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Negativtrend geht weiter

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Szene von einem Spatenstich: Viele Betriebe verlagern ihren Standort aus der Region Stuttgart heraus.  Foto: 

Trotz boomender regionaler Wirtschaft hat die Region Stuttgart für Unternehmen an Attraktivität eingebüßt, dies teilt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart mit. In den letzten vier Jahren sind demnach mehr Betriebe aus der Region weggezogen als Unternehmen neu zugezogen sind. Das belegt die aktuelle Sitzverlagerungsstudie der  IHK Stuttgart. 1177 Zuzüge zwischen 2013 und 2016 stehen laut diesen Angaben 1216 Fortzügen gegenüber. Damit habe sich der Negativtrend der vergangenen Untersuchungsperiode weiter verstärkt: Zwischen 2005 und 2008 war der Umzugssaldo noch mit 288 Unternehmen positiv, danach erreichte das Plus bis Ende 2012 nur noch 60 Betriebe.

Die IHK geht davon aus, dass Defizite in der Verkehrsinfrastruktur, der Mangel an geeigneten Gewerbeflächen, Fachkräfteengpässe und weitere unzureichende Rahmenbedingungen entsprechende Reaktionen bei den Unternehmen auslösen und damit auch Konsequenzen für die Kommunen haben. „Dies sollte Stadtoberen und Gemeinderäten zu denken geben“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter. Die im kommenden Jahr in Stuttgart zu erwartenden Fahrverbote, die dort bereits eingeleiteten Verkehrsbeschränkungen und die anhaltende Unsicherheit, was auf die Betriebe in den Kommunen generell in Sachen Logistik und Luftreinhaltung noch zukommt, dürften den Negativtrend weiter verschärfen, so Richter: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das aktuelle Dauerfeuer gegen Automobilhersteller, Verkehr und Wirtschaft an den Unternehmen so einfach vorbeigeht.“ Vielmehr würden viele Betriebe, deren Horizont über den heutigen Tag hinausgehe, mehr und mehr prüfen, ob sie hier in der Region noch eine dauerhafte Perspektive haben und hier willkommen seien.  Immer schwerer werde es vor diesem Hintergrund auch, neue Unternehmen zur Ansiedlung in die Region zu locken.

Verringert hingegen hat sich laut der Untersuchung die Verlagerungshäufigkeit innerhalb der Region Stuttgart: Gebe es im Vorzeitraum noch insgesamt rund 11 000 Umzüge, verzeichnet die IHK für die zurückliegenden vier Jahre nur noch rund 9400 Verlagerungen. Ausgehend von den rund 7000 Umzügen innerhalb der Region zwischen 2013 und 2016 bleibt mit 3800 Umzügen mehr als die Hälfte der sitzverlagernden Unternehmen innerhalb derselben Gemeinde.

Klarer Verlierer der Sitzverlagerung unter den sechs Land- und Stadtkreisen sei Stuttgart. Der Nettoverlust für die Landeshauptstadt aus dem Verlagerungsgeschehen sei in den vergangenen vier Jahren von 115 (2019 bis 2012) auf jetzt 198 Handelsregisterunternehmen gestiegen.

Die meisten Unternehmen verlassen laut der IHK Stuttgart in Richtung Esslingen und den Rems-Murr-Kreis. Aber auch die Wegzüge in andere Teile Baden-Württembergs und andere Bundesländer überwiegten gegenüber den Zuzügen nach Stuttgart. Am meisten profitierten demnach in den vier zurückliegenden Jahren die Landkreise Esslingen (plus73 Betriebe) und Rems-Murr (plus 58) vom Standortwechsel. Auch Göppingen mit 19 und Böblingen mit zehn zugewachsenen Handelsregisterunternehmen verzeichnen positive Umzugssalden. Der Landkreis Ludwigsburg wiederum steht vor einer ausgeglichenen Bilanz, sagt Richter. „Die Studie offenbart einen klaren Trend raus aus der Stadt. Das liegt neben den Verkehrsthemen zum Teil an hohen Immobilienpreisen und der Knappheit an geeigneten Gewerbeflächen.“ Daher müsse auch die Qualität der Standortfaktoren insgesamt dringend verbessert werden, so Richter.

Von den 26 großen Gemeinden können 17 ein Plus im Umzugssaldo aufweisen. Spitzenreiter ist Kirchheim unter Teck mit plus 32 Unternehmenszuzügen. Die restlichen neun Städte haben mehr Unternehmen verloren als gewonnen. Die Städte Leonberg und Göppingen bildeten mit Negativ-Umzugssalden von 29 und 21 die Schlusslichter der Gemeinden über 20 000 Einwohner. Insgesamt haben die großen Kommunen per Saldo 87 Unternehmen durch Standortverlagerungen verloren. 51 Unternehmen haben Sie an mittlere und kleine Gemeinden aus der Region Stuttgart abgegeben. Auch die Bilanz mit Standorten außerhalb der Region Stuttgart fällt negativ aus: 36 Unternehmen haben die großen Gemeinden per Saldo an andere deutsche Standorte  verloren.

Die IHK-Vertreter sind der Ansicht, dass viele dieser Fortzüge „möglichweise“ hätten vermieden werden können, wären die Standortbedingungen für alle aus der Region fortgezogenen Unternehmen rechtzeitig verbessert worden. IHK-Hauptgeschäftsführer Richter lässt sich zitieren: „Wir können die Kommunen nur ermuntern, auf die Sorgen und Wünsche der Betriebe aufmerksam und flexibel zu reagieren. Viele Kommunen in der Region pflegen diese Partnerschaft ausdrücklich, andere wiederum kaum“, so die IHK. Dabei seien Betriebe ein wichtiges Kapital für Städte und Gemeinden. Der IHK-Geschäftsführer: „Sie zahlen Gewerbesteuer, schaffen Arbeitsplätze und fördern damit den Zuzug junger Menschen. Jeder Weggang eines Unternehmens sollte im ureigenen Interesse der Kommune vermieden werden.“.

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