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Gegen die Sünde, aber nicht gegen den Sünder

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Alexander König.  Foto: 

Der katholische Dekan Ludwigsburgs und Pfarrer an Sankt Maria in Ditzingen, Alexander König, spricht im BZ-Interview offen über Toleranz und ihre Grenzen in seiner Kirche.

Herr König, ist die katholische Kirche tolerant?

Alexander König: Ja. Christen müssen allen Menschen gegenüber tolerant sein, da werden wir durch das Menschenbild in der Bibel, in der Genesis, angeleitet. Das staatliche Grundgesetz ist ja auch ein christliches.

Wie sieht diese Toleranz aus?

Jesus verkündete, dass Gott alle Menschen liebt, so wie sie sind. Das sollte auch unser Leitsatz sein, dass wir jeden und jede annehmen, wie er oder sie ist.

Aber die katholische Kirche schließt Geschiedene von der Kommunion aus, ist gegen die Abtreibung und die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Ist das nicht intolerant?

Ja, wenn man die Menschen dafür ins Abseits stellt. Es sollen aber niemals Menschen, sondern die Tat abgelehnt werden. Kurz gesagt: Gott ist gegen die Sünde, aber nicht gegen die Sünder. Da ist das Beispiel der Ehebrecherin im Neuen Testament, wo Jesus sagt, wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Die Kirche schützt die Ehe als hohes Gut und erkennt die Ehescheidung nicht an, verurteilt aber nicht die Geschiedenen. Wenn Eltern die Entscheidung zu einer Abtreibung gewissenhaft getroffen haben, müssen wir diese Entscheidung tolerieren. Die Kirche sieht für homosexuelle Paare keine Ehe vor, lehnt Homosexuelle aber nicht ab. Der Vatikan hat im vergangenen Jahr ein Dokument veröffentlicht mit der Überschrift amoris laetitia, die Freude der Liebe. Darin ist unter anderem die Möglichkeit genannt, dass die einzelnen Bischofskonferenzen Wege öffnen, dass wiederverheiratete Geschiedene wieder zur Kommunion gehen dürfen. Es gibt mehr und mehr Öffnung in der Kirche für Menschen in besonderen Lebenslagen, aber noch lange nicht genug.

Und wie ist das mit der Ehe für alle? Die Kirche verweigert gleichgeschlechtlichen Paaren ihren Segen.

Wir müssen unterscheiden zwischen Segen und Ehe. Zur Ehe gehören in der katholischen Kirche die Kinder dazu. Zusätzlich wurde die Ehe zum Sakrament erhoben, sie ist für die katholische Kirche die fruchtbare Keimzelle für Kinder, daher für die Gemeinschaft von Mann und Frau bestimmt. Ich persönlich finde, dass die Kirche eine Möglichkeit finden muss, homosexuelle Paare zu segnen, das ist aber etwas anderes als eine Ehe im katholischen Sinn. Papst Franziskus hat in einem Interview mit der Gegenfrage geantwortet, in etwa: Wenn sich zwei Männer oder Frauen lieben, was soll daran schlecht sein?

Welche Signale müssten die Kirche, der Vatikan, der Papst, die Bischöfe, in puncto Toleranz setzen?

Bei der gleichgeschlechtlichen Liebe hat der Papst zwar gemeint, dass er nichts Schlechtes daran finden kann, aber er hat auch nichts Positives dazu gesagt. Das fehlt mir bei vielen Themen, dass die Kirche und ihre Vertreter sich nicht positiv dazu äußern und damit die Möglichkeit zur Intoleranz geben. Da hat die Kirche ja auch eine Vorbildfunktion. In unseren Gemeinden sind beispielsweise immer wieder gleichgeschlechtliche Paare engagiert und da muss ich als Pfarrer auch öffentlich ein Signal setzen, in dem ich sie behandle wie jedes andere Paar.

Werden homosexuelle Bewerber als Mitarbeiter eingestellt?

Es sollte nach Qualität entschieden werden, welchen Bewerber genommen wird. Aber ich denke schon, dass die Kirche sich hier immer noch schwer tut. Ich wünsche mir wirklich, dass die Kirche eine bessere Haltung zur Homosexualität bekommt. Die katholische Kirche, und das sage ich ganz deutlich, muss aufpassen, dass sie Homosexuelle durch ihr Nichtssagen nicht diskriminiert.

Wenn Homosexuelle in der Kirche nicht das Gefühl hätten, diskrimiert zu sein, würde es die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HUK) nicht gebe .

Gegen Homosexualität gibt es in der Kirche immer noch Ressentiments. Darum denke ich ja, dass die Kirche mehr und klarer Stellung beziehen sollte.

Glauben Sie, dass Ihre Worte von konservativen Katholiken als Provokation aufgefasst werden?

Es gibt natürlich immer Menschen, die mit gesellschaftlichen Veränderungen nicht zurechtkommen. In der katholischen Kirche gibt es Kräfte, die befürchten, wenn wir nicht an den alten Werten festhalten, zerbröckelt die Kirche. Diese Menschen sollten immer wieder an unsere christlichen Werte erinnert werden. Und zum Glück haben wir in Franziskus einen Papst, der in Rom Toleranz vorlebt. Ich finde, wir alle müssen uns viel mehr in Toleranz üben.

Wird in den Gemeinden Toleranz geübt?

Natürlich, denn es ist zutiefst christlich, sich auf die Seite von Minderheiten zu schlagen. Es bedeutet für mich aber auch, die Stimme zu erheben, wenn Menschen ausgegrenzt oder diskriminiert werden.

Seit 2014 ist der 48-jährige Priester Alexander König Dekan des katholischen Dekanats Ludwigsburg. König ist Pfarrer der Seelsorgeeinheit Südliches Strohgäu an Sankt Maria in Ditzingen. Das Dekanatsamt in Ludwigsburg übt er zusätzlich aus. Alexander König stammt aus Heilbronn und hat Theologie in Tübingen und Rom studiert. Bevor er 2003 Pfarrer in Ditzingen, Gerlingen und Hirschlanden wurde, war er Diakon in Ravensburg, Vikar in Aalen und Leonberg und Hochschulpfarrer in Tübingen. sz

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