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Schulleiter benotet Schulministerin

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  • Susanne Eisenmann in Vaihingen. Im Hintergrund: Steffen Bilger, CDU-Kandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, und Dietrich Hauser, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands (rechts). 1/2
    Susanne Eisenmann in Vaihingen. Im Hintergrund: Steffen Bilger, CDU-Kandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, und Dietrich Hauser, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands (rechts). Foto: 
  • Hans-Joachim Sinnl, Schulleiter des FAG. 2/2
    Hans-Joachim Sinnl, Schulleiter des FAG. Foto: 
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Wie steht es um die einzelnen Schularten? Was tun gegen Lehrermangel? Bildungspolitik ist eigentlich Ländersache. Dennoch ist sie immer wieder Thema im Wahlkampf. Rund 100 Menschen waren am Donnerstagabend in den Löwensaal der Vaihinger Stadthalle gekommen. Dr. Susanne Eisenmann, Baden-Württembergs Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, referierte zum Thema Bildung. Eingeladen hatten Steffen Bilger, CDU-Direktkandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, und der CDU-Stadtverband. Doch wie kommen Eisenmanns Antworten an? Die BZ hat bei Hans-Joachim Sinnl, Leiter des Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasiums (FAG), nachgefragt.

„Sie konnte zwar nicht aufzeigen, wie sie alle Probleme lösen will, aber man hat Vertrauen gewonnen, dass sie es kann“, meinte der Pädagoge. Als Vertreter eines Gymnasiums empfand er es beispielsweise positiv, dass Eisenmann betonte, dass alle Schularten dieselbe Wertschätzung erfahren sollen, „während in den vergangenen Jahren eine Schulart dominiert hatte: die Gemeinschaftsschule“.

Schullandschaft: Steffen Bilger, CDU-Direktkandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, hatte zu Beginn gesagt: „Mit Susanne Eisenmann ist Ruhe und Ordnung ins Bildungssystem gekommen.“ Schulleiter Sinnl befindet es für richtig, dass der von der ehemaligen grün-roten Landesregierung verabschiedete neue Bildungsplan nicht mehr angefasst wurde. „Das hat zur Beruhigung der Situation beigetragen.“ Auch die Gymnasien könnten sich nun wieder auf die „inneren Aufgaben“ konzentrieren. „In der Diskussion um den neuen Bildungsplan haben wir für einen eigenständigen Bildungsplan gekämpft.“ 

Kernkompetenzen: Die Kultusministerin verteidigte beispielsweise den Rückzug von Englisch ab Klasse eins oder die korrekte Rechtschreibung bei Erst- und Zweitklässlern. „Man merkt noch nichts Konkretes bei uns. Aber der Umbruch ist sicher zielführend und wird auch an den weiterführenden Schulen zu spüren sein“, glaubt Hans-Joachim Sinnl.

Lehrermangel: Die frühere  grün-rote Landesregierung habe es versäumt, rechtzeitig ausreichend neue Lehrer auszubilden, klagte Eisenmann. Das ist auch der Eindruck Sinnls: Man habe sich zu sehr mit dem Bildungsplan beschäftigt. Gut findet der Schulleiter die Zusage der Ministerin, dass es keine Erhöhung des Klassenschlüssels oder der Wochenstunden für die Pädagogen geben soll. „Das hat die Lehrer beruhigt“, meint er.

Ressourcen: Proteste gab es aus dem Publikum, warum das Land vielen Lehrern befristete Verträge gebe, wenn doch Lehrermangel herrsche. Eisenmann rechnete vor: Von den 3500 bis 4000 befristet eingestellten Lehrern seien rund 1000 Pensionäre. Der Großteil des Rests erfülle die Voraussetzung für eine Verbeamtung nicht („Nicht-Erfüller“). Zudem gebe es Fächerkombinationen mit Lehrerüberschuss. „Wir haben keine Defizite“, sagte der FAG-Leiter. Beim Lehrerschlüssel sei aber natürlich Luft nach oben: „Viele Zusatzaufgaben werden nicht bezahlt. Es braucht Ressourcen, um fachlich besser zu werden und seine Aufgaben erledigen zu können“, meint er. 

Grundschulempfehlung: Im März hatte die Landesregierung erlassen, dass die Grundschul­empfehlung an der weiterführenden Schule wieder vorgelegt werden muss.  Dennoch haben Eltern Wahlfreiheit.  Es bringe nichts, wenn in den Klassen sechs bis acht viele Kinder wieder vom Gymnasium absprängen, betonte Eisenmann. „Ich bin sehr froh, dass diese Reform kam“, meint Hans-Joachim Sinnl, „wenn zu uns ein Kind mit Hauptschulempfehlung kommt, werde ich ein intensives Gespräch mit den Eltern führen.“

Ganztagsbetreuung: Zwar liegen Baden-Württemberg und Bayern bei der Ganztagsbetreuung zurück. Allerdings, so Kultusministerin Eisenmann: „In Baden-Württemberg ist der Wunsch nach Flexibilität stark verankert. Eine Zwangsbeglückung der Eltern wird es nicht geben“, sagte sie mit Blick auf verbindliche Ganztagsschulen – und erntete dafür Applaus. Auch der FAG-Schulleiter ist dieser Meinung. „Es ist zwar schwierig, der Ganztagsbetreuung nach Wunsch der Eltern nachzukommen, aber wir schaffen das ganz gut.“

Informatik: Seit diesem Schuljahr gibt es ab Klasse 7 an Gymnasien Informatikunterricht. Eine Lehrerin des FAG bemängelte, dass dieser aber nur dann bis zum Abitur durchgeführt wird, wenn man sich für einen bestimmten Zug entscheidet. „Auch ich bin der Meinung, dass Informatik für alle weitergeführt werden muss. Das wäre billiger und zielführender“, glaubt Hans-Joachim Sinnl.

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