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Gassigehen will gelernt sein

Das Tierheim in Ludwigsburg bietet einen Kurs für Gassigeher an. Dabei sollen Interessierte lernen, was zu beachten ist, wenn sie mit den Tierheim-Hunden spazieren gehen. Was genau dahinter steckt, erzählt Elisabeth Oeser.

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Petra Honeck (rechts) und Elisabeth Oeser vom Tierheim Ludwigsburg führen Hunde aus und bilden auch Gassigeher aus.  Foto: 

Im Tierheim Ludwigsburg können auch Außenstehende mit den Hunden spazieren gehen. Dazu müssen sie aber einen Kurs absovieren. Seit wann gibt es den sogenannten Gassigeher-Kurs?

ELISABETH OESER: Unsere Kurse werden seit 2010 angeboten und seitdem ständig weiterentwickelt.

Warum gibt es dafür extra einen Kurs, um einen Hund auszuführen, kann das nicht jeder?

OESER: Die Kurse sind wichtig, damit die zukünftigen Gassigeher wissen, was für Regeln und Möglichkeiten es bei uns im Tierheim gibt. Außerdem wird erklärt und gezeigt, wie mit unseren Hunden umgegangen werden sollte, denn da hat ja jeder andere Vorerfahrungen und Meinungen. Uns ist ein fairer aber konsequenter Umgang mit den Hunden wichtig, damit keine Unfälle passieren und Hund sowie Mensch Spaß an der Sache haben. Keiner darf bei uns Gassi gehen, wenn er nicht diesen Kurs gemacht hat.

Wie häufig wird der Kurs angeboten?

OESER: In der Regel machen wir spätestens alle acht Wochen einen neuen Kurs. Jeder gliedert sich in einen Theorieteil und drei Praxiseinheiten. Diese finden an vier Tagen statt und dauern jeweils zirka zwei Stunden.

Und wie ist die Nachfrage?

OESER: Die ist sehr gut. Da wir die Gassigeher in kleinen Gruppen schulen wollen, gibt es pro Kurs jeweils 15 Plätze - und die sind eigentlich immer belegt.

Welche Gründe nennen Ihnen denn die Leute für ihre Teilnahme?

OESER: Oft möchten die Menschen Kontakt zu Hunden haben, können aber vielleicht keinen eigenen Hund halten, weil sie berufstätig sind oder der Vermieter es nicht erlaubt. Andere möchten sich mehr bewegen, an der frischen Luft sein und das macht mit Hund einfach mehr Spaß. Natürlich möchten auch viele Leute das Tierheim unterstützen und den Hunden etwas Gutes tun.

Welche Art von Mensch kommt denn dann zu Ihren Kursen? Ist das die Mutter mit Kindern oder der alleinstehende Geschäftsmann?

OESER: Es gibt sehr unterschiedliche Gassigeher im Tierheim. Von jung bis alt, von der Studentin bis zum Facharzt, auch eine Ordensschwester geht bei uns mit den Hunden laufen. Man kann es also nicht genau festmachen. Die Liebe zu Hunden hat keine Altersbegrenzung. Eine Teilnahme am Kurs ist auch mit Kind möglich, allerdings dürfen Jugendliche erst ab 16 Jahren alleine Gassi gehen.

Und was behandeln Sie dann mit den Teilnehmern im Kurs?

OESER: Der Kurs unterteilt sich in einen Theorieabend und drei Praxiseinheiten. Beim Theorieabend werden Fragen der Teilnehmer geklärt, das Organisatorische erledigt und die wichtigsten Punkte für den Praxisteil erläutert. Im ersten Praxisteil schauen wir uns das Tierheim auf einem Rundgang genauer an und besprechen wer, wie und wo man Gassi geht. In den zwei weiteren Praxiskursen dürfen die Teilnehmer mit den Hunden raus und es wird die "Hundesprache", Grundkommandos und Unfallverhütung behandelt.

Muss man denn irgendwelche Voraussetzungen erfüllen um bei Ihnen Gassi gehen zu dürfen?

OESER: Die Voraussetzungen, um bei uns Gassigeher zu werden, sind, dass man keine Angst vor Hunden hat, mindestens 16 Jahre alt ist, Mitglied beim Tierschutzverein wird und die Gassigeherregeln anerkennt.

Wie viele Gassigeher hat denn das Ludwigsburger Tierheim?

OESER: Es gibt viele Gassigeher aber nicht alle kommen regelmäßig. Am Wochenende können es dann schon mal 30 bis 40 Leute sein. Es hängt auch immer von Faktoren wie Wetter oder Ferien ab.

Auf was achten Sie denn, wenn Sie einen Hund zum Spazierengehen aus den Zwinger holen und ihn einem Spaziergeher anvertrauen?

OESER: Das Wichtigste ist, dass Mensch und Hund zusammen passen. Sowohl was die Kraft angeht als auch das Temperament. Es bringt nichts, wenn eine ältere Dame mit einem 50 Kilogramm schweren Hund Gassi gehen will, der sie dann über den Acker zieht. Außerdem achten wir darauf, dass die Hunde gut gesichert sind und die Gefahr minimiert wird, dass ein Hund wegläuft. Und natürlich schauen wir auch dann nochmal, ob sich die Gassigeher auch draußen an das Gelernte halten.

Ist denn schon einmal etwas passiert?

OESER: Dafür, dass das Tierheim so viele Hunde und Gassigeher hat, passiert glücklicherweise sehr wenig. Das liegt aber auch daran, dass wir die Leute mithilfe des Kurses so aufwändig schulen und auch danach auf die Einhaltung der Regeln achten. Natürlich sind Hunde keine Kuscheltiere und man muss immer damit rechnen, dass sich ein Hund anders verhält als man es vielleicht erwartet. Es kann immer passieren, dass ein Hund versucht, einen Fremden anzuspringen oder, dass ein Gassigeher hinfällt und sich verletzt. Aber alles in allem sind wir froh, dass diese Vorfälle die Ausnahme sind.

Und wer haftet dann, wenn etwas passiert?

OESER: Über die Mitgliedschaft gibt es eine Versicherung. Das wird den Teilnehmern alles im Theoriekurs erklärt. Diese Versicherung haftet aber natürlich nur, wenn jemand nicht grob fahrlässig handelt. Wenn ein Gassigeher also unerlaubterweise einen Hund von der Leine lässt und es dann zu einem Unfall kommt, haftet er selbst.

Für wen ist denn Ihrer Meinung nach der Kurs geeignet und wem würden Sie von einer Teilnahme abraten?

OESER: Sinnvoll ist der Kurs für die Menschen, die Lust und Zeit haben, mehr als nur zweimal im Jahr mit unseren Hunden laufen zu gehen, denn der Kurs nimmt ja auch eine gewisse Zeit in Anspruch. Ansonsten bietet das Tierheim eine gute Möglichkeit, Hunde aller Art und Größe kennenzulernen.

Hat denn der Kurs schon einmal Hund und Herrchen zusammengeführt?

OESER: Das ist schon oft passiert, dass Menschen unsere Hunde beim Spazierengehen kennengelernt haben, und dann ihrem Gassigeherhund ein neues Zuhause geschenkt haben. Aber auch für alle, die keinen Hund haben können, kann Gassigehen eine gute Möglichkeit sein. Man sollte sich nur klar machen, dass das Tierheim kein Spielplatz ist und die Tiere Bedürfnisse haben, auf die man eingehen muss.

Gibt es denn auch Leute, die wieder abspringen, nachdem sie mit einem Hund spazieren waren?

OESER: Natürlich gibt es auch Menschen, die merken, dass das Ganze doch nichts für sie ist. Ein Tierheim ist eben doch etwas anderes, als mal Nachbars Familienhund auszuführen. Letztendlich ist es eine große Verantwortung, der man sich bewusst sein muss und lieber entscheidet jemand, dass es seine Fähigkeiten übersteigt, als das nachher etwas passiert. Das nehmen wir auch niemandem übel, wenn er sich im Nachhinein doch dagegen entscheidet.

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