Partner der

Kritik: Stromer schluckt Steuergelder

Seit diesem Jahr fährt der Stromer im Regelbetrieb. Doch es regt sich Kritik an dem Rad- und Wanderbus, den das Landratsamt anbietet. Das Gefährt werde kaum genutzt, Steuergelder würden verschwendet.

|
Seit diesem Jahr fährt der Stromer im Regelbetrieb. Allerdings werde er zu wenig genutzt, sagen Kritiker des Rad- und Wanderbusses.  Foto: 

Mehrere Gemeinden rund um Bönnigheim und Sachsenheim steuert der Rad- und Wanderbus Stromer wochenends und an Feiertagen an. Vor vier Jahren hatte das Landratsamt Ludwigsburg das Gefährt mit dem Segen des Kreistags auf den Weg gebracht. Kostenpunkt im Jahr 2013: 50.400 Euro. Der Verband Region Stuttgart und Tripsdrill, wo es eine Station gibt, beteiligen sich an den Ausgaben. Den Rest tragen der Kreis und die Kommunen, die angesteuert werden, jeweils zur Hälfte.

Steuergelder, die Kritiker des Stromers als verschwendet betrachten. Karl-Heinz Doberneck, der in Sachsenheim-Hohenhaslach und Umgebung Zimmer vermietet, wohnt an der Ochsenbacher Straße, an der der Bus regelmäßig vorbeidüst. Doberneck moniert: "In dem Bus sitzen keine Leute." Auch Fahrräder sieht er nur selten hinten aufgeladen. Kein Wunder, sagt Doberneck, schließlich befinde man sich nicht in einer Fahrradregion. Dafür seien die Radwege zu schlecht oder gar nicht vorhanden - es fehle also schlicht die Infrastruktur.

Ein Hohenhaslacher, der lieber unerkannt bleiben möchte, kann Doberneck nur beipflichten. Den Bus sehe er aus seinem Fenster, und auch er habe schon oft festgestellt: "Er ist leer." Der Stromer als Angebot für Touristen und Ausflügler - davon hält der Mann denn auch nichts. Nicht ohne weitere Gastronomie- und Unterhaltungsangebote, die aber gerade im Kirbachtal rar gesät seien.

Einzig Tripsdrill profitiere tatsächlich vom Stromer, sagt Karl-Heinz Doberneck. Für die restlichen Kommunen aber gelte: "Da werden Steuergelder rausgeblasen." Mittel, die, wie der Hohenhaslacher findet, besser in neue Radwege im Kirbachtal investiert werden sollten.

Kritik am Stromer, den die Bahntochter RBS betreibt, kommt zudem noch aus einer anderen Ecke. Vom Bietigheimer Busunternehmen Spillmann. Dessen Geschäftsführer Bülent Menekse war noch nie ein Fan des Angebots. Er kann auch begründen, warum nicht. Im Kreis gebe es immer noch Versorgungslücken, die es zu schließen gelte. "Viele aus unserer Sicht notwendige Konzepte sind momentan auf Eis gelegt, weil die Finanzierung nicht gestemmt werden kann." Für den Stromer aber gebe man 50 000 Euro im Jahr aus.

Engpässe im Busverkehr auszumerzen, das würde 90 Prozent der Fahrgäste zugute kommen, schreibt Menekse in einem internen Papier. Dort heißt es auch: "Solange die Grundversorgung an Werktagen, insbesondere in den Hauptverkehrszeiten, noch nicht vollumfänglich finanziert ist, sollten die zur Verfügung stehenden Mittel eher an dieser Stelle Priorisierung finden, statt in touristische Attraktionen zu fließen." In erster Linie Tripsdrill würde vom Angebot profitieren, findet er.

Menekse plädiert dafür, an Sonntagen bereits bestehende und daher auch finanzierte Buslinien in das Konzept einzubinden. "Es könnte dadurch die Möglichkeit bestehen, über einen geringen Mehrpreis eine ähnliche Erschließungsqualität zu erzielen." Eine Idee, die, das muss man wissen, dem Bietigheimer Unternehmen freilich auch deshalb in die Karten spielen würde, weil es Streckenteile mit eigenen Linien abdecken könnte.

Vor zehn Jahren war es sogar bereits so weit gewesen, daraus macht Menekse auch keinen Hehl. In den Jahren 2003 und 2004 habe man an die bestehende Linie 554 einen Fahrradanhänger gekoppelt - das sei sozusagen der Vorläufer des Stromers gewesen, sagt Menekse. Nach zwei Jahren habe man das Projekt wieder ad acta gelegt, weil es nicht gelungen sei, über den VVS einen Fahrradtarif zu installieren. Und der Kreis sei auf das Thema damals nicht angesprungen.

Im Landratsamt Ludwigsburg weist man diese Kritik indes zurück. Man sei über das Spillmann-Angebot nie informiert und auch nicht um Unterstützung gebeten worden. Zum Stromer steht man zudem: Er habe sich bewährt, die Fahrgastzahlen seien kontinuierlich gestiegen (siehe Infobox), sagt der Sprecher der Behörde, Andreas Fritz. Er räumt jedoch ein: "Der Stromer ist als Rad- und Wanderbus sehr stark vom Wetter abhängig." Bis auf wenige Ausnahmen sei das in den vergangenen Wochen und Monaten schlecht gewesen. "Das führt naturgemäß zu einer geringeren Nutzung des Angebots", so Fritz.

Grundsätzlich aber sieht man im Freizeitverkehr offenbar eine Chance, den ÖPNV voranzubringen. Weitere Nutzerpotenziale könnten erschlossen werden, stellt Fritz fest. Überaus offen dürfte das Landratsamt daher dem Vorstoß von Grünen sowie FDP gegenüberstehen, die Einführung zweier weiterer Busse - eines Bottwartälers und eines Neckartälers - zu prüfen. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorgelegt werden, genauso wie die aktuellen Fahrgastzahlen des Stromers, teilt Fritz mit.

Kaum Fahrräder im Stromer
Kommentieren

Kommentare

12.06.2013 11:56 Uhr

Stromer

Durchschnitlich waren also 2012 Sonntags ca. 15, Samstags ca. 13 Fahrgäste je Strecke unterwegs. Ausbaufähig, aber für den Anfang gar nicht schlecht, finde ich. An der stetigen Zunahme der Fahrgäste seit 2010 sieht man , dass das Angebot erst mal richtig bekannt gemacht werden muss. Wer ein erstes Mal mit dem Bus gefahren ist, wird auch gerne weitere Male fahren. Vielleicht müsste man gezielte Aktionen durchführen, um Erstkunden zu gewinnen. Der Einsatz eines Fahrradanhängers dürfte außer der Investition wenig Mehrkosten haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bus durch den Anhänger wesentlich mehr Sprit verbraucht. Klar, dass es einem Vermieter von Ferienwohnungen lieber wäre, wenn in man in die touristische Infrastruktur für Mehrtagesgäste investieren würde.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Großes kreatives Potenzial

In der Städtischen Galerie sind gleich drei neue Ausstellungen zu sehen. Zur großen Austellung des Künstlerbundes Baden-Württemberg kommen zwei Einzelschauen. weiter lesen