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Immer mehr fliehen nach Unfällen

Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die ernste Folgen haben kann. Trotzdem nehmen Verkehrsunfälle mit Fahrerflucht im Kreis kontinuierlich zu, wie die neuesten Zahlen der Polizei zeigen.

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Fast ein alltägliches Bild: Abgerissene Außenspiegel liegen auf der Durchgangstraße. Viele Unfallverursacher fahren einfach weiter.  Foto: 

Kurz nicht aufgepasst, und schon ist es passiert: Beim Ein- oder Ausparken hat man das nebenstehende Fahrzeug geschrammt oder ist auf ein Hindernis aufgefahren. Auf den ersten Blick sieht es vielleicht harmlos aus: Am eigenen Auto ist kaum etwas zu sehen, am anderen Fahrzeug oder am Hindernis auch nur wenig. Jetzt einfach wegzufahren und darauf zu hoffen, dass niemand etwas mitbekommen hat, ist verführerisch.

Aber wer tatsächlich so handelt, der macht sich strafbar. Nach Paragraf 142 im Strafgesetzbuch ist das "unerlaubte Entfernen vom Unfallort" immer eine Straftat. Selbst wenn es sich nur um Bagatellschäden handelt und erst recht, wenn Personen verletzt wurden. Trotzdem begehen immer mehr Autofahrer Unfallflucht, wie die aktuellen Zahlen der Polizei für den Kreis zeigen. Im vergangenen Jahr wurden für den Zeitraum von Januar bis Mai 2391 Verkehrsunfälle mit Fahrerflucht registriert, in diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum bereits 2513 Fälle. Davon 604 Verkehrsunfälle mit Personenschaden (2013: 547 Fälle) und 1909 Verkehrsunfälle mit Sachschaden (2013: 1844).

Die zunehmende Zahl der Unfallfluchten hat laut Diplom-Psychologe Ulrich Höckendorf von der Dekra aus verkehrspsychologischer Sicht mehrere Gründe: "Zum Einen geben die steigenden Zahlen einen Hinweis darauf, dass das sinkende Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung auch im Straßenverkehr zum Ausdruck kommt. Die Übernahme von Verantwortung spielt eine immer geringere Rolle, die Verkehrsmoral sinkt. Zum Anderen stehen die Menschen heute unter einem hohen Zeitdruck. Sie scheuen den zeitlichen Aufwand, die Angelegenheit zu klären." Eine weitere Rolle spiele die immer älter werdende Gesellschaft, so Höckendorf weiter. "Hier nehmen die Straftaten gerade im Bereich der Kleinkollisionen zu, weil diese von älteren Autofahrern aus unterschiedlichen Gründen oft gar nicht mehr wahrgenommen werden."

Aber laut Gesetz unterliegt der Unfallverursacher einer "Wartepflicht", die allerdings auch von den Umständen abhängt. Minimum sind jedoch 30 Minuten. Ein weit verbreiteter Irrtum ist der berühmte Zettel an der Windschutzscheibe mit Namen und Kontaktdaten. "Damit ist nicht sichergestellt, dass der Unfallgeschädigte diesen Zettel auch erhält", so Yvonne Schächtele, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ludwigsburg.

Eine spätere polizeiliche Meldung bei Fahrerflucht kommt nur bei Parkunfällen (außerhalb des fließenden Verkehrs) innerhalb von 24 Stunden infrage und nur bei Bagatellschäden. Allerdings darf die Polizei den Unfallflüchtigen in der Zeitspanne noch nicht ermittelt haben, zum Beispiel auf Grund von Zeugenaussagen.

Das Strafmaß bei Unfallflucht bewegt sich zwischen einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe. Je nach Schwere des Unfalls kann auch ein Fahrverbot von mehreren Monaten oder die Entziehung der Fahrerlaubnis dazu kommen. Außerdem drohen bis zu sieben Punkte in Flensburg. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man immer sofort die Polizei verständigt. "Scheuen Sie sich nicht, immer die 110 anzurufen, die Polizei kommt auf jeden Fall und nimmt den Unfall auf", so Yvonne Schächtele.

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