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Mehrheit für Muslim-Gräber

Im zweiten Anlauf hat sich der Pleidelsheimer Gemeinderat am Donnerstag mit großer Mehrheit für die geplante Friedhofserweiterung ausgesprochen - und für ein extra Grabfeld für Muslime.

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Der Pleidelsheimer Friedhof soll sich für die Bestattung von Muslime öffnen. Vorgesehen sind bis zu zwölf Grabfelder.  Foto: 

Im Pleidelsheimer Gemeinderat ging es einmal mehr ums Thema Friedhofserweiterung. Vor der Entscheidung hatte die vierköpfige WIR-Fraktion noch einmal eine Vertagung gefordert. Denn nach der Auffassung von Fraktionssprecherin Christel Staudenmaier sei in der Sitzungsvorlage beim Tagesordnungspunkt "Friedhof Pleidelsheim - Anlegen von Grabfeldern" nicht deutlich geworden, dass dabei erstmals ein Grabfeld für Muslime ausgewiesen wurde, mit der vorgeschriebenen Ausrichtung gen Mekka. Dies hätte aber aus der Tagesordnung klar hervorgehen müssen, verlangte die Verwaltungsexpertin mit Hinweis auf die Gemeindeordnung. Sie sprach in diesem Zusammenhang von mangelnder Transparenz für die Bürger.

Doch der Bürgermeister war da ganz anderer Meinung. Bei dieser Friedhofserweiterung gehe es nicht explizit um Muslimgräber, sondern vor allem um mehr Urnen-, Einzel- und Reihengräber für alle. Ganz abgesehen davon, dass sich jeder Pleidelsheimer, der sich dafür interessiere, nach der vielfältigen Berichterstattung über die Gemeinderatssitzung vom 5. Juni in Internet, Presse und Gemeindeblatt ausreichend informiert sein müsste, dass es unter anderem auch um Platz für zwölf muslimische Gräber gehe. Die meisten anderen Gemeinderäte sahen es wie SPD-Mann Rocco També: "Die Bürger sind ausreichend informiert, die Transparenz ist gewahrt." Deshalb bekam der Geschäftsordnungsantrag des WIR-Quartetts nur fünf Ja-Stimmen und damit eine glatte Abfuhr.

"Ich will keine muslimischen Gräber verhindern", hatte Christel Staudenmaier gleich zu Beginn der Debatte beteuert. Auch die Sprecher der anderen Fraktionen betonten das. Frei nach dem Motto: Integration und Inklusion dürften nicht mit dem Tod enden. Zwar schließen die meisten Muslime Versicherungen ab, um im Todesfall in heimatlicher Erde bestattet werden zu können, doch wachse eine Generation mit türkischen, libanesischen, syrischen oder afghanischen Wurzeln heran, für die Pleidelsheim die Heimat ist.

Dennoch zeigte sich die WIR-Fraktion hartleibig. Christel Staudenmaier nannte das Vorhaben einen "Versuchsballon", der so nicht funktionieren könne. Markus Lanig wiederum bezweifelte, dass die Zahl der Grabstellen ausreiche. Ihre Kollegen Sigrid Wildermuth und Albrecht Reuther hatten sich zuvor eigens in die örtliche Moschee begeben, um sich beim Vorsteher Infos über muslimische Bestattungsrituale zu holen. Ihre Botschaft: Auch in der Moschee sei man skeptisch.

Reuther kam deshalb zu dem Schluss, dass er zwar für muslimische Gräber sei, "aber nicht in Pleidelsheim", wo es ohnehin so eng zugehe. Dem Bürgermeister warf er vor, nicht mit den Muslimen gesprochen zu haben, was der jedoch energisch zurückwies. Staudenmaier wiederum schlug vor, dass Trettner die interkommunale Zusammenarbeit bemühen und sich mit seinen Bürgermeisterkollegen Gedanken über einen regionalen muslimischen Friedhof machen solle.

Doch der Bürgermeister verwarf das umgehend mit dem Hinweis auf rein jüdische Friedhöfe, die allerdings durch die Initiative dieser Glaubensgemeinschaft entstanden seien und nicht durch kommunale Aktivitäten. Da müssten sich schon die muslimischen Gruppen zusammensetzen und selbst darum kümmern. Jedoch bezweifelte er eine solche Kooperation angesichts der unterschiedlichen Strömungen bei den Muslimen. "Die haben ja kein gemeinsames Dach wie etwa die evangelische Kirche", meinte er.

Trettner sprach sich dafür aus, dass Pleidelsheim erst einmal die bautechnischen Voraussetzungen für ein Moslem-Grabfeld schaffe, für alles andere würden dann schon Lösungen gefunden. Dem konnte sich Dieter Rohr (Grüne) nur anschließen: "Wir machen ein Angebot und warten dann ab." Auch Jürgen Hämmel (FWV) beschwor das Gremium: "Gehen wir das doch erst einmal an." Und Klaus Feiss (CDU) fand schließlich, dass immer gleich allerlei Bedenken angemeldet werden, anstatt die Sache erst einmal pragmatisch anzugehen.

Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen gab es am Ende der fast einstündigen Diskussion eine klare Mehrheit für die erweiterte Friedhofsgestaltung samt Muslim-Gräberfeld.

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