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Liebe zur Lyrik: „Die Menschen mögen Reime“

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Jan Bürger, Deutsches Literaturachiv.  Foto: 

Dreimal im Jahr wird in Marbach über neue Lyrik diskutiert. Das nächste Mal am kommenden Mittwoch, 5. April. Dann begegnet der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Jan Bürger vom Deutschen Literaturarchiv dem Journalisten Gregor Dotzauer und der Literaturkritikerin Insa Wilke und es wird vor einer treuen Zuhörerschaft über Lyrik-Neurescheinungen wie etwa „118“ von Steffen Popp, der in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, geredet. Das Ganze zeichnet das Deutschlandradio Kultur auf und sendet es am 23. April um 0.05 Uhr. Nicht gerade  Primetime, aber immerhin: Die Veranstaltung erfreut sich einer Beständigkeit, die Bürgers These von der Lyrik belegt: „Lyrik lebt und sie ist allgegenwärtig.“

Das mag vielen im turbulenten Alltag nicht auffallen, aber das Versmaß begegnet den Menschen überall: als Kalenderspruch, als Faschingskalauer, in Pop- und Rap-Songs, in der Werbung. Aber ist das Lyrik? Für Jan Bürger ist dies abhängig von Zeit und Zugang. Sie lasse sich nicht auf den traditionellen Gedichtband reduzieren. „Alle modernen Lyriker, die gerade bekannt werden, haben zum Beispiel ein sehr entspanntes Verhältnis zur populären Musik.“ Bürger empfiehlt daher, mal auf die Texte aktueller Pop-Songs zu achten. „Da steckt durchaus mehr Anspruch als noch vor Jahren drin.“

Vor Jahren, das war vielleicht die Zeit der 1960er, als die Lyrik den „Ruch des Esoterischen“ bekommen hatte. Aber auch die Zeit, als moderne Lyrik mit dem klassischen Versmaß brach und neue unkonventionelle Wege suchte. Die Avantgarde habe auch Autoren geprägt, die später wieder fast konventionell geschrieben hätten, so Bürger.

Will heißen: Auch Lyrik ist ein weites Feld, dessen Reiz in der Vielfalt liegt. Sie fasziniert von klein auf. „Menschen lieben rhythmische Formen, sie mögen Reime, das gehört wahrscheinlich zur menschlichen Grundausstattung. Schon Kinder haben einen direkten Zugang zur Lyrik, Jugendliche ein Gespür für gute Texte“, sagt Bürger. Rainer Maria Rilke war in seiner Zeit ein Autor mit großen Auflagen. „Soldaten nahmen seine Gedichte zur Erbauung mit in den Krieg“, weiß Bürger. Und warum ist das so? Bürger sieht die Lyrik als eine „existenzielle Auseinandersetzung mit Sprache“, als „Sprechen in Extremform“ sowie als „Klang- und Lauterlebnis“. „Lyrik ist auch grafisch besonders, weil sie die gewohnte Leserichtung verändert, beziehungsweise eine neue Ebene hinzufügt.“

Zuhause ist die Lyrik im Südwesten: Schiller, Hölderin, Uhland, Mörike, Hesse – im heutigen Baden-Württemberg wurde die deutsche Gedichtkunst geprägt. Bewahrt wird sie im Marbacher Literaturarchiv, das Briefe, Werke und Originalausgaben von nahezu allen namhaften Lyrikern in deutscher Sprache beherbergt. Schätze, wie die Nachlässe etwa von Paul Celan und Peter Rühmkorf, um nur zwei zu nennen, lagern in den Archivkellern auf der Schillerhöhe. Spektakuläre Ausstellungen, wie schon bald „Rilke und Russland“ (siehe Beitrag auf dieser Seite), lassen die Lyrik und die Lyriker hochleben.

Und vielleicht ist es auch diese besondere Nähe zur Dichtkunst, die es ermöglicht, dass Reihen wie „Lyrik lesen“ so gut funktionieren.

Das Kritikergespräch „Lyrik lesen“ beginnt am 5. April um 19.30 Uhr im Berthold-Leibinger Auditorium des Literaturmuseums der Moderne. Im Anschluss an die Diskussion lesen Joachim Kersten und Stephan Opitz aus dem Band „Des Reiches genialste Schandschnauze. Texte und Briefe zu Walther von der Vogelweide“ von Peter Rühmkorf, der jetzt aus dessen Nachlass herausgegeben wurde. Der Eintritt ist frei.

Weiteres Schwerpunkt-Thema: Rilke, der Russe

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