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Methadon gegen Krebs: Ludwigsburger Ärzte zweifeln

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Onkologe Matthias Ulmer.  Foto: 

Jeden Tag will jemand Methadon. Das berichtet Matthias Ulmer, Oberarzt und Palliativ­mediziner am Ludwigsburger Klinikum. Er behandelt Krebspatienten. Bei ihnen geht es um Leben und Tod. Manche haben faktisch keine Chance mehr – und setzen ihre letzten Hoffnungen in das Opiat. „Täglich haben ich oder meine Kollegen mindestens einen Patienten oder einen Angehörigen, die Methadon verlangen.“ Ulmer aber ist „zurückhaltend“, wie er am Montagabend den knapp 60 Zuhörern im Hörsaal des Ludwigsburger Klinikums sagt. Die Regionale Kliniken Holding hat zu einem Infoabend eingeladen, Motto „Gemeinsam gegen den Krebs“.

Aus Ulmers Sicht und aus der Sicht seiner Kollegen am Ludwigsburger Klinkum hält sich der Nutzen von Methadon in der Krebstherapie bislang in engen Grenzen – außer bei der Schmerzbehandlung. Und selbst da braucht Ulmer es meistens nicht, wie er sagt.

Methadon hat eine steile Karriere hinter sich. Stark verbreitet ist der Einsatz des künstlich hergestellten Opioids als Ersatz für Heroin, um Junkies von dem gefährlichen, im Straßenhandel schwer zu kontrollierenden Stoff wegzubekommen. Vor allem eine Chemikerin von der Uniklinik Ulm, Claudia Friesen, hat für viel Wirbel gesorgt. Nicht nur, aber auch in der Öffentlichkeit. Die Deutsche Krebshilfe, eine finanzstarke gemeinnützige Organisation, hatte eine ihrer Studien gegen bislang unheilbare Hirntumore mit 300 000 Euro gefördert, schrieb von einem „Durchbruch“ infolge der Laborforschung.

Friesen wirbt für Methadon in der Krebstherapie – nicht nur gegen den Schmerz, sondern gegen Tumore.  Methadon habe dazu beigetragen, dass sich Tumorzellen erheblich langsamer entwickelten. Medienberichte überregegionaler Zeitungen und öffentlich-rechtlicher Fernsehsender haben Friesen als  Gegnerin der Pharmalobby dargestellt, eine Lobby, die sich nach dieser Lesart gegen Forschung und Nutzung von Methadon in der Krebstherapie sperre, und aus Profitgier Schwerstkranken eine lebensverlängernde, ja lebensrettende Therapie vorenthalte. Auch den Ludwigsburger Krebsarzt Ulmer erreichen ähnliche Anwürfe, wenn er eine Therapie mit Methadon verweigert. „Irgendwann wird mir dann vorgeworfen, ich sei  von der Pharmaindustrie bestochen. Manche Patienten drohen mit dem Anwalt“, sagt Ulmer. Dabei, sagt er, müsste die Industrie doch ein Interesse haben am Einsatz von wirksamen (und nicht gerade billig zu verkaufenden) Krebsmedikamenten.

Doch die Wirksamkeit von Methadon ist wissenschaftlich längst nicht so eindeutig untermauert, wie manche Befürworter behaupten. Sogar die Leitung des Instituts für Rechtsmedizin an der Uni Ulm hat verfügt, dass Pressemitteilungen mit Bezug auf die angeblichen Erfolge seiner Mitarbeiterin Claudia Friesen gelöscht werden. Worauf die Öffentlichkeit entrüstet reagiert hat.

Debatte um Nutzen

Ein Kernvorwurf des Ludwigsburger Arztes Ulmer: Die Wirkung von Methadon sei noch nicht ausreichend am Menschen erforscht, bislang sei allenfalls von Einzelfällen die Rede, in denen Methadon angeblich eine Wunderheilung bewirkt habe. „Diese Einzelfälle sind aber oft erstaunlich schlecht dokumentiert.“ Er will damit sagen: Es fehlen vollständige und wichtige Angaben, um die angebliche Heilung nachzuvollziehen, oder: um eine Heilung auf Methadon zurückzuführen. „Diese Patienten erhielten ja immer auch andere Medikamente“, sagt Ulmer.

Methadon belebt die Debatte Ulmers mit den Patienten und anderen Interessierten im Ludwigsburger Hörsaal am Montagabend. Eine Zuhörerin verwies auf die Nebenwirkungen anderer Medikamente, relativierte damit die Nebenwirkungen von Methadon, die Ulmer beschrieben hatte: Herz- und Kreislaufstörungen, mit möglicherweise tödlichem Ausgang. Eine Nachricht, die sofortige Stille im Publikum herstellte, nur ein lautes Ausatmen war zu vernehmen. Ein Patient Ulmers sagte dann: „Wenn ich einen Herztod sterbe, habe ich auch nichts davon.“

In dieser Woche beschäftigt sich die BZ in einem Wochenschwerpunkt mit dem Thema Krebs. Anlass war der Informationsabend am Montag, an dem sich mehrere Krebsspezialisten des Ludwigsburger Klinikums den Fragen von Patienten und anderen Bürgern stellten.

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