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Gutscheine fürs Freibad sollen Feuerwehrleute locken

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Klaus Haug ist Feuerwehrkommandant in Hessigheim und seit April Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Sein Landesverband hat im September gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden des Städte- und Gemeindetages ein Strategiepapier verabschiedet, das die Kommunalen Aufgaben im Umgang mit der Feuerwehr beschreibt. Im BZ-Interview spricht Haug über den Zustand der Feuerwehr im Landkreis, die Bedeutung des Ehrenamtes und die Forderungen seines Verbandes.

Herr Haug, wie steht es um Ausrüstung und Engagement der Feuerwehr im Landkreis Ludwigsburg?

Klaus Haug: Die Ausrüstung ist gut. Wenn Feuerwehren allerdings neue Fahrzeuge brauchen, weil das alte ersetzt werden muss, ist es schon seit langem so, dass die Zuschüsse des Landes sehr gering sind. Das Antragsvolumen im Landkreis Ludwigsburg kann deshalb nicht befriedigt werden. Es stehen zu wenig Mittel zur Verfügung.

Die einzelnen Kommunen geraten also damit in eine Warteschleife?

Richtig. Oder sie sehen sich gezwungen, die Fahrzeuge ohne Zuschüsse des Landes zu beschaffen. Es gibt einige Feuerwehren, die in diesem Jahr und auch im vergangenen Jahr keinen Zuschuss bekommen haben. Dieser Zustand hält schon sehr lange an.

Wenn man sich die Liste der Forderungen in dem Strategiepapier anschaut, dann sollte man meinen, es fehlt an vielem.

Im Landkreis Ludwigsburg gibt es noch nicht viele Kommunen, die freiwillige Leistungen für Feuerwehrleute anbieten. Die Feuerwehrleute sollen motiviert werden, damit sie bei der Stange bleiben. Das Ziel ist nicht nur die Personalgewinnung. Mit freiwilligen Leistungen soll vor allem das Ehrenamt gestärkt werden. Es geht um die Wertschätzung der Feuerwehrleute, die ihren Dienst freiwillig verrichten. Das kann durch Bildungsgutscheine erreicht werden oder durch einen Gutschein fürs Freibad oder für ein Sportstudio oder einen Zuschuss für den Kameradschaftsausflug.  Die Gemeinden könnten sich auch überlegen, Freiplätze im Feuerwehrhotel am Titisee anzubieten.

Es klingt ein wenig, als fehlte es an der Attraktivität des Ehrenamtes. Ist der Feuerwehrdienst noch attraktiv genug, damit der zusätzliche Aufwand an Zeit und Einsatz noch gerne geleistet wird?

Ich denke schon. Insbesondere für technikbegeisterte Menschen ist der Feuerwehrdienst eine gute Gelegenheit, das zu leben. Viele Feuerwehrleute wollen der Bürgerschaft und in Not geratenen Menschen helfen und einen sozialen Dienst leisten. Das motiviert sie.

In welchem Umfang leiden Feuerwehren im Landkreis an Personalmangel?

Im Großen und Ganzen sind die Feuerwehren im Landkreis noch gut aufgestellt. Was allerdings Probleme macht, ist die Tagesverfügbarkeit. Morgens um zehn ist es bei einem Alarm vielfach schwierig, dass die Feuerwehr in der geforderten Zeit und Stärke am Einsatzort ist. Die meisten Feuerwehrleute arbeiten nicht mehr im Ort. Die Richtlinien für die Mindesteinsatzstärke kann deshalb oft nicht mehr eingehalten werden. Nach 15 Minuten mit 18 Mann im Einsatz – das können nur wenige Kommunen leisten. Deshalb gibt es Kooperationen zwischen den Gemeinden, wie beispielsweise zwischen Hessigheim und Mundelsheim.

Mit welchem Anliegen aus dem Strategiepapier gehen Sie konkret an den Landkreis?

Ende Dezember habe ich einen Termin mit Landrat Dr. Rainer Haas, bei dem ich unter anderem auch dieses Thema ansprechen möchte. Eine Möglichkeit der Förderung wäre es, dass Feuerwehrleute in Uniform umsonst mit Bus oder Bahn fahren können. Es gibt auch Möglichkeiten, die Ausbildung zu stärken. Obwohl dieses Thema im Landkreis Ludwigsburg gut gelebt wird. Mit Kreisbrandmeister Andy Dorroch haben wir einen guten Ansprechpartner.

Wo ist der erste Ansatz in den Gemeinden?

Zunächst einmal ist zu klären, ob alle obligatorischen Voraussetzungen erfüllt sind, damit die Feuerwehr ihre Arbeit erledigen kann. Dann erst geht es um die freiwilligen Leistungen. Zur Förderung der Einsatzstärke gehört aus meiner Sicht, dass die Kommunen bei der Einstellung von Personal darauf achten, dass der eine oder andere Mitarbeiter zur Feuerwehr geht. Das sind später die Leute, die tagsüber da sind.

Machen die Feuerwehren von sich aus genug, um sich zu zeigen?

Auf jeden Fall. Es gibt eine Vielzahl von Aktionen und Werbemaßnahmen zur Nachwuchsgewinnung. Im Verband haben wir bereits über einheitliche Werbemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit gesprochen, mit denen andere Feuerwehren gute Erfahrungen gemacht haben. Demnächst wird der Feuerwehrverband seine eigene Homepage freischalten, deren Erstellung sehr viel Kraft gebunden hat.

Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes?

Mir ist es wichtig, Ansprechpartner für alle 3500 Einsatzkräfte und insgesamt 5500 Mitglieder der Feuerwehr zu sein. Und ich möchte im Feuerwehrwesen vorankommen. Wir haben aktuell noch keine Probleme mit Personal. Doch das muss nicht so bleiben. Wir müssen jetzt aktiv werden, um das Ehrenamt zu stärken und attraktiv zu halten, damit wir für die Zukunft gerüstet sind. Die Gemeinde kann die Aufgaben einer Feuerwehr nicht leisten. Für eine hauptamtliche Feuerwehr bräuchte eine Gemeinde etwa 45 Leute. Das sind für jede Kommune 2,5 Millionen Euro jährlich.

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