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Geld reicht nicht mal für Blumen

Ein Asylbewerber ist vom Ludwigsburger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte mit Drogen gehandelt. Mit dem Geld wollte er seiner Freundin offenbar Blumen kaufen.

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Er kann nach eigenem Bekunden weder lesen noch schreiben, doch wie clever sich ein 35-jähriger Asylbewerber vor dem Ludwigsburger Schöffengericht präsentierte, beeindruckte sogar den Staatsanwalt. Letzterer konnte freilich nicht auf eine Bewährungsstrafe plädieren, nachdem zutage gekommen war, dass der Staatenlose auf der Anklagebank einschlägig im Bundeszentralregister festgehalten ist. Doch am Ende setzte das Gericht die zweijährige Freiheitsstrafe noch einmal zur Bewährung aus.

Dass es der Schwarzafrikaner in Nigeria weder im Bürgerkrieg noch als Christ einfach gehabt hatte, das konnte sich jeder der Prozessbeteiligten denken. Als Asylbewerber war er 2003 zunächst unter falschem Namen in die Asylunterkunft Möglingen eingewiesen worden. 2009 wurde er abgeschoben, kam aber unter seinem richtigen Namen wieder zurück, weil er sich in eine deutsche Frau verliebt hatte. Arbeiten durfte der Asylbewerber und Staatenlose in der Bundesrepublik nicht. Er habe sich geschämt, seiner Freundin mit seinem Asylbewerber-Taschengeld nicht einmal Blumen kaufen zu können und habe angefangen, Drogen zu verkaufen, so der Mann.

Doch nach drei Verkäufen von insgesamt 6,1 Gramm Marihuana und drei Plomben Kokain Ende 2012 kam die Polizei dem Mann über getarnte Abnehmer auf die Schliche. Fünf Plomben Kokain fanden die Beamten zudem bei der Durchsuchung der Wohnung seiner Freundin in Waiblingen. Bis der Mann festgesetzt war, dauerte es allerdings noch ein bisschen. Erst als er sein monatliches Taschengeld bei der Stadtverwaltung in Vaihingen, wo er mittlerweile in der dortigen Asylbewerberunterkunft gemeldet war, abholen wollte, klickten die Handschellen für die Fahrt ins Untersuchungsgefängnis.

Über den Kontakt zu den getarnten Abnehmern der Polizei berichtete der Angeklagte, sie hätten ihn nach Drogen gefragt, aber er habe keine gehabt. Also habe er bis zur nächsten Verabredung "versucht, etwas zu bekommen". Ein Junge habe ihm Drogen bringen können. Damit sei er dann ausgerechnet den V-Männern auf den Leim gegangen, wodurch sich die Hoffnung, er könne sich bei seiner Freundin endlich einmal mit Blumen erkenntlich zeigen, vollends zerschlagen habe.

Dem Ankläger war die Sache mit den Blumen für die Freundin nicht ganz geheuer. Außerdem fragte sich der Staatsanwalt, warum ein Asylbewerber zwei Handys brauche und diverse SMS verfassen könne, wenn er des Lesens und Schreibens nicht mächtig sei.

Nach seinem Strafantrag auf zwei Jahre Gefängnis erhob sich der Beschuldigte und beteuerte: "Ich verspreche allen, ich werde es nie wieder tun - bitte!"

Auf zwei Jahre Freiheitsstrafe ging letztlich auch das Ludwigsburger Gericht, wagte aber dennoch, dem Asylbewerber die für eine Bewährung erforderliche günstige Prognose zu stellen. Richter und Schöffen hatten nach eigener Aussage erkannt, dass der 35-Jährige arbeiten will und kann, wenn man ihn nur lässt.

Die gemeinnützige Arbeit infolge einer früheren Verurteilung hatte er in einem Pflegeheim abgeleistet, an seiner Zusammenarbeit mit dem Bewährungshelfer gab es offenbar nichts zu beanstanden. Weil das alles gut geklappt hat, darf der Fahrradmonteur aus Nigeria mithilfe seiner Freundin jetzt in weiteren 200 Stunden darauf hinarbeiten, irgendwann einmal doch noch mit dem aus eigener Kraft verdienten Blumenstrauß aufwarten zu können.

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