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Orte im Landkreis und ihre Jubiläen - Dieses Jahr feiern Ottmarsheim und Oßweil

Der Besigheimer Stadtteil Ottmarsheim (1250-jähriges Bestehen) und der Ludwigsburger Stadtteil Oßweil (1200 Jahre) feiern dieses Jahr Jubiläum. Der Anlass, um eine "Alters-Rangfolge" der Orte im Kreis zu ermitteln. Ein Überblick.

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  • Ottmarsheim, im Bild das alte Rathaus, wurde 766 erstmals urkundlich erwähnt, so früh wie keine andere Gemeinde im Kreis. 1/2
    Ottmarsheim, im Bild das alte Rathaus, wurde 766 erstmals urkundlich erwähnt, so früh wie keine andere Gemeinde im Kreis. Foto: 
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Fünf Joch Ackerland und fünf Morgen Wald - diese Gabe vermachte ein gewisser Herphin zur Regierungszeit des Frankenkönigs Pippin dem Kloster Lorsch an der südhessischen Bergstraße. Die Lage der "Stückle": im Murrgau in "Autmarsheim". Der Spender, der damals sicherlich etwas für sein Seelenheil tun wollte, sorgte mit dieser Tat, die von den Mönchen des Klosters akribisch festgehalten wurde, unbewusst dafür, dass Ottmarsheim - das im Dialekt immer noch Autmersche heißt - in diesem Jahr 1250-jähriges Jubiläum feiern kann. Denn Forscher datieren die Schenkung auf das Jahr 766. Damit ist der Besigheimer Teilort zugleich der am frühesten erwähnte Ort im Landkreis Ludwigsburg.

Im Rheinland wird man angesichts dieses Datums nur milde lächeln: In Städten wie Köln kann man auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblicken. Nun waren die Toga- und Sandalenträger auch hierzulande eine ganze Weile heimisch und haben etwa in Walheim ihre Spuren hinterlassen, wo sich die Reste von zwei Kastellen und einer ausgedehnten zivilen Siedlung befinden - um nur eines von zahlreichen Beispielen zu nennen. Doch eine Siedlungs- und Namenskontinuität von der Römerzeit über den Einmarsch der germanischen Alamannen ab 260 nach Christi Geburt bis heute ist nicht nachzuweisen. Weil die Alamannen wie auch die später einrückenden Franken zwar gut mit dem Schwert umgehen konnten, jedoch nicht mit der Feder, herrschte in den Jahrhunderten danach erst einmal Funkstille.

Forscher gehen davon aus, dass die ältesten Orte aus der Alamannenzeit oft als typisches Merkmal einen Personennamen und eine -ingen-Endung als Namensbestandteil haben. Beispiel: Der Ort, wo sich der Alamanne Gruono mit seiner Sippe niederließ, wurde zu Gröningen, später Markgröningen. Die Franken, die die zweitälteste Ortsnamensschicht hinterließen, bevorzugten einen Personennamen mit der Endung -heim. Beispiel: Saraesheim, das "Heim des Saro", später Sersheim. Manche interpretieren Namen mit -igheim, etwa Bietigheim, als ursprünglich alamannische -ingen-Namen, in denen dann die Franken (ab dem sechsten Jahrhundert) das Zepter übernahmen.

Urkundlich erfasst wurden diese Orte im sogenannten "Altsiedelland" aber fast alle erst ab der Zeit Karls des Großen (Regierungszeit 768 bis 814). Damals erhielt das Bildungswesen einen Schub, Klöster wurden gefördert und begannen, Güter, die sie durch Schenkungen erhielten, fleißig zu notieren - und das waren viele. Das Kloster Lorsch spielte dabei eine Hauptrolle, aber auch die Klöster Fulda oder Weißenburg im Elsass. 769 werden Ditzingen und Hirschlanden in einer Schenkungsurkunde erwähnt, 771 Horrheim, 774 Hessigheim. 779 folgt dann gleich eine ganze Reihe von Ersterwähnungen: Markgröningen, Ingersheim oder Benningen. Hier konnten überall 1979 1200-Jahr-Feiern organisiert werden. In der Rangfolge der Ersterwähnungen kann Bietigheim mit der Jahreszahl 789 aufwarten, auch wenn es hier nachweislich schon im dritten Jahrhundert zur Zeit der Römer ein "Collegium Matisonensium", eine Gemeinschaft von Gutshofbesitzern am Metter-Ufer, gab.

Bönnigheim taucht in den Urkunden vor exakt 1223 Jahren auf, als 793 die Nonne Hilteburg den Ort zusammen mit Erligheim, dem Michaelsberg und einem Teil Cleebronns an das Kloster Lorsch verschenkte - ohne Zweifel ein üppiges Präsent. Auch wird Riexingen damals erwähnt - ob Ober- oder Unter- gemeint ist, steht nicht fest. Pleidelsheim wird 794 aktenkundig, Haslach 800.

816 ist das Jahr, auf das Oßweil seine 1200-Jahr-Feier in diesem Jahr bezieht, als ältester Teilort Ludwigsburgs. Ein kaiserlicher Schreiber notierte damals in einer Schenkungsurkunde für das Kloster in Murrhardt den Ortsnamen "Oßweil". Doch das Jubiläum hat seine Tücken, denn die Quelle ist etwas unsicher: eine spätere Fälschung, die aber auf einer tatsächlichen Urkunde beruhen soll. Im Ort lässt man sich dennoch nicht vom Feiern abhalten.

Eine Besonderheit hat Kirchheim vorzuweisen: Es wird in einer Urkunde von 1003 erfasst und war ein Reichsdorf, das direkt dem König unterstand. Vorteil: Seine Bewohner mussten keine Frondienste leisten. Der erste Nachweis für Sachsenheim fällt ins Jahr 1090. Wer wann ein Fass anstechen kann, ist jedenfalls immer stark vom Zufall abhängig. Besigheim etwa, das von der Endung -heim her recht alt sein müsste, blieb Jahrhunderte im Dunkel der Geschichte, bis es 1153 in einer Schenkungsurkunde des Königs Friedrich I. Barbarossa Erwähnung fand. Andere Orte außerhalb des "Altsiedellandes" entstanden tatsächlich erst später, wenn neue Gebiete gerodet wurden. Ochsenbach im Stromberg etwa (Erwähnung 1268) oder Spielberg (1332).

Erst bei den jüngsten Siedlungen im Kreis fällt die erste Erwähnung dann auch mit der tatsächlichen Grundsteinlegung zusammen: So bei Ludwigsburg (Stadtgründung 1718) oder bei der Siedlung Pattonville, angelegt 1955 von der US-Armee und damit das jüngste Kind der Siedlungsfamilie im Kreis. Ihnen fehlt das ehrwürdige Alter, sie wissen dafür aber ganz genau, wann sie entstanden sind.

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