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Luther-Brief für 100 000 Euro

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Der Bietigheim-Bissinger Auktionator Christoph Gärtner mit dem Marthin-Luther-Brief aus dem Jahr 1543. Ausgerufen war das Schreiben am Dienstag mit 100 000 Euro. Verkauft wurde es an diesem Tag nicht.  Foto: 

Der Bietigheim-Bissinger Auktionator Christoph Gärtner bezeichnet es als eine „große Ehre“. Es ist ihm gelungen, einen Brief versteigern zu dürfen, der im Jahr 1543 geschrieben wurde. Die Feder führte kein Geringerer als der Reformator Martin Luther (1483 bis 1546). Der Mann, der 1517 seine 95 Thesen ans Wittenberger Kirchentor nagelte, dadurch die katholische Kirche ins Wanken brachte, und den Deutschen auch noch die Bibel übersetzte, zeigt in diesem Brief eine Haltung, die ihm aus heutiger Sicht die Bilanz etwas verhagelt: seine Abneigung gegen die Juden.

Luther, der als „Martinus Lüther D“ unterschrieb, ermuntert darin den Adressaten Georg Buchholzer, den Probst der Berlinger St.-Nikolai-Kirche, weiterhin gegen die Juden zu predigen. „Yhr habt recht dran gethan. Haltet feste und faret fort“, lobt Luther den Probst, der mit einem früheren Luther-Anhänger in Streit geraten war. Dieser ehemalige Luther-Schüler und Mitarbeiter, Johann Agricola, hegte eine judenfreundliche Haltung. Nun hatte der Probst Luther gebeten, Bibelsprüche auszulegen, mit denen der gemeinsame Gegner seine judenfreundliche Haltung begründete.

Am Dienstag wollte noch keiner den Brief bezahlen

Für 100 000 Euro war der zweiseitige Brief am Dienstag zur Auktion ausgerufen. Für diesen Preis wollte ihn aber erst mal keiner kaufen. Nun wird der Brief noch vier Wochen im Nachverkauf angeboten. „Ich hoffe sehr, ihn in Deutschland verkaufen zu können, damit er im Reformationsjahr vielleicht in einem Museum ausgestellt wird“, sagt Auktionator Christoph Gärtner.

Wie seine Sprecherin Kristine Wallé auf Nachfrage mitteilt, hat der derzeitige Besitzer des Briefes diesen im Jahr 1983 ersteigert: „Er erinnert sich daran, dass damals auch ein jüdisches Museum starkes Interesse an dem Brief hatte und er sich gegen diesen Konkurrenten durchsetzen konnte.“

Der Brief des Reformators ist längst nicht das finanziell wertvollste Los des Bietigheim-Bissinger Auktionators, das in der aktuellen internationalen Großauktion, die noch bis zum Freitag andauert, ausgerufen wird.

So versteigert der Philatelie-Spezialist Gärtner zwei der größten und teuersten Sammlungen an Briefmarken, die jemals versteigert wurden, seit es Briefmarken überhaupt gibt. Eine fast zehn Tonnen schwere Sammlung ist für einen Startwert von drei Millionen Euro ausgerufen. Die Briefmarken stammen aus dem Zeitraum zwischen den Jahren 1840 und 2013. Sie stammen aus vielen Ländern, unter anderem aus Syrien, Ägypten und Abu Dhabi. Der Mann, der die Sammlung in mehr als 40 Jahren zusammentrug, war ein „erfolgreicher Geschäftsmann“, heißt es im Katalog zur Versteigerung. Wer genau der Sammler war, darüber herrscht im Auktionshaus Gärtner Verschwiegenheit.

Etwas günstiger startet die Kollektion mit dem Titel „Bella Italia“ – mit zwei Millionen Euro. Diese Briefmarkensammlung mit Stücken aus Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien ist in mehr als 180 Alben, Mappen, Schachteln und Bogentaschen zusammengefasst.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals zwei siebenstellige Philatelie-Lose so kurz hintereinander ausgerufen wurden“, sagt Gärtner stolz. Falls die Sammlungen von seinem Haus erfolgreich versteigert werden, erhält er eine Provision von 22 Prozent.

Um seine Premium-Auktionen zu den millionenschweren Briefmarkensammlungen zu vermarkten, hat Gärtner international Anzeigen schalten lassen, unter anderem in London. Dort sitzt die Hochfinanz.

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