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Gefälschte Euro aus dem Internet

Ein 35-jähriger Sicherheitsfachmann und Service-Kassentechniker aus Ditzingen soll über ein Internetportal gefälschte Euronoten eingekauft und verwendet zu haben. Jetzt steht er vor Gericht in Stuttgart.

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Selten müssen sich die Richter am Stuttgarter Landgericht mit Geldfälschern befassen. Nun jedoch verhandelt die 19. Große Strafkammer gegen einen 35-jährigen IT-Fachmann aus Ditzingen, der laut Anklage ab dem Jahr 2013 begonnen hat, auf einem ganz speziellen Internet-Portal, welches nur wenigen Nutzern zugänglich ist, falsche Euroscheine zu kaufen. Das Portal soll von italienischen Kriminellen betrieben werden. Zuerst habe er, so die Anklage, nach seinem Einloggen in das Verkaufsportal, fünf gefälschte 20 Euro-Noten erstanden, die ihm per Päckchen an seine Ditzinger Privatadresse geliefert wurden. Bezahlt habe er diese Ware mittels Karte.

Das sei ihm wohl nicht genug gewesen, mutmaßt die Staatsanwältin und listet gegen ihn weiter auf: Im Oktober 2014 Bestellung und Lieferung von 150 Stück 50 Euro-Falsifikaten, für die der Angeklagte die Gesamtsumme von 400 Euro Echtgeld bezahlt und das Falschgeld dann im normalen Zahlungsverkehr verbreitet habe. In seinem Fahrzeug fand die Polizei anlässlich einer Durchsuchung am 11. August letzten Jahres weitere 122 Scheine falscher Euro Fünfziger sowie nochmals 21 Stück dieser Scheine, die er nach Auffassung der Anklage vorrätig hielt.

Wie der Mann das Falschgeld problemlos in echtes Geld verwandeln konnte, hat die Polizei zusammen mit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft in langwierigen Ermittlungen festgestellt: Als Service-Techniker für verschiedene Supermarkt-Kaufhauskassen in Stuttgart und dem Kreis Ludwigsburg hatte er Zugang zu Kassensystemen. In dieser Eigenschaft als Prüfer und Techniker soll er in unbeobachteten Augenblicken seine ständig mitgeführten gefälschten Fünfziger gegen echte Fünfziger in den Kassen kurzerhand ausgetauscht haben. Dies, so wirft es ihm die Staatsanwältin vor, in mindestens sieben Fällen.

Einmal sei er wegen technischer Probleme zu einer Kasse bei Tengelmann gerufen worden. Dort habe er gewartet, bis die Aufsicht zehn Minuten abgelenkt war und soll dann blitzschnell zehn falsche Fünfzig- Euro-Noten gegen echtes Geld in der Kasse ausgetauscht haben. Mit der Masche soll der Beschuldigte sich einen recht hohen Vermögensvorteil verschafft haben. Teilweise habe er das Geld auch zum Zahlen von Schulden benutzt. Und teilweise auch zum ganz normalen Einkaufen, so zum Beispiel im Oktober 2014 in einer Stuttgarter Bäckerei und bei einem Supermarkt in Ditzingen. Hier habe er jeweils Waren im Wert von 23 bis 25 Euro eingekauft und mit einem gefälschten Fünfziger bezahlt.

Die Fälschungen sind erst nach Geschäftsschluss beim Kassen-Zählen entdeckt worden. Die Anklagebehörde geht von einem gewerbsmäßig verübten Verbrechen von Geldfälschung und Diebstahl aus. Letzteres, weil er aus den ihm anvertrauten Kassen das Echtgeld gestohlen und dann mit wertlosem Falschgeld bestückt habe.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 35-Jährige vor Gericht steht. Nach eigenem Bekunden wurde er bereits in seiner Ausbildungszeit in einem Stuttgarter Kaufhaus entlassen und musste einen Jugendarrest verbüßen. Wofür, das soll noch in denn Verfahren bei der Verlesung der Vorstrafenliste erhellt werden. Im Jahre 2009 sei er erneut wegen einer Straftat in Haft gekommen.

Die Vorwürfe gibt der Angeklagte - bis auf einen einzigen Fall - vor der Stuttgarter Strafkammer zu. Am 2. Februar soll das Urteil gegen den 35-Jährigen verkündet werden.

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