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Klimaretter Dämmung: Sinn oder Unsinn?

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Die Fassadendämmung vor allem bei der Gebäudesanierung ist nicht unumstritten.  Foto: 

Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Fassadendämmung, über Kostennutzen und Materialien ist so alt wie die Styroporplatte. Fakt ist: Die Dämmung ist ein Baustein von vielen, mit denen auch Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Deshalb fördert die Bundesregierung die Fassadendämmung mit millionenschweren Programmen. Ehrgeiziges Ziel: Klimaneutralität im Wohnungsbau bis 2050. Die Kommunen und die Hausbesitzer müssen aber Mitmachen. Deren Schlüsselrolle im Kampf um eine Reduzierung der Klimaerwärmung wurde erst vergangenen Woche auf dem Bonner Klimagipfel erneut hervorgehoben.

Gegen den „Dämmwahn“

Und so sehr das Dämmelement inzwischen zu jeden Neubau gehört, so beharrlich bringen die Kritiker ihre Gegenargumente zur energetischen Sanierung an. Die FAZ zitiert den Berliner Ökonomieprofessor Harald Simons, der die energetische Sanierung als ein „Desaster“, als „rausgeworfenes Geld“ und „Geldschneiderei mit Heiligenschein“ bezeichnet. Sie rechne sich nur unter absurden Konstellationen und bei horrend steigenden Energiepreisen.

Die neue Züricher Zeitung bezeichnete die Deutschen als ein „Volk der Abdichter und Wärmedämmer“ und längst nicht nur der fränkische Architekt Konrad Fischer zieht gegen den „Dämmwahn“ ins Feld. Auch Architekten und Hausbesitzer wollen das Hohelied von der Fassadenversiegelung nicht uneingeschränkt mitsingen. Architektenkammern warnen ihre Mitglieder beispielsweise vor fahrlässigen Versprechen gegenüber Häuslebauern zur garantierten Dämmrendite.

Wirtschaftlichkeit ist wichtig

Hans Dieterle, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Baden-Württemberg, hält das Thema Dämmung bei Neubauten für erledigt, sieht die Fassadendämmung bei der Bestandssanierung aber auch kritisch. „Außendämmung bei älteren oder gar historischen Gebäuden macht die Stadt nicht schöner“, sagte Dieterle der BZ. Er plädiert für übergreifende Lösungen auf kommunaler Ebene und meint zum Beispiel hoch effiziente Neubaugebiete einerseits und Ausgleichs-
maßnahmen andererseits, wenn Altbestände das erwünschte Einsparpotenzial nicht erreichen.

Private Bauherren sehen sich  bei der Dämmung ohnehin eher selten als idealistische Weltklimaretter. „Ihnen geht es vor allem ums Geld. Die Umwelt spielt da keine Rolle“, beobachtet Bernd Kaufmann, Bauingenieur aus Bietigheim-Bissingen und Energieberater. Was kostet die energetische Sanierung, welche Zuschüsse gibt es und wann rechnet sich die Investition? Das interessiert die Verbraucher. Die Ludwigsburger Energieagentur konzentriert sich daher laut Geschäftsführer Sebastian Staudenmayer grundsätzlich auf wirtschaftliche seriöse Beratung und empfiehlt die Fassadendämmung dann, wenn ohnehin eine Sanierung ansteht.

Schwachpunkt Öko-Bilanz

Dann, so Kaufmann, lohnt es sich auch, in Dämmmaterialien zu investieren. Eine Fassadensanierung mit Wärmedämmung außen sei etwa doppelt so teuer wie eine Modernisierung ohne. Wenn allerdings Außenwand und Dach anständig isoliert sowie Fenster und Heizung auf dem neusten Stand seien, dann bedeute das zwei Drittel niedrigere Energiekosten. „Das rechnet sich ziemlich schnell“, so Kaufmann. Er hält auch die staatliche Förderung grundsätzlich für angemessen, die Umsetzung aber für verfehlt. „Wenn die Verfahren nicht so kompliziert und bürokratisch wären, könnte sicher deutlich mehr gefördert werden“, so sein Urteil. Zwar sieht eine Gesetzesnovellierung die Zusammenführung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG), der Energieeinsparungsverordnung (EnEV) und des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes in das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) vor, eine Vereinfachung sieht die Architekten-
kammer Thüringen darin aber zum Beispiel noch nicht wirklich.

Unabhängig von den Rahmenbedingungen verdienen Chemie­industrie und Handwerk gut an Herstellung und Verbau von Dämmmaterialien, die Öko-Auflagen sind aber auch ein Treibmittel bei den explodierenden Baukosten. Und nicht nur das: Die Gesamt-Ökobilanz der Dämmstoffe fällt nicht in jedem Fall positiv aus, etwa wenn Styropor nach einer überschaubaren Lebenszeit verbrannt werden muss oder Billig-Materialien aus Asien importiert werden. Baumann und Dieterle raten deshalb zu mineralischen Dämmstoffen. Staudenmayer bedauert, dass die nicht stärker gefördert werden als die chemischen Alternativen.

Letztlich kommt noch der nach dem Hochhausbrand von London stärker ins Bewusstsein gerückte Brandschutz hinzu, auch „ein ganz großes Thema“, wie sich Dieterle ausdrückt.

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