und Verehrung

Und plötzlich denkt man an all die schönen Weinlieder, die das Mädel in den Mittelpunkt stellen, nicht sexistisch, sondern voller Liebe und Verehrung. Das Duo Aurezwicker ist noch vom alten Schlag, das diese Tugenden beherrscht und sogar eine Hymne übers „Gruben“ komponiert, ein Liebeslied an ein kleines Nickerle auf dem Sofa oder sonstwo. Und was macht der Schwabe wohl, wenn er melancholisch wird? „Er liest a bissle in seinem Sparbuch“.

Der Witz ist bekannt und doch kürt ihn Hittinger mit seiner Definition vom „Muggaseggele“, der kleinsten schwäbischen Maßeinheit. A Muggelseggele voll zeigt, wie flexibel der Schwabe sein kann und aus dem alten Liebeslied „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ kurzerhand „Lass den Schwab ein Sößlein sähn“ strickt „ein Sößlein dunkel, hell oder rot“, das er sogar über den Ackersalat gießen kann.

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