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Inklusion: Neue Außenklassen auf dem Weg

Der Kultur- und Schulausschuss des Kreistags hat der Einrichtung weiterer Außenklassen von Sonder- an Regelschulen zugestimmt. Ob sich die Kooperationen auf lange Sicht halten, bleibt jedoch abzuwarten.

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Wenn es darum geht, geistig behinderte Kinder in Regelschulen zu integrieren, braucht sich der Kreis Ludwigsburg nach der Auffassung des Landrats Dr. Rainer Haas nicht verstecken. Wann immer sich die Gelegenheit in der Vergangenheit geboten habe, eine inklusive Außenklasse einzurichten, habe man diese auch ergriffen, sagte er am Montag im Kultur- und Schulausschuss des Kreistags. Sprachs und legte den Kreisräten vier weitere Anträge für Kooperationsklassen (Infobox) vor - die diese auch bewilligten beziehungsweise zur Kenntnis nahmen.

Die Grundidee hinter den Außenklassen ist die: Behinderte Schüler werden mit gesunden Kindern an allgemeinen Schulen stundenweise unterrichtet. Ein Beispiel aus Bietigheim: An der Realschule im Aurain drückt der Nachwuchs in Fächern wie Hauswirtschaft, Musik oder Kunst gemeinsam die Schulbank. Mathematik aber findet ab einer gewissen Altersstufe getrennt statt, wie der Rektor Claus Stöckle erklärt.

42 Kooperationsklassen gibt es derzeit im Kreis insgesamt. Bei 16 davon sind Schulen für geistig Behinderte im Boot, für die der Kreis als Träger zuständig ist, während für Förderschulen und Schulen für Körperbehinderte die Kommunen beziehungsweise das Land verantwortlich sind. Die Zahlen sind generell steigend. Im vergangenen Jahr seien es noch 34 Kooperationsklassen gewesen, bestätigt die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Gabriele Traub, auf Nachfrage. Auch zum kommenden Schuljahr soll nochmal leicht aufgestockt werden.

Ob es die Außenklassen auch in Zukunft geben wird, bleibt abzuwarten. Derzeit wird noch an der Überarbeitung des Landesschulgesetzes gearbeitet. Die Sonderschulpflicht soll abgeschafft und die Wahlfreiheit der Eltern soll dort verankert werden. Neben den Gemeinschaftsschulen, die per se inklusiv seien, solle es an bestimmten Regelschulen entsprechende Angebote geben, erklärte das Ausschuss-Mitglied Claus Schmiedel, der als SPD-Fraktionsführer im Landtag an der Quelle sitzt. Wie die aussehen werden, ist aber noch nicht klar.

Der springende Punkt sei indes, dass die behinderten Schüler mit dem neuen Gesetz nicht mehr an den Sonder-, sondern an den Regelschulen gemeldet seien, sollten sie sich für eine solche entscheiden, so Schmiedel. Was das für die Zukunft der Sonderschulen bedeuten könnte, ist offen. Aktuell seien die Anmeldezahlen für sonderpädagogische Einrichtungen im Land noch steigend.

Die Schulamtsleiterin Gabriele Traub ist sich unterdessen sicher, in den Außenklassen die optimale Lösung in puncto Inklusion gefunden zu haben. Die Kräfte in Kooperationen zu bündeln, sei effizienter, als wenn man Behinderte einzeln in Klassen voller gesunder Kinder unterrichten würde, sagt sie. Erstens könne so eine umfassende sonderpädagogische Betreuung gewährleistet werden, die Einzelkämpfer nur anteilig erhielten. Zum anderen sei die Gruppe wichtig für die Kinder, die so besser lernten und sich nicht als Exoten fühlen müssten. Traubs Kollegin, die Schulrätin Anna Ensslin, bekräftigte im Ausschuss zudem, dass Außenklassen von den Eltern nach wie vor gewollt seien.

Damit liegen die beiden Frauen auf Linie mit dem Landrat und den Mitgliedern des Ausschusses. Dort wurde am Montag die Sorge über die neue Wahlfreiheit der Eltern, die seit der UN-Menschenrechtskonvention 2009 theoretisch auch in Deutschland schon geltendes Recht ist, geäußert. Dr. Thomas Lang (CDU): "Ist diese Entscheidung dann auch die richtige?" Das sei die entscheidende Frage, entgegnete Rainer Haas. Man müsse die Eltern dabei unterstützen, die beste Lösung für das Kind zu finden.

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