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Ingersheimerinnen fordern den Erlass einer Kastrations- und Registrierpflicht

Ingersheimer Katzenliebhaberinnen füttern wilde Katzen. Sie fordern von Bürgermeister Volker Godel, jetzt eine Kastrations- und Registrierungspflicht.

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Inge Wiesebrock füttert Katzen in Ingersheim und lässt sie kastrieren damit sie sich nicht unkontrolliert vermehren.  Foto: 

Inge Wiesebrock steht morgens schon vor sechs Uhr auf, um sich um ihre Lieblinge zu kümmern. Einige von ihnen warten schon auf sie, denn sie hat Futter dabei, schaut nach, ob sie alle gesund sind und streichelt sie auch mal liebevoll. Am Abend gibt es – solange es hell ist – das gleiche Ritual noch einmal. Doch Wiesebrock lässt es nicht dabei: Manchmal borgt sie sich eine Katzenfalle vom Ludwigsburger Tierheim, lockt die Tiere an und lässt sie dann kastrieren. Denn die Tierfreundin möchte dafür sorgen, dass sich wild lebende Katzen nicht unkontrolliert vermehren und ihre Jungen dann ein ähnlich elendes Leben führen.

Dabei ist sie nicht die einzige Frau in Ingersheim, die sich des Katzenelends annimmt. Die ehemalige Lehrerin Karin Neubauer hat ebenfalls herrenlose Tiere gefüttert und allein im letzten Jahr elf Katzen eingefangen und kastrieren lassen. Die jungen Kätzchen hat sie dann auch an Tierliebhaber weitervermitteln können. Denn auch ihr ist es ein Gräuel, wenn die Tiere hungern müssen und ein vor drei Jahren novellierte Tierschutzgesetz immer noch nicht greift, wonach Länder oder auch einzelne Kommunen eine Kastrations- und Registrierungspflicht (durch Tätowierung oder Mikrochips) für Katzenhalter erlassen können.

Paderborn war die erste Stadt, die 2008 einen solchen Erlass verabschiedet hat. Inzwischen ist das  in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen gang und gäbe. Andere aber zieren sich noch. Beispielsweise gibt es in ganz Baden-Württemberg nicht eine Kommune, die solch einen Erlass umgesetzt hat. Zwar hat die Landesregierung 2013 ihre Städte und Gemeinden dazu ermächtigt, doch hat der Gemeindetag den Kommunen  abgeraten, davon Gebrauch zu machen, „da die Vorschrift aufgrund hoher rechtlicher Hürden nicht praktikabel ist“.

So sieht das auch Bürgermeister Volker Godel bei allem Wohlwollen, das er für seine engagierten Ingersheimer Katzenfreundinnen hegt. Da er selbst daheim Katzen hat, unterstützt er sie zuweilen mit Futterspenden oder Finanzierung von Kastrationen aus seinem persönlichen Fundus. Er bezeichnet es angesichts der eklatanten Rechtsunsicherheiten als „schwache Leistung“ der Landesregierung, das Katzenproblem an die  Kommunen abzuschieben. Im Übrigen gibt er zu bedenken, dass er allein eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts dafür abzustellen hätte, um alle Katzen Ingersheims registrieren zu können. Und das könne die Gemeinde sich nicht leisten.

Ungeachtet dessen hält aber auch Katzenfreund Godel die Kastration und Registrierung von Katzen mit Freigang für notwendig. Weil Katzen sterilisiert und gekennzeichnet gehören, appellieren auch Veterinäre des Landratsamts an alle Katzenbesitzer: „Helfen Sie mit, dass kein unnötiges Katzenleid entsteht.“  Schließlich leben neben den rund acht Millionen Hauskatzen etwa zwei Millionen Artgenossen in freier Wildbahn.

Dass Landwirte oft bewusst ihre Katzen nicht füttern, weil sie im Betrieb Mäuse fangen sollen,  ist für die Ingersheimer Katzenfreundinnen genauso wenig akzeptabel wie die Weigerung von Tierhaltern, ihre Katze deshalb nicht kastrieren zu lassen, „weil die doch auch ihren Spaß haben soll“. Dass jüngst an der Kleingartenanlage beim Holderfriedhof per Aushang ein Katzen-Fütterverbot verlangt wird, ist ihnen genauso ein Dorn im Auge. „Sollen die Katzen denn verhungern?“ fragt Wiesebrock. Und ihre Mitstreiterin berichtet von einem heruntergekommen Kätzchen, das sie erst kürzlich fand und wegen Dehydrierung wieder hochpäppeln musste.

Ursula Gericke vom Ludwigsburger Tierheim sind Frauen wie die Ingersheimerinnen lieb und teuer. Deshalb leiht sie ihnen auch Katzenfallen und kümmert sich um die Kastrierung und die Registrierung bei „Tasso“. Denn nur so kann verhindert werden, dass die Populationsdichte zunimmt und herrenlose Katzen weder genügend Nahrung noch Verstecke finden.

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