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Fokus auf den Themen statt auf die Persönlichkeit

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Catherine Kern, Bundestagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis Neckar-Zaber, trinkt am Frühstückstisch in ihrem Zuhause in Öhringen am liebsten Tee.  Foto: 

Vom Großen ins Kleine denken fällt Catherine Kern, der Bundestagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis Neckar-Zaber, leicht: Wirken ihre Themenfelder zunächst entgrenzt vom Alltag ihrer potenziellen Wähler, macht sie schnell klar, wie beispielsweise die von den Grünen angestrebte Agrarwende ins Leben der Bürger hineinspielt: „Wenn die Wassergebühr steigt, weil die Kommunen viel Geld für die Säuberung von Nitrat ausgeben müssen.“ Schließlich hat die Öhringerin fast alle Bürgermeister in den Kommunen im Wahlkreis Neckar-Zaber besucht, um zu erfahren, was dort die Themen sind. Auch bei den Mitgliedern in den Grünen-Ortsvereinen hat sie sich umgehört und kommt zu dem Schluss. „Ich kenne Neckar-Zaber.“ Mobilität und bezahlbarer Wohnraum seien Themen, die den Menschen im Wahlkreis wichtig sind.

Seit 2010 sitzt Catherine Kern im Gemeinderat von Öhringen, jetzt tritt sie auf Platz 19 der Landesliste für die Bundestagswahl an. Auf die Frage, wie groß die Chance ihrer Partei auf eine Regierungsbeteiligung sei, saugt die Öhringerin erst einmal die Luft ein. Es werde nicht leicht werden für Bündnis 90/Die Grünen, vermutet die 55-Jährige Kandidatin: „Wir wollen in vielen Bereichen einen Systemwechsel.“ Damit schaffe man sich automatisch Gegner: „Die Menschen, die gut von dem System leben und ihren Einfluss in Gefahr sehen.“

Einen Systemwechsel strebt Kern zum Beispiel beim Rentensystem an. Dieses hält sie für unsolidarisch, obwohl sie von einem der Punkte, an denen die Mutter dreier Kinder Kritik übt, selbst profitiert: „Das Geld für die Mütterrente wird aus dem falschen Topf entnommen.“ Für zukünftige Generationen würden deshalb die Beiträge steigen. Diese Leistung sollte aus Steuergeldern statt aus den Rentenbeiträgen bezahlt werden, findet Kern.

Ihre Prinzipien im politischen Spielrahmen zu verteidigen sei ihr wichtig – die Macht, welche öffentliche Ämter mitbringen, hingegen nicht. „Merkels Umschwung bei der Ehe für alle kam nur deshalb, damit sie Kanzlerin bleibt“, ist sich die Grünen-Politikerin sicher.

 Die Ausrichtung der Grünen in Baden-Württemberg unter Kretschmann gefalle ihr: „Sehr pragmatisch.“ Allerdings sieht sie bei Kretschmann schon einen Politiktrend, den sie für eine gefährliche Entwicklung hält: Persönlichkeitswahlen.

Die Wähler seien zunehmend blind für die eigentliche Politik. „Viele halten Merkel für eine tolle Frau, die ihre Stimme verdient hat. Ihre Themen stehen hintenan.“ Dies führe zu politischer Verdrossenheit.

Bei einer Podiumsdiskussion vor der Wahl saßen Catherine Kern und die Vertreter anderer Parteien zusammen mit einer Kandidatin der AfD auf der Bühne: „Sie hat sich selbst blamiert mit ihren rechtsradikalen Ansichten. Wir mussten nicht viel entgegnen.“ Ihre Befürchtung ist allerdings, dass die Divergenzen zwischen den anderen demokratischen Parteien im Wahlkampf auf der Strecke blieben, wenn sie „gegen die AfD an einem Strang ziehen“.

Dass das Gefühl von Benachteiligung dem Neuling im Bundestagswahlkampf die Wähler in die Hände treiben könnte, lässt Catherine Kern nicht gelten: „Ich komme aus der Umgebung von Liverpool, dort herrschte eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent und mein Freundeskreis bestand aus Migranten aller Länder.“ Wo eine Durchmischung stattfinde, herrsche auch weniger Rassismus, findet sie.

Alter: 55

Wohnort: Öhringen.

Beruf: selbstständig, unterrichtet Business-Englisch für Erwachsene und erstellt Bildungskonzepte für Firmen.

Familienstand: verheiratet, drei erwachsene Kinder.

Hobbys: Gartenarbeit, Schauspielerei

Lieblingsfilm: Erin Brockovich, weil es ein „grüner Film“ ist: Julia Roberts deckt Umweltsünden auf.

Lieblingsbuch: Der Schatten des Windes, ein Roman von Carlos Ruiz Zafón.

Lieblingslied: „Say a litle prayer“ von Aretha Franklin. cri

www.catherine-kern.de

Was ist Ihr wichtigstes bundespolitisches Ziel? Ich will ein solidarisches Europa voranbringen und den Wohlstand verbreiten.

Wie wollen Sie dies erreichen? Mit mehr Investitionen in Umwelttechnik und erneuerbare Energien; außerdem müssen wir gegen die Steuervermeidung multinationaler Firmen vorgehen.

Zwei weitere bundespolitische Ziele? Eine Garantierente, damit jeder im Alter in Würde leben kann, und mehr Investitionen in die Qualität der Kita-Betreuung und Bildung. Zudem soll es keine Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren ab 2030 geben.

Warum soll man Sie wählen? Unsere aktuelle Regierung, die große Koalition, verwaltet nur, es werden keine Reformen und Zukunftsprojekte angegangen. Ein Regierungswechsel ist nötig.

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